Mittwoch, den 23. Mai 2007 um 11:59 Uhr |
Michael Eisner | Geschichten & Gedichte - Geschichten
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Der letzte Gast
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Glücklich bin ich.
Ich sitze hier in einem untypischen Wiener Schanigarten, inmitten einer geschäftigen, vom Puls des Lebens durchfluteten Fußgängerzone. Man kann von hier aus noch das letzte „Eckerl“ des "Wiener Grabens" erahnen, dessen Beginn ein Stelldichein mit dem sagenumwobenen Stephansdom hat. Untypisch dahingehend, weil das "Cafe Bawag" gegenüber Tuchlauben 4 nicht vom Schlage eines "Cafe Havelka" ist. Jenes war vor meiner Zeit unter anderem durch den "Wiener Kreis", H. C. Artmann oder durch den "Nockerten vom Havelka" von Georg Danzer bekannt geworden. Damals war das Havelka "der Treffpunkt", "die Institution" der Kreativität. Heute lebt es nur noch von den Erinnerungen, des künstlerischen Aufbruchs, der Glorious Days vergangener Tage.

Eine renovierungsbedürftige abgefuckte Hütte, die Literaturtouristen magnetisiert. Der alte Glanz ist längst verblasst, das Flair ist wie der damalige Zeitgeist schon lange verschwunden. Der Zahn der Zeit hat auch das gute alte Havelka nicht verschont und es unaufhaltsam welken lassen. Eine in meinem Kopf klingende Melodie von Erika Pluhar schwingt durch die melancholische Seele: "Es war einmal … und es war einmal schön … da gibt’s nichts zu erklären … . " Auch das Havelka wird eines Tages weichen müssen und bleibt nur noch in unserer Erinnerung haften. Vielleicht wird es eines Tages restauriert oder gefressen. Von einer Bank, einem Schnellimbiss, einer Kaffeehauskette … wer weiß?
Es stimmt mich schon traurig, denn immer mehr traditionelle "Altwiener Cafehäuser" mit dem typischen Flair verschwinden, müssen weichen. Dazu zählt auch der langsam aussterbende, phlegmatische, manchmal leicht grantelnde "Altwiener Kellner", der erst das "Herz" des Wiener Cafehauses zum Leben erweckt, der jeden Stammkunden mit seinem Titel hofiert: "Darfs noch ein Stückerl Gugelhupf sein Herr Doktor ? Wie geht`s der werten Gemahlin Herr Hofrat ? Küss die Hand Frau Generaldirektor – und küss die Herzen … ," ja, die guten Geister werden mir fehlen. Die plötzlich aufkommende Melancholie unterstreicht die Erinnerung. Eines Tages wird das Havelka verschwunden sein, das so einzigartig, liebenswerte Kellnergenre, und auch ich. Das ist eben der Lauf der Dinge.
Die Sonne am Firmament hält zurzeit ihr Lächeln verborgen, jedoch die Sonne in meinem Herzen brennt lichterloh und - was will ich denn vom Leben mehr verlangen als in einer Zeit und an einem Orte leben zu dürfen, die mir, die uns gestatten ein paar Träume zu verwirklichen die uns bewegen. Was will ich denn mehr vom Leben verlangen
als Gesundheit und das Glück das mich tagtäglich in die Arme nimmt und küsst. Was will ich denn mehr verlangen als den von Gott gegebenen kreativen Reichtum, der nicht mit Geld aufzuwiegen ist.
Ich versuche in diesem Augenblick nicht zu denken, versuche nur die Impressionen des Augenblicks zu beschreiben, verspüre die Energie, den Fluss des Lebens der an mir vorüberzieht.



 
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