Montag, den 29. Januar 2007 um 12:20 Uhr |
Hans-Peter Stepanik | Geschichten & Gedichte - Geschichten
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Der Tod und das pralle Leben
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Es war an einem schönen, sonnigen Tag im Mai 1969. Die Notrufmeldung ging am späten Nachmittag beim Polizeirevier in Giengen/Brenz ein. Der Anrufer berichtete aufgeregt, dass im Freibad in Herbrechtingen eine Person regungslos im Wasser treiben würde.

Als uns die Meldung über Funk erreichte, befanden wir uns mit dem Streifenwagen fast am anderen Ende unseres Dienstbezirks. Dennoch mussten der Kollege W. und ich den Auftrag übernehmen, weil an diesem Tag, wie eigentlich fast immer, kein weiteres Einsatzfahrzeug zur Verfügung stand; es war eben nur ein kleines Polizeirevier, bei dem die Schichtstärke meist nur drei oder vier Beamte waren.

Auf dem schnellsten Weg fuhren wir mit Blaulicht und Martinshorn die Örtlichkeit an. Während ich den elf Jahre alten VW-Käfer steuerte, saß mein Kollege, ein „alter“ BGS-Mann, 38 Jahre, stellvertretender Dienstgruppenführer, völlig verkrampft auf dem Beifahrersitz. Während er alles von dem Einsatzgespräch notierte, ermahnte er mich immer wieder, nicht so schnell zu fahren.
Weil aber zu diesem Zeitpunkt niemand wusste, ob in vorliegendem Fall vielleicht doch noch ein Leben zu retten wäre, reagierte ich einfach nicht auf die ängstlichen Ermahnungen meines Kollegen und fuhr weiterhin im Bereich des gerade noch vertretbaren. Allerdings befand man sich bei Kurvenfahrten mit dem alten Käfer sehr schnell im gefährlichen Grenzbereich.

Alles ging gut und wir waren in weniger als zehn Minuten da. So zügig es ging fuhr ich dann über die Liegewiese des Freibads an der Brenz bis fast direkt ans Wasser. Die wenigen Badegäste lagen so weit auseinander, dass ich mühelos zwischen ihnen hindurch fahren konnte.
Dicht am Ufer standen bereits mehrere Schaulustige, wie man sie überall finden kann. Eine Frau winkte uns zu. Für den Austausch von Höflichkeiten war keine Zeit; ohne viel zu fragen liefen wir in die Richtung, in die die Frau gedeutet hatte.

Dann entdeckte ich es: direkt unter einem größeren Gebüsch, dessen Äste teilweise bis ins Wasser hinein reichten, schwamm ein menschlicher Körper, mit dem Gesicht nach unten. Er war mit einem buntkarierten Hemd bekleidet; weiter war nichts zu erkennen, weil zwar das Wasser klar war, der Körper aber zum Teil etwas tiefer im Wasser lag.
Die Person war in den Ästen hängen geblieben, weil die Strömung des Flusses hier nur schwach war. Das Wasser war an dieser Stelle ziemlich tief und das Ufer bestand aus einer steilen Böschung.



 
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