Junger Polizist in Gefahr
Montag, den 22. Januar 2018 um 18:49 Uhr |
Hans-Peter Stepanik | Geschichten & Gedichte - Geschichten
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Das war sie. So stellte ich sie mir vor. Die Eva aus dem Paradies! Etwas Schöneres, Verführerischeres, gab es sicher nicht noch einmal Mal auf dieser Welt. Noch nie, noch gar nie hatte ich bis dahin eine solche Frau gesehen. Völlig perplex, total sprachlos und außerdem sofort bis über beide Ohren verliebt war ich schon im allerersten Moment. Ich hatte große Mühe, meine Augen von diesem traumhaften Anblick abzuwenden...

Sie kam damals zu uns auf die Polizeiwache jener Stadt, in die ich nach meiner Ausbildung bei der Bereitschaftspolizei versetzt worden war. Erst 21 Jahre alt und noch ganz neu war ich auf dieser Dienststelle und ich kannte mich eigentlich noch gar nicht richtig aus.

Und jetzt wollte diese Frau eine Anzeige erstatten. Im städtischen Freibad war ihr an diesem Nachmittag die Geldbörse gestohlen worden. Jemand hatte in einem unbeobachteten Augenblick in ihrer Tasche auf der Liegeweise gegriffen. Sie bemerkte es erst, als sie am Kiosk ein Getränk kaufen wollte.

Im Moment war kein anderer Beamter greifbar und so hatte ich die Aufgabe, die Diebstahlsanzeige aufzunehmen. Doch ich konnte mich nicht richtig konzentrieren und musste mich immer wieder vom Anblick dieser Frau losreißen.

Es handelte sich um eine sehr schöne junge Frau. Sie war Südländerin, eine griechische Gastarbeiterin. Ihr Alter schätze ich auf Mitte zwanzig und sie war verheiratet. Sie hatte eine bezaubernde, wundervolle Figur, halblange schwarze Haare und ein wunderschönes Gesicht.

Was für mich aber so wahnsinnig faszinierend gewesen ist, war ihr überaus bezauberndes Lächeln und ihre großen, dunklen und klugen Augen; die waren mir auf Anhieb sehr sympathisch. Diese Frau war der Inbegriff aller Weiblichkeit und sie hatte für mich einfach das gewisse Etwas. Von ihrer Schönheit war ich völlig hin-  und hergerissen.

Es war für mich auch schon bald der Eindruck entstanden, dass sie auch an mir ziemlich interessiert war und dass sie es schon fast darauf anlegte, mit mir etwas näher in Kontakt zu kommen.

Nach dieser Zeit, in der ich von ihr die Anzeige entgegengenommen hatte, war ich dieser Frau schon so nahe gekommen, dass ich glaubte, wir würden uns längere Zeit kennen. Die junge Frau sollte dann wegen ihres Passes nochmals zur Dienststelle kommen, weil sie den an diesem Tag nicht dabeihatte. Es kam aber nicht so recht ein passender Termin zustande, weil sie berufstätig war und tagsüber nicht zur Wache kommen konnte.

Wir vereinbarten daher, dass ich in meiner nächsten Spätschicht kurz bei ihr zu Hause vorbeikomme, um den Pass einzusehen und die Daten für die Ermittlungsakte zu notieren.

An diesem und auch am nächsten Tag ging mir diese schöne Frau fast nicht mehr aus dem Sinn; gedanklich schwärmte ich andauernd von ihr, wobei meine Phantasie alles nur Erdenkliche zusammenspann. Sozusagen Männerphantasien und die können ja doch schon so einiges jenseits der Realität hervorbringen...

Einige Tage später war es dann soweit; ich fuhr zur vereinbarten Uhrzeit mit dem Streifenwagen in die betreffende Straße, schaute an der Haustür nach dem Namen der schönen Griechin und läutete. Fast unmittelbar darauf öffnete sich die Türe: Sie hatte mich wohl schon erwartet. Ja, sie hatte mich erwartet, das war ganz deutlich zu erkennen! Sie war leicht geschminkt und ihre schönen, vollen Lippen stachen mir sofort in die Augen. Außerdem hatte sie ihre schwarzen Haare wunderschön zurechtgemacht.

Mir verschlug es fast den Atem, so schön war diese Frau, und diese Figur! Traumhaft! Sie trug ein enges Kostüm, sehr figurbetont. Dadurch fiel deutlich auf, dass Hüften, Busen, Po und Beine wohl geformt waren und die richtigen Proportionen hatten.  

Ich war nervös und unsicher, ja auch total verlegen, wusste nicht recht, was ich sagen sollte und vergaß fast meinen Auftrag. Sie bat mich, einzutreten. In der Wohnküche herrschte eine angenehme, wohltuende Atmosphäre und deutlich lag da noch der betörende, verführerische Duft ihres Parfüms in der Luft!

Ich mochte mich immer noch kaum bewegen, so unsicher war ich. Meine Gedanken überschlugen sich, gerieten immer wieder durcheinander. Was könnte mir bei einer so schönen Frau in deren Wohnung so alles passieren, wo doch ihr Mann Spätschicht hatte, wie sie mir unterdessen fast beiläufig zu verstehen gab.

Meine Unsicherheit war begleitet mit einem flauen Gefühl in der Magengegend und butterweichen Knien. Sie sprach übrigens sehr gut deutsch, weil sie schon seit einigen Jahren in dieser Stadt lebte.

Die junge Frau wusste natürlich ganz genau, weshalb ich hier war; das war ja schließlich vor wenigen Tagen auf der Wache besprochen worden. Doch verstand sie es an diesem Tag überaus geschickt, die Sache mit dem Pass vorerst noch nicht zu thematisieren und damit noch etwas hinauszuzögern.

Sie bot mir dann auch zunächst einmal einen Platz auf ihrem kleinen, gemütlichen Sofa an. Auf dem Tisch der Wohnküche hatte sie bereits vorher schon die verschiedensten Dinge zum Knabbern und auch zwei Sektgläser bereitgestellt.


Dann, nachdem sie die dazugehörige Flasche aus dem Kühlschrank geholt hatte, setzte sie sich zu mir, und zwar - und jetzt blieb mir doch tatsächlich die Luft weg - direkt neben mich auf die Couch.

Mir wurde sofort unangenehm warm in meiner Uniform. Ich fühlte mich nicht gerade sehr wohl in dieser Lage, weil ich schon in etwa ahnte, wohin das hier führen könnte.

Schon nach wenigen Minuten, in denen wir uns über alles Mögliche unterhielten, begann sie, ihren Schmuck abzunehmen und auf den Tisch zu legen.

Fast gleichzeitig rückte sie näher an mich heran und wollte mir meine Krawatte lösen; das war mir jetzt aber dann doch unangenehm. Mir war jetzt sehr heiß, die Uniform war plötzlich zu eng!

Gegen ihre ersten noch zaghaften Versuche, mir die Krawatte abzunehmen, wehrte ich mich sanft, aber erfolgreich. Sie ließ das dann sein, umarmte mich aber ganz plötzlich und begann, mich zu küssen. Obwohl ich mich auch hiergegen leicht sträubte, gelang es ihr aber dann doch, unsere Lippen zusammenzubringen. Sie hatte dabei keinerlei Kraft angewendet; es war viel eher eine zärtliche Entschlossenheit. Ihre Lippen waren wunderschön, einmalig und prall und sie fühlten sich herrlich weich und wunderbar an. Der herrliche Geschmack, der von ihnen ausging, war einmalig berauschend und süß. Wie die Kirschen in Nachbars Garten, dachte ich später immer wieder.

„So ungefähr könnte es sich wohl anfühlen, wenn eine Frau ihre Reize spielen lässt und damit beginnt, ihre Waffen einzusetzen. So kann sie bei den Männern alles erreichen und so wurden auch schon Kriege angezettelt!“, dachte ich bei mir.

Jetzt wurde mir die Situation aber dann doch zu unangenehm; ich war immerhin verheiratet, sie war verheiratet und ich war außerdem noch im Dienst. Außerdem musste ich immer wieder an den Ehemann denken. Was wäre, wenn der früher Feierabend hätte als gewöhnlich und plötzlich nach Hause käme? Niemals hätte ich unter diesen Umständen mit einer Frau guten Gewissens „knutschen“ können, auch wenn sie noch so schön und verführerisch war und sie mir auf jeden Fall genügend Appetit auf mehr gemacht hatte...

Deshalb wehrte ich die Schlange aus dem Paradies jetzt etwas unsanft ab, auch wenn es mir auch noch so schwerfiel. Ich wechselte ganz bewusst das „Thema“, um wieder etwas mehr Abstand zu bekommen und meiner Sinne wieder Herr werden zu können. Ich war hier wohl der Spielverderber, weil ich nun auf den eigentlichen Grund meines Besuches zu sprechen kam.  Das behagte der jungen Griechin offensichtlich überhaupt nicht. Dass ich im letzten Moment das Steuer herumgerissen habe, und das war, wie sich schon bald herausstellen sollte, auch ganz gut so - es war quasi die Rettung im richtigen Moment!

Als die hübsche Frau nämlich aufgestanden und aus dem Zimmer gegangen war, um nun endlich ihren Pass zu holen, war plötzlich und völlig überraschend ein Schlüssel in der Wohnungstüre zu hören. Unterdessen war ich vom Sofa aufgestanden gewesen und stand jetzt mitten im Raum. Und bevor ich noch richtig die Bedeutung dieses Schlüsselgeräusches realisieren konnte, ging die Wohnungstüre auf und ein schlecht gelaunter Mann stand in der Wohnung. Es war offenbar „ihr“ Mann, ebenfalls Grieche, groß und breitschultrig, ein Hüne von einem Mann.

Jetzt war ich heilfroh, dass ich auf Grund meiner guten Erziehung und meines guten Charakters, aber auch vor allem wegen meines schlechten Gewissens meiner Frau und meiner Dienststelle gegenüber, vernünftig geblieben war und dass meine Krawatte richtig saß; und so sah ich eigentlich auch überhaupt keinen Grund, dass der Ehemann der schönen Verführerin uns beide irgendwie verdächtigen könnte, etwas Unrechtes getan zu haben.

Doch in diesem Punkt hatte ich mich wohl ganz gewaltig getäuscht. Der Ehemann schätzte kurz die Lage ein und begann dann ziemlich lautstark, seine Frau zu beschimpfen und sie alles Mögliche und Unmögliche auf Griechisch zu fragen. Glücklicherweise hatte sie zu diesem Zeitpunkt bereits schon ihren Pass in der Hand und ihre Antworten hätten eigentlich zu ihrer Verteidigung ausreichen und glaubhaft sein müssen. Trotzdem gab er noch lange keine Ruhe. Dabei wurde er immer wütender. Dann fragte er seine Frau noch, warum sie sich denn so hübsch gemacht hätte, gerade das hätte er ihr doch ausdrücklich verboten.

Doch auch hierfür hatte sie für ihren Mann eine plausible Erklärung. Er war vermutlich nicht ganz ohne Grund so rasend und krankhaft eifersüchtig. Als er dann aber auf dem Tisch die Knabbersachen, die Sektgläser und insbesondere dann auch noch ihren Schmuck liegen sah, da rastete er fast völlig aus.

Der hochgradig eifersüchtige Ehemann wusste offenbar ziemlich genau, was diese Dinge in solch einer Situation bei seiner Frau zu bedeuten hatten. Vielleicht war das ja nicht das erste Mal, dass er seine Frau in mehr oder weniger eindeutigen Situationen ertappte. Und irgend Etwas, sei es so eine Art Gefühl oder irgendein Verdacht, vielleicht ein Hinweis aus der Nachbarschaft, muss ihn ja dazu bewogen haben, vorzeitig Feierabend zu machen und so plötzlich und unvorhergesehen nach Hause zu kommen.

Für mich war die Situation nicht nur äußerst peinlich, das wird mir sicherlich jeder sofort glauben, sondern ich fühlte mich außerdem noch total beschissen! Ich fühlte mich schon fast als Betrüger, der sich mit der schönen Frau eines fleißigen griechischen Gastarbeiters vergnügt hatte.

Bevor sich der Grieche die Ausrede seiner Frau in Bezug auf ihren abgelegten Schmuck vollständig angehört hatte, rannte er wie wildgeworden mit zwei oder drei Sätzen zum Küchenschrank und riss die Besteckschublade auf.

Jetzt ist es soweit, dachte ich. Er wird er ein Messer herausholen und auf mich oder seine Frau losgehen. Zu diesem Zeitpunkt stand ich etwa zwei Meter vom tobenden Ehemann entfernt. Seine Frau stand auf der anderen Seite der Wohnküche, ebenfalls etwa zwei Metern entfernt von ihrem tobenden Mann. Ich stand ziemlich unbeholfen da und überlegte, was jetzt wohl als Nächstes kommen würde, während der in Rage befindliche Grieche immer noch vor der geöffneten Schublade stand.

Noch griff er nicht hinein, noch holte er kein Messer heraus. Vielleicht dachte er aber auch daran, dass ich ja bewaffnet war und zögerte daher noch. Andauernd beschimpfte er abwechselnd seine Frau und dann wieder mich. Er ließ mich eigentlich gar nicht richtig zu Wort kommen. Ich hätte mich schon ganz gern ihm gegenüber mit Worten verteidigen und ihn davon überzeugen wollen, dass nichts von dem, was er ja ganz offensichtlich glaubte, den Tatsachen entsprach. Trotzdem versuchte ich immer wieder, wenn auch ziemlich kleinlaut, zu Wort zu kommen.


Immer wieder fing er an, zu toben! Er wollte einfach nicht so recht begreifen, dass zwischen uns überhaupt nichts vorgefallen war. Andauernd bewegte er sich so vor der Schublade, als wollte er doch noch hineingreifen und ein Messer nehmen.

Ich konnte nur versuchen, ihm gut zuzureden und ihn zu beruhigen. Seiner Frau glaubte er, so schien es mir, überhaupt kein Wort und er misstraute ihr offenbar auch völlig.

„Da muss doch vorher schon öfters was gewesen sein, sonst wäre dieser Mann doch nicht während seiner Arbeitszeit so plötzlich hier aufgetaucht!“, dachte ich für mich. „Er ist doch bestimmt nicht ohne Grund derart eifersüchtig!“, überlegte ich weiter.

Und ich hatte ja wohl zu der ganzen Situation am wenigsten beigetragen, ganz im Gegenteil; ich habe mich ja sogar noch gewehrt gegen diese zärtlich und süße Versuchung, so gut ich das als junger, unerfahrender Mann das überhaupt konnte.

Ich war ja wirklich nur deshalb zu der jungen, hübschen Frau in die Wohnung gekommen, weil ich den Pass einsehen und mir die Daten notieren musste. Das war mein dienstlicher Auftrag. Sonst wollte ich doch von der Frau gar nichts! Wollte ich sonst wirklich nichts?

Irgendwann schien der Ehemann dann doch noch ein wenig auf meine Worte gehört zu haben. Er wurde allmählich etwas ruhiger und es schien, als ob er einsichtig werden und seiner Frau und mir langsam glauben wollte, dass da einfach nichts passiert war. Dann allerdings schrie er mir ganz plötzlich mitten ins Gesicht:

„Wenn Du nicht Polizist wärst, würde ich jetzt ein Messer nehmen und Dich abstechen! Und jetzt raus hier, hau ab aus meiner Wohnung!“

Ganz aufgeregt fuchtelte er wieder an der Küchenschublade herum, holte aber nicht wirklich ein Messer heraus. Nach diesem letzten Wutausbruch ließ er mich dann  doch noch unbehelligt aus der Wohnung. Beim Hinausgehen dachte ich noch bei mir, dass ich mich natürlich keinesfalls hätte abstechen lassen können, nur einfach so und dann auch noch völlig zu Unrecht.

Nicht auszudenken, was gewesen wäre, wenn ich mich hier mit meiner Dienstwaffe hätte verteidigen müssen. Was hätte das für ein Riesentheater gegeben? Einmal auf der Dienststelle, einmal zu Hause und wer hätte mir überhaupt geglaubt?

Nicht zu fassen, aber die Sache hätte am nächsten Tag beinahe doch noch ein dienstliches Nachspiel für mich gehabt:

Der eifersüchtige Ehemann kam nämlich auf unsere Wache und wollte sich bei meinem Revierführer über mich beschweren. Glücklicherweise war dieser gerade für eine Woche im Urlaub und später hat sich der Ehemann dann nicht mehr gemeldet. Für meinen Chef hätte die Geschichte aus dem Mund des betroffenen Mannes ganz sicher sofort „glaubhaft“ geklungen. Und für mich wäre es dann ganz bestimmt  schwer geworden, meine Version der Geschichte entsprechend glaubhaft darzustellen.

Wie ich einige Zeit später erfuhr, ließ sich das Ehepaar die Rentenversicherung auszahlen und ging ganz unerwartet in ihre griechische Heimat zurück.

Meiner Frau habe ich dieses lebensbedrohliche Erlebnis bisher nie erzählt. Damals hätte ich auch gar nicht so recht gewusst, wie ich ihr diese für mich so peinliche Geschichte hätte erzählen sollen. Und später habe ich dann nur noch selten daran gedacht. Es gab in meinem Privatleben im Zusammenhang mit den ganzen Krankheiten meiner Frau immer wieder viel schwerwiegendere Probleme und Schwierigkeiten zu bewältigen, wodurch diese „Sache“ dann halt mit der Zeit in meiner Erinnerung mehr und mehr verblasste.

Außerdem wollte ich meiner Frau aber auch eine zusätzliche Angst um mich ersparen. Diese Angst hatte sie ohnehin schon täglich auszuhalten. Der Polizeiberuf ist ja schließlich nicht ungefährlich. Dass aber hier noch ganz andere „Gefahren“ auftreten und einen in Bedrängnis bringen können, das musste ich im Zusammenhang mit diesem Vorkommnis am eigenen Leib erfahren.

Polizisten sind eben auch nur Menschen...

…und, nicht zu vergessen: Ewig lockt das Weib!

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