Junger Polizist in Gefahr - Seite 5
Montag, den 22. Januar 2018 um 18:49 Uhr |
Hans-Peter Stepanik | Geschichten & Gedichte - Geschichten
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Junger Polizist in Gefahr
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Immer wieder fing er an, zu toben! Er wollte einfach nicht so recht begreifen, dass zwischen uns überhaupt nichts vorgefallen war. Andauernd bewegte er sich so vor der Schublade, als wollte er doch noch hineingreifen und ein Messer nehmen.

Ich konnte nur versuchen, ihm gut zuzureden und ihn zu beruhigen. Seiner Frau glaubte er, so schien es mir, überhaupt kein Wort und er misstraute ihr offenbar auch völlig.

„Da muss doch vorher schon öfters was gewesen sein, sonst wäre dieser Mann doch nicht während seiner Arbeitszeit so plötzlich hier aufgetaucht!“, dachte ich für mich. „Er ist doch bestimmt nicht ohne Grund derart eifersüchtig!“, überlegte ich weiter.

Und ich hatte ja wohl zu der ganzen Situation am wenigsten beigetragen, ganz im Gegenteil; ich habe mich ja sogar noch gewehrt gegen diese zärtlich und süße Versuchung, so gut ich das als junger, unerfahrender Mann das überhaupt konnte.

Ich war ja wirklich nur deshalb zu der jungen, hübschen Frau in die Wohnung gekommen, weil ich den Pass einsehen und mir die Daten notieren musste. Das war mein dienstlicher Auftrag. Sonst wollte ich doch von der Frau gar nichts! Wollte ich sonst wirklich nichts?

Irgendwann schien der Ehemann dann doch noch ein wenig auf meine Worte gehört zu haben. Er wurde allmählich etwas ruhiger und es schien, als ob er einsichtig werden und seiner Frau und mir langsam glauben wollte, dass da einfach nichts passiert war. Dann allerdings schrie er mir ganz plötzlich mitten ins Gesicht:

„Wenn Du nicht Polizist wärst, würde ich jetzt ein Messer nehmen und Dich abstechen! Und jetzt raus hier, hau ab aus meiner Wohnung!“

Ganz aufgeregt fuchtelte er wieder an der Küchenschublade herum, holte aber nicht wirklich ein Messer heraus. Nach diesem letzten Wutausbruch ließ er mich dann  doch noch unbehelligt aus der Wohnung. Beim Hinausgehen dachte ich noch bei mir, dass ich mich natürlich keinesfalls hätte abstechen lassen können, nur einfach so und dann auch noch völlig zu Unrecht.

Nicht auszudenken, was gewesen wäre, wenn ich mich hier mit meiner Dienstwaffe hätte verteidigen müssen. Was hätte das für ein Riesentheater gegeben? Einmal auf der Dienststelle, einmal zu Hause und wer hätte mir überhaupt geglaubt?

Nicht zu fassen, aber die Sache hätte am nächsten Tag beinahe doch noch ein dienstliches Nachspiel für mich gehabt:

Der eifersüchtige Ehemann kam nämlich auf unsere Wache und wollte sich bei meinem Revierführer über mich beschweren. Glücklicherweise war dieser gerade für eine Woche im Urlaub und später hat sich der Ehemann dann nicht mehr gemeldet. Für meinen Chef hätte die Geschichte aus dem Mund des betroffenen Mannes ganz sicher sofort „glaubhaft“ geklungen. Und für mich wäre es dann ganz bestimmt  schwer geworden, meine Version der Geschichte entsprechend glaubhaft darzustellen.

Wie ich einige Zeit später erfuhr, ließ sich das Ehepaar die Rentenversicherung auszahlen und ging ganz unerwartet in ihre griechische Heimat zurück.

Meiner Frau habe ich dieses lebensbedrohliche Erlebnis bisher nie erzählt. Damals hätte ich auch gar nicht so recht gewusst, wie ich ihr diese für mich so peinliche Geschichte hätte erzählen sollen. Und später habe ich dann nur noch selten daran gedacht. Es gab in meinem Privatleben im Zusammenhang mit den ganzen Krankheiten meiner Frau immer wieder viel schwerwiegendere Probleme und Schwierigkeiten zu bewältigen, wodurch diese „Sache“ dann halt mit der Zeit in meiner Erinnerung mehr und mehr verblasste.

Außerdem wollte ich meiner Frau aber auch eine zusätzliche Angst um mich ersparen. Diese Angst hatte sie ohnehin schon täglich auszuhalten. Der Polizeiberuf ist ja schließlich nicht ungefährlich. Dass aber hier noch ganz andere „Gefahren“ auftreten und einen in Bedrängnis bringen können, das musste ich im Zusammenhang mit diesem Vorkommnis am eigenen Leib erfahren.

Polizisten sind eben auch nur Menschen...

…und, nicht zu vergessen: Ewig lockt das Weib!

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