Junger Polizist in Gefahr - Seite 4
Montag, den 22. Januar 2018 um 18:49 Uhr |
Hans-Peter Stepanik | Geschichten & Gedichte - Geschichten
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Junger Polizist in Gefahr
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Jetzt war ich heilfroh, dass ich auf Grund meiner guten Erziehung und meines guten Charakters, aber auch vor allem wegen meines schlechten Gewissens meiner Frau und meiner Dienststelle gegenüber, vernünftig geblieben war und dass meine Krawatte richtig saß; und so sah ich eigentlich auch überhaupt keinen Grund, dass der Ehemann der schönen Verführerin uns beide irgendwie verdächtigen könnte, etwas Unrechtes getan zu haben.

Doch in diesem Punkt hatte ich mich wohl ganz gewaltig getäuscht. Der Ehemann schätzte kurz die Lage ein und begann dann ziemlich lautstark, seine Frau zu beschimpfen und sie alles Mögliche und Unmögliche auf Griechisch zu fragen. Glücklicherweise hatte sie zu diesem Zeitpunkt bereits schon ihren Pass in der Hand und ihre Antworten hätten eigentlich zu ihrer Verteidigung ausreichen und glaubhaft sein müssen. Trotzdem gab er noch lange keine Ruhe. Dabei wurde er immer wütender. Dann fragte er seine Frau noch, warum sie sich denn so hübsch gemacht hätte, gerade das hätte er ihr doch ausdrücklich verboten.

Doch auch hierfür hatte sie für ihren Mann eine plausible Erklärung. Er war vermutlich nicht ganz ohne Grund so rasend und krankhaft eifersüchtig. Als er dann aber auf dem Tisch die Knabbersachen, die Sektgläser und insbesondere dann auch noch ihren Schmuck liegen sah, da rastete er fast völlig aus.

Der hochgradig eifersüchtige Ehemann wusste offenbar ziemlich genau, was diese Dinge in solch einer Situation bei seiner Frau zu bedeuten hatten. Vielleicht war das ja nicht das erste Mal, dass er seine Frau in mehr oder weniger eindeutigen Situationen ertappte. Und irgend Etwas, sei es so eine Art Gefühl oder irgendein Verdacht, vielleicht ein Hinweis aus der Nachbarschaft, muss ihn ja dazu bewogen haben, vorzeitig Feierabend zu machen und so plötzlich und unvorhergesehen nach Hause zu kommen.

Für mich war die Situation nicht nur äußerst peinlich, das wird mir sicherlich jeder sofort glauben, sondern ich fühlte mich außerdem noch total beschissen! Ich fühlte mich schon fast als Betrüger, der sich mit der schönen Frau eines fleißigen griechischen Gastarbeiters vergnügt hatte.

Bevor sich der Grieche die Ausrede seiner Frau in Bezug auf ihren abgelegten Schmuck vollständig angehört hatte, rannte er wie wildgeworden mit zwei oder drei Sätzen zum Küchenschrank und riss die Besteckschublade auf.

Jetzt ist es soweit, dachte ich. Er wird er ein Messer herausholen und auf mich oder seine Frau losgehen. Zu diesem Zeitpunkt stand ich etwa zwei Meter vom tobenden Ehemann entfernt. Seine Frau stand auf der anderen Seite der Wohnküche, ebenfalls etwa zwei Metern entfernt von ihrem tobenden Mann. Ich stand ziemlich unbeholfen da und überlegte, was jetzt wohl als Nächstes kommen würde, während der in Rage befindliche Grieche immer noch vor der geöffneten Schublade stand.

Noch griff er nicht hinein, noch holte er kein Messer heraus. Vielleicht dachte er aber auch daran, dass ich ja bewaffnet war und zögerte daher noch. Andauernd beschimpfte er abwechselnd seine Frau und dann wieder mich. Er ließ mich eigentlich gar nicht richtig zu Wort kommen. Ich hätte mich schon ganz gern ihm gegenüber mit Worten verteidigen und ihn davon überzeugen wollen, dass nichts von dem, was er ja ganz offensichtlich glaubte, den Tatsachen entsprach. Trotzdem versuchte ich immer wieder, wenn auch ziemlich kleinlaut, zu Wort zu kommen.



 
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