Ein Lapsus
Mittwoch, den 20. November 2013 um 09:18 Uhr |
Josef Thaler | Geschichten & Gedichte - Geschichten

Wenn man gut 33 Jahre bei der Polizei ist, hat man vieles vergessen. Aber wie das so ist, bleibt dafür manche Begebenheit umso länger und nachhaltiger im Gedächtnis haften.  So auch diese Geschichte, die ich nun erzählen will.

In meiner langen Dienstzeit war ich unter anderem auch für einige Zeit in der Einsatzleitstelle der damaligen BPD Wels eingesetzt. Meistens war man da alleine und so wurde es manchmal ganz schön heftig und stressig auf diesem Posten. So auch während eines Nachtdienstes, der sich aber dann doch von den anderen etwas unterschied.


Es war an einem Freitagabend und wie üblich ging es ab 22.00 Uhr ziemlich rund in Wels. Ein Einsatz jagte den anderen und dementsprechend gab aus auch viele Anrufe auf dem Polizeinotruf.  Nach einiger Zeit kehrte wieder etwas Ruhe ein und ich konnte mich etwas entspannen. Da läutete  wieder der Polizeinotruf. Ich hob den Hörer ab und meldete mich wie immer mit den Worten, „Polizeinotruf Wels. Bitte sie wünschen?“ Da meldete sich ziemlich aufgeregt eine weibliche Stimme und rief:  „ Hier Promente. Bitte kommen sie schnell in die XY Straße. Wir haben hier einen Bewohner, der dreht durch. Er wird auch schon gewalttätig.“ Ich nahm den Notruf entgegen, beruhigte die Anruferin und setzte zwei Funkstreifenbesatzungen in Bewegung, um den Einsatz abzuarbeiten. Mein Einsatzauftrag lautete wie folgt: Fahren sie XY Straße Nr. 14. Renitente Person. Vorsicht beim Einschreiten, Person ist bereits gewalttätig. Der Name der Anruferin lautet Promente.“

Die Streifen quittierten den Auftrag. Allerdings hörte sich das „Verstanden“ schon etwas komisch an. Und plötzlich krähte es aus dem Funk:  „Gell und der Vorname ist Infirmis.“ Und man konnte von weitem hören, wie sich der Sprecher das Lachen verbiss. So gepresst kam es aus dem Lautsprecher.

Auweh, mir viel es wie Schuppen von den Augen. Ich hatte einen Riesenbock geschossen. Pro mente war nicht der Name der Anruferin sondern das war eine soziale Einrichtung, welche sich um psychisch und sozial Schwache kümmert. Prompt folgten zahlreiche Kommentare über Funk. Ich schämte mich in Grund und Boden. Seltsamerweise erfolgte auch keine Aufforderung von unserem Vorgesetzten, die Funkdisziplin einzuhalten. Es war zum „Aus der Haut fahren“.

Jahre später, ich war bereits Wachkommandant in einem Wachzimmer, passierte dasselbe Malheur einem Kollegen. Es erfolgte natürlich dieselbe Reaktion seitens der Kollegenschaft. Ich hielt mich jedoch nobel zurück, erinnerte ich mich doch schmerzlich an meinen eigenen Lapsus.

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