Zombies
Montag, den 05. August 2013 um 15:23 Uhr |
Markus Schiffer | Geschichten & Gedichte - Geschichten
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Zombies
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In ein paar Minuten endet mein Nachtdienst. Ich will nicht hinaus. Doch natürlich will ich heim, aber es ist der Weg dorthin vor dem mir graust. 
Ich weiß, sie sind dort draußen. Seit ich um zwei Uhr früh meine Schicht in der Notrufzentrale angetreten habe, haben sie mich ständig angerufen. Alle zwei bis fünf Minuten erhielt ich einen Notruf. Die Anrufer brabbelten meist unverständliches Zeugs in den Hörer. Ich konnte ihr Gestöhne und ihr Wimmern hören. Ihr Schreien dröhnt noch immer in meinen Ohren. Vor meinen Augen stellten sich die dazugehörenden Bilder ein:  missgestaltete Fratzen - zur Unkenntlichkeit verzogen. Die weit aufgerissen Augen starren in die Gegend ohne etwas wahrzunehmen.
Aber es nützt nichts,  ich muss raus – ich will heim zu meiner Frau und zu meinen Kindern. Vorsichtig trete ich durch die Glastür ins Freie. Dort an der Ecke sehe ich die ersten zwei. Ihre Kleidung hängt an den mageren, von der Nacht geschundenen Körpern. Beide halten sich an dem Laternenpfahl fest, da sie sonst das Gleichgewicht nicht halten können. Sie starren unbewegt in meine Richtung. Ich tue so, als ob ich sie nicht bemerke und gehe in die andere Richtung.
Bei der ersten Kreuzung höre ich eine andere Gruppe in der Seitenstraße. Lautstark! Ihr Geschrei geht mir durch Mark und Bein. Sie kommen auf mich zu. Drei junge Männer - alle mit der gleichen Baseballkappe. Ihre bleichen Gesichter sind unnatürlich verzerrt. Dunkle Ringe unter den Augen. Einer der drei übergibt sich. Eine gelbe, stinkende Flüssigkeit ergießt sich über den Bürgersteig. Die beiden anderen brechen in schrilles Gelächter aus. Die Würggeräusche lassen auch in mir Übelkeit aufsteigen. Ich kann mich gerade noch in einen Seiteneingang verziehen, als die Burschen auch schon an mir vorbeischlurfen.
Ich blicke nach beiden Seiten und mache mich wieder auf den Weg. Nur mehr ein paar hundert Meter und ich bin in Sicherheit – zumindest im Bus nach Hause. Auf der anderen Straßenseite sehe ich ein Pärchen stehen. Beide lehnen an der Hausmauer. Er, ein Mitzwanziger im teuren Geschäftsanzug, hat seinen Mund im Hals einer Frau vergraben. Vermutlich eine Schlampe nach ihrem Outfit zu urteilen. Der schwarze Minirock ist nach oben gerutscht und das weite T-Shirt hängt nur mehr auf einer Schulter. Die Schmatzlaute sind bis hierher zu hören. Sie starrt apathisch in die Gegend -  sie nimmt die Umgebung nicht mehr wahr. Als er mit seinen gierigen Händen unter ihr zerfetztes T-Shirt greift, zeigt sie keine Reaktion. Ich wende mich ab – ich habe genug gesehen.


 
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