Sakrileg
Donnerstag, den 18. Januar 2007 um 19:53 Uhr |
Steve Soon | Gedichte
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Verneigt euch nur, ihr werte Herren,
und auch die Damen soll man ehren
begrüßen wir mit viel Applaus
die Günstlinge in unser'm Haus.

Nun, ohne Zweifel gibt es sie,
gewachsen in der Hierarchie,
geprägt, gefördert und gespalten
von Leuten, die auf "Träger" halten.

Ein Günstling kommt nicht auf die Welt!
Ein Günstling, der wird erst bestellt,
sondiert, gemustert, auserkoren,
verdient er sich noch keine Sporen.

Erst mit der Zeit, so wie beim Wein,
reift er zu einem miesen Schwein,
kehrt er sein schwarzes "Ich" hervor
und steigt die Leiter schnell empor.

Beim Kriechen ist er nicht zu schlagen,
und niemand wird es hinterfragen,
warum er plötzlich oben ist
und mit gold'nen Löffeln frißt.

Sei's nun sein Rang in Politik,
bringt seinem Chef er nur die Tschick,
auch Schlapfen, Zeitung, Kaffee oder
kratzt er zum Schluss auch seinen Goder?

Doch dieses Tun ist allemal
des Günstlings Treiben ganz egal,
führt ihn auf diesem trüben Weg
ein jeder Schritt zum Privileg.

Ein Privileg, wie mir so scheint,
die nur die Günstlinge vereint
mit eben wieder diesen Leuten,
um Schritt für Schritt voranzuschreiten.

Von Rücksicht halten sie nicht viel
und konsequent geht's Richtung Ziel,
vernadert wird um jeden Preis,
das ist des Günstlings größter Fleiß.



Es winken ihm doch hehre Preise,
Zeitausgleiche haufenweise,
Dienstfreistellung nimmt man gerne,
für den Urlaub pflückt man Sterne.

Vor jeder Arbeit drückt er sich,
Kollegen lässt er gern im Stich,
beim Kranksein geht's ihm wunderbar,
droht doch von oben null Gefahr.

So führt er denn ein tolles Leben,
niemand wird ihm Saures geben,
passieren kann ihm nicht sehr viel
in diesem Intrigantenspiel.

Es ist ein leichtes für den Nichtsnutz
zu bekommen jeden Schutz
von den Händen, die er füttert,
weil er deren Leichen wittert.

Und sie gewähren ohne Frage
jedes kleine Trinkgelage,
Orgien und Völlerei,
sind auch mit Eifer selbst dabei.

Womit sie geben selbst ein Zeichen,
für die vielen, vielen Leichen
in ihrem Keller ohnehin
ganz in ihres Günstlings Sinn.

So wollen wir sie heute ehren.
Wir - von denen sie nur zehren!
Auf unser'n Schultern ruht die Last.
Der Günstling ist und bleibt ein Gfrast!

Dies Prädikat wird ihm zuteil
als Dank für all die kurze Weil'
und möge er in höchsten Tönen
die Oberen noch lang" verwöhnen.

An einem Ort, der stets geheim,
dort fühlt der Günstling sich daheim.
Wir wünschen nur, ganz ohne Häme
dass für das "Braune" er sich schäme!!!

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