Das gefühlte Ende
Samstag, den 08. September 2012 um 13:57 Uhr |
Thomas Angerer | Geschichten & Gedichte - Geschichten
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Das gefühlte Ende
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Kapitel 16 des Buches "Baltische Passion - Eine leidenschaftliche Reise"

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Auch am zweiten Tag, den sie in Krakau verbrachten, spazierten sie kreuz und quer durch die Stadt. Sie ließen sich treiben. Sie tranken hier einen Kaffee und dort ein Bier. Sie genossen die Musik, das Stimmengewirr, den Anblick der Menschen. Kunstsinnig betrachteten sie die Gemälde von Kunststudenten, die diese entlang der alten Stadtmauer zum Verkauf anboten.
Um die Mittagszeit erklommen sie den Wawel, wie der Hügel hieß, auf dem sich die Krönungskathedrale inmitten einer herrlichen Parkanlage befand. Das wuchtige Glockengeläut erinnerte sie daran, dass sie den ganzen Tag noch nichts gegessen hatten und jetzt schon Mittag war.
Schließlich neigte sich aber auch der zweite Tag und somit die gesamte Reise ihrem unvermeidbaren Ende entgegen. Noch einmal suchten sie das Lokal am Marienplatz auf, von wo sie einen wunderbaren Blick über diesen Lebensnerv des Krakauer Zentrums hatten.

Sie hatten kaum Platz genommen und eine Runde Zywiec bestellt, an dessen Geschmack sie sich erstaunlich schnell gewöhnt hatten, da hatte Gnesig auch schon seinen altertümlichen Fotoapparat gezückt und knipste den schönen Frauen hinterher.
„Boah, ich hab die Göttin da vorne fotografiert. Drei Mal von hinten.“, rief Gnesig begeistert aus.
„Fotografiert wohlgemerkt. Gott sei Dank haben sie dafür nicht das Wort ‚abgedrückt’ verwendet.“
„Und sie hätte das gar nicht bemerkt? Ojeojeoje!“
„Eins muss ich loswerden, Gnesig: Sie sind ein Trottel! Aber ein liebenswerter.“
Gnesig blickte säuerlich, entdeckte aber schon die nächste junge Dame, der er hinterher fotografierte. Dann resümmierte er: „Also, wenn man alle Titten von heute zusammenzählt, kommen wir, glaub ich, locker auf neun Tonnen!“
„Wissen Sie, Gnesig.“, antwortete Thorn, der eigentlich sich selbst für den größeren Proleten von beiden gehalten hatte. „Rein von der moralischen Seite gesehen bin ich beinahe froh, wenn dieser Urlaub vorbei ist. Ich habe immer geglaubt, ich könnte von Ihnen noch etwas lernen.“
„Also, ich muss schon sagen, dass ich eine moralische Stütze für Sie war.“, protestierte Gnesig, wandte seinen Blick aber gleich wieder dem weiblichen Publikum zu. „Schauen Sie sich diese Schlampe an. Bist Du deppert, die hat Schuhe an!“
Thorn verzog beinahe angewidert das Gesicht und reagierte schon fast weinerlich.
„Geh, nein! Wann hört denn das endlich auf?“, beschwor gleichzeitig aber seinen Kameraden. „Warten Sie, sie kommt näher.“
Beide hielten sie inne, ehe der Verschluss von Gnesigs Kamera zu hören war.
„Respekt!“, lobte ihn Thorn. „Zwei Mal von vorne!“ 



 
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