Nida
Montag, den 18. Juni 2012 um 12:04 Uhr |
Thomas Angerer | Geschichten & Gedichte - Geschichten
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Kapitel 14 des Buches "Baltische Passion - Eine leidenschaftliche Reise"

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Heute hatten sie alles richtig gemacht. Wie zwei alte Routiniers stoppten sie einen der Mini-Busse, die Richtung Zentrum fuhren. Die Fahrt kostete immer einen Lita. Weitere eineinhalb Lita mussten sie für die Überfahrt auf die Nehrung bezahlen. Wieder meinte es das Wetter mit ihnen gut und so freuten sie sich auf einen schönen Tag, der dem Prädikat perfekt durchaus gerecht zu werden schien.

Sie genossen die Überfahrt, genossen auch die Busfahrt nach Nida. Vom ersten Moment an empfanden sie den Ort einfach nur als wunderbar. Es war für sie ganz klar, warum es hundert Jahre zuvor ein beliebter Sommerfrische-Ort für wohlhabende Preußen gewesen war. Und es in wenigen Jahren wohl wieder sein würde.
Sie wussten gar nicht, welches der wunderschönen Holzhäuser sie zuerst betrachten sollten. In den leuchtendsten Farben gestrichen mit einem auffälligen Giebelkreuz standen sie da. An den Gartenzäunen prangten die Kurenwimpel, die alten Zeichen der Einheimischen. Eine Art Familienwappen, das auch an den Fischerbooten zu finden war und in bunten Symbolen die Familiengeschichte wiederspiegeln sollte.
Und weil sie auch etwas lernen wollten, erfuhren sie am örtlichen Wegweiser, dass das litauische Wort für Leuchtturm „Svyturis“ war. Daher also der Name ihrer hiesigen Lieblingsbiersorte.
Schon von Weitem sahen sie am südlichen Ortsrand die „Große Düne“. Sie bedeutete gleichzeitig das Ende des litauischen Teils der Nehrung. Wenige Kilometer dahinter begann der Teil, der zur russischen Exklave Kaliningrad, dem alten preussischen Königsberg, Heimat des Philosophen und Mathematikers Immanuel Kant, gehörte.
Sie passierten das Thomas Mann-Haus, kamen an einem Restaurant mit Gastgarten vorbei und befanden sich bald am Rand eines Kiefernwaldes. Dort führte ein versandeter Weg hin zur Düne. Als sie aus dem ersten Waldstück auf die Lichtung am Fuße der Düne traten, sahen sie ein einsames, halb vom Sand bedecktes Holzbänkchen. Da wollten sie hin. Sich hinsetzen, die Sonne genießen und sich darüber freuen, dass sich kein Mensch daheim vorstellen konnte, wie schön es hier war.
Langsam erklommen sie auf einem ausgetretenen Pfad die steile Düne. Oberhalb des Bänkchens endete der Weg, doch mussten sie enttäuscht feststellen, dass es mittlerweile bereits besetzt war. Jemand war ihnen zuvorgekommen. Es war aber egal. Die Frühlingssonne, die jeden Tag an Kraft gewann, hatte den Sand bereits so wunderbar gewärmt, dass sie die Schuhe auszogen und barfuß weitergingen. An einem Plätzchen, wo man Richtung Norden bis Juodkrante und im Süden bis weit in Kaliningrader Gebiet sehen konnte, ließen sie sich nieder.
„Ein Stückchen weiter befindet sich das ‚Tal der Stille’ und noch ein paar Sandhaufen.“, erklärte Gnesig.
„Schauen Sie, ein Bankerl ist komplett im Sand eingesunken.“, freute sich Thorn über den seltsamen Anblick einer Bank, von der nur mehr ein Teil der Rückenlehne aus der Düne ragte. Jemand hatte mit Kugelschreiber eine Micky Maus daraufgezeichnet.
Irgendetwas piepste und Gnesig zog sein Mobiltelefon aus der Tasche, dessen Existenz Thorn bislang verborgen geblieben war.



 
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