Juodkrante - Ein Traum aus Sand
Montag, den 14. Mai 2012 um 13:31 Uhr |
Thomas Angerer | Geschichten & Gedichte - Geschichten
Beitragsseiten
Juodkrante - Ein Traum aus Sand
Seite 2
Seite 3
Seite 4
Seite 5
Alle Seiten

Kapitel 13 des Buches "Baltische Passion - Eine leidenschaftliche Reise"

Hier klicken um noch einmal das Kapitel 12 "Kennen Sie Tell?" zu lesen!

Der nächste Bus wurde in zwei Stunden angekündigt und somit hatten sie auch ihre Erklärung, warum sie die einzigen Schiffspassagiere ohne Fahrzeug gewesen waren. Was sollten sie also tun? Sie befanden sich etliche Kilometer südlich des Anlegers in Smiltyne. Nach Nida, dem ehemaligen Nidden, bekannt geworden durch die Schriftsteller-Familie Mann, waren es aber noch weit mehr.
Unverzagt, doch mit knurrendem Magen, machten sie sich einmal auf den Weg in Richtung Süden. Irgendeine Mitfahrgelegenheit würde sich schon ergeben. Und das tat sie auch. Nie waren sie dankbarer, das Logo eines großen amerikanischen Getränke-Konzerns zu sehen.

Der lokale Coca-Cola-Vertreter war auf dem Weg Richtung Süden, Thorn und Gnesig streckten die Daumen hoch und schon wenige Augenblicke später saßen sie in einem Opel Astra, dessen Lenker versprach Sie bis Juodkrante, das früher einmal den Namen „Schwarzort“ getragen hatte, mitzunehmen.
Nach ein bisschen Smalltalk mit dem Fahrer stiegen sie an dem bis dahin wahrscheinlich idyllischsten Ort ihrer Reise aus.
An der Bushaltestelle beratschlagten sie kurz, ob es sich denn lohne, an diesem Tag noch bis Nida weiterzufahren, entschieden sich aber dagegen.
Der Hunger, der sie vor wenigen Minuten noch gequält hatte, war wie weggeblasen. Weggeblasen vom blauen Himmel, vom Sonnenschein, von einem Lüftchen, dem man anmerkte, dass man sich doch einige Breitengrade nördlich der Heimat aufhielt.
Das Gras war von einem derart saftigen Grün, wie sie es seit ihrer Abreise nicht gesehen hatten. Gerade rechtzeitig für ihre Ankunft hatte der Frühling Einzug gehalten. Sie blickten über das Haff in Richtung Klaipeda, atmeten die frische Seeluft ein und beschlossen, das Essen warten zu lassen und stattdessen einen ersten Spaziergang zu unternehmen.
Der Ort schien sich auf einen Ansturm an Touristen vorzubereiten. Die Promenade war frisch gepflastert und schlängelte sich durch die Wiesen und Holzhäuser hindurch. Daneben dümpelten alte Fischerboote im Schilf.
Aus der Entfernung konnten sie das örtliche Schulgebäude entdecken. Die Kinder verbrachten die Pause am Schulhof. Die Buben spielten Ball und die Mädchen beschäftigten sich mit dem offenbar weltweit beliebten „Gummihüpfen“.
Thorn musste bei diesem Anblick unweigerlich schmunzeln. Etliche hundert Kilometer von seiner Heimat weg, zwanzig Jahre nach seiner Schulzeit und doch waren die Kinder überall gleich.



 
Template wurde mit www.template-builder.com erstellt - Copyright by Thomas Angerer