Tag der Arbeit
Sonntag, den 05. Februar 2012 um 16:08 Uhr |
Thomas Angerer | Geschichten & Gedichte - Geschichten
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Kapitel 11 des Buches "Baltische Passion - Eine leidenschaftliche Reise"

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Die Nacht war die Hölle. Im Halbstundentakt erklangen Auto-Alarmanlagen, nebenbei quälten Thorn die Sprungfedern des zu schmalen und zu harten Bettes. Als er erwachte, fühlte er sich noch elender, als nach der Busfahrt, die sie in der Nacht zuvor gemacht hatten.
„Scheiße, hab ich schlecht geschlafen.“, waren Thorns erste Worte, als er erschöpft die Augen öffnete und sehen konnte, dass Gnesig bereits in seinem Bett saß und in einem Buch blätterte.
„Ich hab’s gesehen.“, brummte er zurück.
„Was gesehen?“
„Na, ich schau Ihnen schon seit vier Uhr zu, wie sie schlecht schlafen.“
„Dann brauchen Sie sicher so dringend wie ich einen Kaffee.“, schlug Thorn vor und schleppte sich zur Toilette. In seinem Kopf pochte es und seine Zunge klebte wie ein alter Socken an seinem Gaumen.

Müde schleppten sie sich auf die Hauptstraße, wo sie einen dieser Kleinbusse in Richtung Innenstadt nahmen. Am Vorabend hatten sie einiges gelernt, nämlich auch, dass man dem Busfahrer zuwinken muss, wenn man mit ihm mitfahren will. Aussteigen kann man überall, man muss nur kurz dem Fahrer bescheid geben.
In der Nähe des Café „Europa“ kletterten sie also aus dem Bus und setzten sich ins erstbeste Lokal, das sie mit Kaffee anzulocken vermochte. Wieder einmal waren sie erstaunt vom Geschäftssinn der Menschen in diesen sich so schnell wandelnden Ländern.
Früher musste die Geschäftsfläche, die sich jetzt eine Boutique und ein Café teilten, wohl nur zu einem Geschäft gehört haben. Um zur Toilette zu gelangen, musste man nämlich durch den Seiteneingang des Lokals in die benachbarte Boutique gehen und von dort aus auf den Abort. Es war auch nicht neu für sie, dass man zur Toilettenbenützung beim Personal um den Schlüssel bitten musste.
Gnesig suchte nach dem ersten Kaffee das stillen Örtchen auf. Bei seiner Rückkehr rümpfte er die Nase und wedelte sich mit der Hand frische Luft zu.
„Ich glaub’, die verkaufen heute nix mehr!“, mutmaßte er.
Nach einem weiteren Kaffee, der wie so oft bei weitem nicht die Qualität des vor Ort gebrauten Biers erreichte starrten sie wie meistens grübelnd durch das Fenster auf die Straße hinaus.
Sentimentale Schlagermusik war aus der Stereoanlage zu hören.
„Mein Gott, diese Musik.“, seufzte Gnesig. „Da möchte man sich am liebsten entleiben.“
„Ja, eh. Ich bin nahe dran.“, antwortete Thorn und wandte sich an die Kellnerin. „Den Schlüssel für’s WC und die 357-er Magnum, bitte.“
Die Kellnerin hatte erwartungsgemäß nichts verstanden. Was auch gut war, denn Thorn war wirklich in miserabler Stimmung.
Schlecht geschlafen, schlechter Kaffee und noch dazu verkatert.



 
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