Er hat sich freiwillig zum Dienst gemeldet
Freitag, den 02. Dezember 2011 um 10:06 Uhr |
Markus Schiffer | Geschichten & Gedichte - Geschichten
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Er hat sich freiwillig zum Dienst gemeldet. Nicht das er als Familienvater nicht frei bekommen hätte, aber seine Kinder sind mit seiner Frau und ihrem neuen Freund in Urlaub gefahren. Zum Schifahren nach Lech am Arlberg. Ausgerechnet über die Weihnachtsfeiertage. Der neue Freund!! Ihr ehemaliger Chef. Einer von der ganz widerlichen Sorte. Lässiges Auftreten, immer zuvorkommend, hat ihr immer Komplimente über ihr Aussehen und ihre gute Arbeit gemacht. Im Sommer waren sie mit ihrem Chef auf einem Seminar, von dem sie nicht mehr zurückgekehrt ist. Ein Anruf war alles. Am nächsten Tag hat sie die Kinder von der Schule abgeholt und ist mit ihnen in das neue Haus gezogen zu ihrem neuen Freund - Gerd dem Schleimer!

Überhaupt was sie an dem findet. Glatze, Brille und auch einen Bauch. Aber er hat Geld und ein schönes Haus. Nicht so klein wie jenes, das sie im Frühjahr fertig gebaut  hatten. OK! ganz fertig ist es noch nicht, aber immerhin bewohnbar und vor allem sollte es ihr gemeinsames Heim sein. Er hat Überstunden gemacht bis zum Umfallen. Auch sie hat ständig gearbeitet. Oma hat auf die Kinder aufgepasst, bis sie am Abend müde nach Hause kamen. Nach den Nachtdiensten hat er noch jeden Überwachungsdienst übernommen, den er kriegen konnte. In der spärlichen Freizeit wurde dann am Haus gebaut. Seine Freunde haben alle geholfen, und alle waren stolz, als sie in das neue Domizil eingezogen sind. Und jetzt steht alles leer. Die Kinderzimmer sind bis auf ein Bett leer. Das ganze Spielzeug ist nicht mehr da, sondern in der Wohnung von dem Schleimer. Er soll nett sein mit den Kindern und ihnen alle Wünsche erfüllen. Gott sei Dank! Wehe es wäre anders. Dann würde er ihn kennenlernen.

Zuerst war ausgemacht, dass die Kinder am ersten Weihnachtstag zu ihm kommen und gemeinsam Weihnachten nachfeiern. Aber da kam Gerd mit dem superteuren Schiurlaub. Natürlich wollten die Kinder mitfahren. Er konnte es ihnen nicht verdenken. Ein riesiges Hotel mit Kinderparadies und das für eine ganze Woche. Also gab er schweren Herzens sein Einverständnis. Seine Frau legte noch ein Schäuferl nach. Die Kinder hätten in den letzten Jahren immer auf alles verzichten müssen – er solle doch nicht so sein, und ihnen auch einmal was gönnen und ihrer Freude nicht im Weg stehen. Für wen hat er sich den abgerackert? Für sich, nein nur für seine Familie. Und jetzt lassen ihn alle im Stich. Wunderbar. Das erste Weihnachten im neuen Haus. Alleine. Das wollte er sich nicht antun.



 
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