Papa montiert den neuen Luster
Donnerstag, den 29. September 2011 um 13:00 Uhr |
Hermann Szodl | Gedichte

Loblied an die Arbeit an sich

In unserm neuen Haus da haben wir ein Zimmer
in diesem leuchtet es halt nimmer.
Während sonst in allen Räumen die schönsten Lampen prangen
kann man im Gästezimmer nur ins Leere langen.

Unlängst erst war es passiert
dass sich der Bruder hat blessiert.
Im Dunkeln betrat er schnellen Schrittes, die besagte Örtlichkeit
und stieß sich das Bein, am Bügelladen welcher sich dort machte breit.

Von diesem Vorfall nicht sehr angetan
leicht erzürnt die Mama rief ihren Mann.
Zumal sie sich jetzt sehr heftig mokiert
der 10-mal urgierte Luster sei noch immer nicht montiert.

Der Papa weiß das Ansinnen ist schon alt,
jetzt keinen Fehler gemacht sonst bleibt die Küche kalt.
Ja, sagt er,  ich werde eine Lampe besorgen
und montieren tu ich sie gleich morgen.

Das Werkzeug hat er vom Keller geholt und bereitgelegt.
Eine Hängelampe wäre schön, habe ich angeregt.
Ein fünfstrahliger Deckenleuchter musste es sein
der passt in den Raum sicher gut rein.

Am nächsten Tag, gesagt getan
fängt der Papa mit der Arbeit an.
Und nun Leute lehnt euch zurück
das folgende wird ein starkes Stück.

Ich kann seine Worte noch hören: “schaue und lerne“.
Wenn ich nur wüsste, was? tät ich dies gerne.
Das Kabel an der Decke ist zu lange
darum wird’s abgezwickt mit der Kombizange.

Es macht einen Knall, ein Blitz zuckt heraus
und Finster ist’s im ganzen Haus.
Der Papa zuckt zurück und fällt vom Hocker, auf welchem er stand
verliert das Gleichgewicht und kracht mit dem Kopf an die Wand.

Die Augen aufgerissen wie eine alte Eule
auf der Stirne eine große Beule
und zu allem Überfluss
er zu dieser auch noch greifen muss.

Die Einsicht wartete jedoch nicht mehr lange
denn er hielt in der Hand noch seine Zange.
Der Schmerz muss groß gewesen sein
denn plötzlich konnte er Latein.

Die Zeit des Jammerns habe ich schnell überbrückt
und im Keller den Sicherungsautomaten hinein gedrückt.
Der Papa wieder auf dem Schemel stand
mit der Zange in der Hand.

„Kind dreh das Licht doch ab
damit keinen Strom ich hier hab.“
Nun schreitet er sicher zur Tat
und schneidet zurecht den elektrischen Draht.

Es macht einen Knall, aber kein Blitz zuckt heraus,
das machte jetzt aber auch nichts mehr aus,
der Papa springt mit nacktem Gebein,
genau in den Werkzeugkoffer hinein.

Ein Scheppern und ein Krachen,
dem Bruder verging das Lachen,
„Meine schöne Schneekugel ließ ich fallen“,
hört man ihn betroffen lallen.

Das folgende möchte ich nicht so genau schildern
aber man eine Vorstellung bekommt mit folgenden Bildern.
Ein indianischer Regentanz mit Bodenküssen
motiviert durch diverse Schrauben und Nägel, in den nackten Füssen.

Später, die Füße verbunden,
versorgt sind seine Wunden,
stürzt er sich wieder in die Arbeit rein
und sammelt das verstreute Werkzeug ein.

Als nächstes hört man ihn stolz dozieren,
„damit der Luster hält muss man einen Haken montieren“.
Diesen reich mir bitte geschwind
damit vor dem Abendessen wir fertig sind.

Damit der Haken besser fasst
wird er mit dem Hammer vorgeschlagen damit er passt.
Nun eine Eigenschaft wohnt ihm Inne
keine gerade Fläche hat die Pinne.

Nach mehreren Schlägen und ramponierter Decke
fliegt der Hammer in des Zimmers Ecke.
Gewollt oder nicht,
getroffen vom Hammer die Vase zerbricht.


Verdächtig ruhig bleibt es im Zimmer,
warum?,  davon hab ich keinen Schimmer.
Gaaanz ruhig sagt er nur,
„beseitige bitte, die nasse Spur“.

Man bemerkt es am starken Schwitzen
der Haken endlich tut richtig sitzen.
„Siehst du, war ja gar nicht so schwer,
gib mir bitte die Lampe her“.

Nun hängt die Lampe an der ramponierten Decke
schließlich wurde sie gebaut zu diesem Zwecke.
Nur mehr anschließen sagt der Papa, jetzt geht’s um die Wurst.
Bring mir was zu trinken ich hab schrecklichen Durst.

Als ich zurück mit dem Saft der Gerste bin
seh’ ich mich um und denk ich fall hin.
Ein einigermaßen verwüstetes Zimmer ich seh’
Der Boden sieht aus wie ein vertrockneter See.

Die vorher ein gefrischten Blumen und  jetzt braucht’ s Mut
stecken in Mama’ s, neuem,  umgedrehten, Designer- Hut.
Der Papa beim Trinken seinen Kopf erhebt, sagt nur matt,
„Der Putz der macht alles wieder glatt“.

Während er auf den Schemel steigt, voller Zuversicht,
sieht er gerade noch wie sich ein Lampenschirm löst und am Boden zerbricht.
Jetzt wird’s unheilig hinter der rasch geschlossenen Türe,
während schnell mit dem Schöpfer ein Gespräch ich führe.

„Itzi, bitzi, bringi, Lampi , sum,  di um,
mitti, la, da, die Pisti, bumm bumm bumm”.
So,  oder,  so ähnlich klang es zwischen dem Poltern und Krachen
welches verursacht von den herumfliegenden Sachen.

Langsam öffnete ich die Tür welche plötzlich schaurig knarrte
woraufhin wogender Nebel die Sinne narrte.
Der Sack mit 5 Kilogramm Gips war weg,
ihn zu suchen hatte jetzt wohl keinen Zweck.

Etwas mystisches hatte die Situation
doch beruhigend traf ich den richtigen Ton.
„Papa das wird schon wieder,
kannst ja nichts dafür, setz dich kurz nieder“.

Das Zimmer einem Schlachtfeld gleich,
die Schlacht war verloren, Papa war bleich.
Ein bisschen Flurschaden halt,
wer keine Nerven hat der wird schnell alt.

Die Steckkontakte noch schnell verschraubt
und das ganze Zimmer abgestaubt.
Glühlampen in die Fassungen drehen
schon war die Arbeit geschehen.

Verschwitzt und weiß gefleckt
mit blutigen Stellen, von Verbänden bedeckt
so stand der Papa da
als er seine getane Arbeit besah.

„Die schwere Arbeit habe ich getan,
du räumst jetzt auf“, so sagt er an,
„und Morgen malen wir das Zimmer neu,
das ist eine Arbeit auf die ich mich jetzt schon freu“.

Der „self made man“
Anno 2009.

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