Süßer Tod
Freitag, den 17. Juni 2011 um 17:28 Uhr |
Hermann Szodl | Gedichte

Den Pistolengriff in der Rechten
sitze ich da, die Füße verschränkt.
Ein Leben lang auf Seiten der Gerechten.
Ein langes Leben wenn man recht bedenkt.
 „Klick!“ macht der Verschluss
nachdem er nach vorne schnellte.
Hierzu man lediglich den Verschlussknopf drücken muss.
Bei der Vorwärtsbewegung er gleichzeitig eine Patrone in den Lauf gesellte.

Die Hand mit der Waffe sinkt in den Schoß.
Die Augen bleiben geschlossen.
Der Seelenschmerz er ist so groß.
Der Tod,  ja er ist beschlossen.
Tränen laufen über die Wangen und tropfen auf das Hemd.
Ein Weinkrampf schüttelt den Leib.
Solche Gefühle waren lange mir  fremd.
Sie alleine wären es Wert dass am Leben ich bleib.

Lange genug wahrte ich meine Fassade.
Täuschte vor glücklich zu sein.
Alles Lüge, nur eine Charade.
Das Glück es war schon lange nicht mehr mein.
Am Anfang lief noch alles gut.
Beruflich ging es bergauf mit mir.
Am Anfang erforderte alles noch viel Mut,
Dann kamst Du und ich wollte fortan Leben mit Dir.

Mit Dir an meiner Seite war ich am Ziel.
Wähnte mich im Himmelreich.
Dabei merkte ich nicht wie mit der Zeit ein Schatten über uns fiel.
Zwei Kinder, ich fühlte mich wie ein Scheich.
Nicht genug konnte ich kriegen vom Glück.
Sah auf andere Frauen.
Mit der Zeit gab es dann mehr kein Zurück.
Ich begann eine Scheinwelt aufzubauen.

Viel zu lange ging es gut.
Während die Gefühle immer mehr erstarben
Packte mich in der Arbeit immer öfter die Wut.
Viel zu lange musste die Seele darben.
Dann gingen meiner Frau die Augen auf.
Geschockt und tief betroffen.
Meine Eltern setzten dann noch eins drauf.
Auf Gnade konnte ich nicht mehr hoffen.

Gleich einem Baum ohne Wurzeln,
Kein Schutz und kein Halt,
Sah ich mich über den Abgrund purzeln.
Meine Seele die wurde eiskalt.
Nach Hause konnte ich nimmer mehr.
Der Alkohol gab mir keinen Trost.
Das Selbstmitleid quälte mich immer mehr.
Mein Stolz fiel durch den Rost.

Komm süßer Tod
und nimm von mir den Seelenschmerz.
Befrei mich aus meiner allergrößten Not,
Nimm die Stahlklammer mir von meinem Herz.
Blitzschnell läuft mein Leben vor mir ab.
Einem Zeitraffer gleich.
Keine Emotionen ich mehr hab.
Zum Schluss öffnet sich vor mir die Pforte in das Totenreich.

Ich öffne die Augen, verschwommene Bilder.
Lachende Fratzen.
Mein Herz schlägt immer wilder.
Nägel die an meiner Seele kratzen.
Die Hand zuckt hoch
während der Zeigefinger auf den Abzug drückt.
Den Schussknall höre ich noch.
Ein mächtiger Schlag trifft mich wie verrückt.

Die Patronenhülse fliegt sich mehrmals überschlagend
In hohem Bogen
Einem unbekannten Ziel nachjagend
In des Feldes dichte Wogen.
Die Patrone bricht beim Eindringen den Unterkiefer
Und stößt quer durch das Gesichtsbein
Durch die Augenhöhle immer tiefer.
Bis in die Großhirnrinde hinein.

Ein Blutschwall ergießt sich über die Hose
Und der Rückstoß schlägt die Pistole aus der Hand.
Weit verspritzt die rote Soße
Die Lebensfunktionen geraten außer Rand und Band.
Eine vor Brüllen sich überschlagende Stille!
Eine vor Schmerz zuckende Ruhe!
Der Tod war des Lebens letzter Wille.
Die Seele wie gehetzt auf eines Ausweges Suche.

Die Hand  flehend dem Schnitter entgegen gereckt.
Nein, der süße Tod war nicht vergönnt.
Während eine Körperfunktion nach der anderen verreckt
Das Herz in altem Takt im geschundenen Körper dröhnt.
Nein, Schlafes Bruder macht den Abstand weit.
Das anschwellende Hirn verursacht rasenden Schmerz.
Das Leben war für den Tod noch nicht bereit
Und über all dem pochte ein unermüdliches Herz.

Das Ding blieb weiter am Leben.
Gefangen in einem Käfig voller Schmerzen.
Durch den unbrauchbaren Körper lief ein Beben.
Den Tod im Gehirn jedoch das Leben im Herzen.

Unsägliche Qual.
Fast erblindet und Taub.
Eine Existenz aus primitiver Trübsal
Das Leben im Staub.

Die Angehörigen tief betroffen.
Die Eltern in einer Seelenqual.
Frau und Kinder ohne Hoffen,
Sie verloren das Liebste mit einem Mal.
Die Mutter ist gebrochen.
Sie muss bald ihr Kind zu Grabe tragen.
Seelen erstochen.
Unbeantwortete Fragen.

Das Ding lebt noch immer.
Feige wollte es sich aus dem Leben stehlen.
Stattdessen wird die Qual immer schlimmer.
Das Grauen begann die Pein zu quälen.
Und so musst Du büßen für ihren Seelenschmerz.
Unausstehlich ist die Not.
Und über all dem schlägt ein starkes Herz.
Oh bitte, komm süßer Tod. 

2010 - Inspiriert von einer Selbstmordwelle ohnegleichen.

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