Was halten Sie von Riga?
Montag, den 11. April 2011 um 12:30 Uhr |
Thomas Angerer | Geschichten & Gedichte - Geschichten
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Kapitel 4 des Buches "Baltische Passion - Eine leidenschaftliche Reise"

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„Was halten Sie von Riga, Thorn?“, wollte Gnesig wissen.
Der Angesprochene zuckte schweigend mit den Schultern und tunkte die fettigen Pommes Frites in reichlich Ketchup.
„Ich meine, was halten Sie davon, wenn wir vor unserer Weiterreise an die Küste noch einen kleinen Abstecher nach Riga machen?“
Jetzt hob Thorn fragend die Augenbrauen
Gnesig sagte nichts, nickte aber aufmunternd.
„Aber der Arzt hat uns doch an die Küste geschickt, oder?“, wandte Thorn ein.
Verzweifelt schüttelte Gnesig den Kopf.
„Sie sind ein richtiger Beamter. Respekt. Sie werden es noch einmal weit bringen!“
Thorn blickte säuerlich. Gnesig fuhr fort.
„Scheißen Sie auf den Doktor. Der ist tausend Kilometer weit weg. Ich will Riga sehen. Wenn Sie Angst haben, bitteschön. Gehen Sie zum Busbahnhof, fahren Sie nach Memel und warten Sie auf mich. Ich fahre nach Riga, dort soll es nämlich die schönsten Frauen der Welt geben!“
„Da schau her. Gnesig auf Brautschau.“, meinte Thorn schnippisch.
Jetzt zuckte Gnesig mit den Schultern und zwinkerte mit dem linken Auge.
„Also?“
„Abgemacht!“

Thorn hob sein Glas und sie prosteten sich zu. Vorher frag-ten Sie noch ihren Tischnachbarn, wie das auf Litauisch heiße.
„I zveikata.“
Thorn bezweifelte, ob er sich das merken könne. Als sie dabei waren, ihre Rechnung zu bezahlen, erbot sich Erikas, ihnen die Stadt zu zeigen. Thorn war skeptisch, zu stark lagen ihm die Warnungen der Kollegen vor den kriminellen Osteuropäern in den Ohren. Gnesig willigte hingegen hocherfreut ein und ließ es sich nicht nehmen auch die Rechnung des jungen Erikas zu übernehmen. Auch sein am gleichen Tisch sitzender Freund, der aufgrund fehlender Englischkenntnisse bislang kein Wort gesagt hatte, wurde von Gnesig eingeladen und spielte bis zum Abend den stillen Begleiter für die zwei ös-terreichischen Kurgäste und ihren litauischen Fremdenführer.
Die Führung durch Vilnius war höchstinteressant. Allerdings wurde ihr Fremdenführer mit jedem Bier aufdringlicher und es gelang ihnen nur schwer, eine Einladung zu seiner Hochzeit auszuschlagen.
Ein derartiger Besuch passte ganz einfach nicht in ihr Konzept.
Mit schweren Beinen und noch schwererer Zunge holten sie am Abend ihre Rucksäcke aus der Gepäcksaufbewahrung am Wilnaer Bahnhof. Ihr Abendessen nahmen sie in einer Pizzeria schräg gegenüber dem Bahnhof ein. Die Ausstrahlung der Kellnerin erregte sie zutiefst und sie waren froh sich alsbald in ihr Liegewagenabteil in Richtung Riga zurückziehen zu können. Gnesig und Thorn hatten Glück gehabt. Sie hatten gerade noch ein Abteil im Nachtzug nach Riga ergattern können, was aufgrund der vollkommen fehlenden Fremdsprachenkenntnisse der Bediensteten am Fahrkartenschalter des Wilnaer Bahnhofes ohnehin schon beinahe ein Wunder gewesen ist.
Im Nachbarabteil des Nachtzuges von Vilnius nach Riga reisten wiederum die beiden Amerikanerinnen, die Thorn und Gnesig  bereits von der Fahrt von Warschau nach Vilnius kannten.
Mehr oder weniger.



 
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