"...sagt diese Dame"
Mittwoch, den 23. Februar 2011 um 12:46 Uhr |
Norbert Janitsch | Geschichten & Gedichte - Geschichten

„…sagt diese Dame“

von Norbert Janitsch ©

 

In meiner Jahrzehnte langen Dienstzeit als Leitender Kripobeamter habe ich unzählige Schreiben und Briefe von Tätern, Opfern, Witzbolden und Lebensüberdrüssigen in Verbindung mit Erpressungen, Drohungen, anonymen Anzeigen, Fingierungen, Selbstinszenierungen, psychotischen und paranoiden Inhalten gelesen und deren jeweilige Fallbearbeitungen zumindest (mit)verfolgt. Dadurch verfüge ich über einen bestimmten „Erfahrungsschatz“, der es mir erlaubt, mich mit dem an den ehemaligen Finanzminister der Republik Österreich, Karl Heinz GRASSER, gerichteten Brief einer „Dame“, der in der am 30.1.2011 ausgestrahlten ORF-Sendung, „Im Zentrum“ von ihm selbst veröffentlicht worden ist, objektiv bzw. kriminalistisch-ironisch auseinander zu setzen. Ausgelöst wurde dieser „literarische Impuls“ durch hormonelle Schüttorgien, die unaufhaltsam noch während der „Im Zentrum Sendung“ in mir eingesetzt hatten und bis vor Fertigstellung dieses Elaborates nicht mehr zu stoppen waren.

 

Ausschnitt der Dialoge der ORF-Sendung „IM ZENTRUM“ im Originaltext

 

ROSAM zu KHG: „…aber moralisch, moralisch sind Sie verurteilt!“ KHG: „…moralisch bin ich, bin ich vielleicht aus deiner Sicht verurteilt,….schau, die andere Sicht ist:

Ich krieg zurzeit extrem viel Post, ich krieg zurzeit extrem viel Zuspruch, möchte einen Brief vorlesen! Einen! Den ich mitgebracht habe. THURNHER: “vielleicht nicht den ganzen Brief“. KHG: „ich les nur einen Absatz Frau Thurnher. THURNHER: das wäre nett. 26. Jänner - also gerade vor wenigen Tagen bekommen, Sehr geehrter Herr Minister, schreibt die Dame noch. Sie sind für diese abscheuliche Neidgesellschaft zu jung als Finanzminister gewesen; zu intelligent zu gut ausgebildet, aus zu gutem wohlhabenden Haus, zu schön. Und was (2-3 Sekunden Lachen im Publikum)… und was für alles der Punkt auf dem „i“ ist, auch noch mit einer schönen und reichen Frau verheiratet. So viel (2-3 Sekunden Lachen im Publikum)…so viel Glück darf ein einzelner Mensch einfach nicht haben, da muss man etwas dagegen tun. Es ist wirklich traurig. Sagt diese Dame.“

KHG zu ROSAM: „…und ob du das jetzt glaubst oder nicht…“…..

 

 

Briefe an

Politiker

 

Allgemein und im Besonderen

Es gibt zweifelsfrei eine Vielzahl von „guten Gründen“, warum jemand einem Politiker einen Brief schreibt – Wünsche, Beschwerden, Vorschläge, Ärger, Bewunderung u.v.a.m. Aus dem Text dieses Briefes ist erstaunlicher Weise kein plausibles Motiv und kein „Mehrwert“ für die schreibende „Dame“ erkennbar. Als „klassischer Fanbrief“ scheidet der Brief nahezu sicher aus, weil darin keine einzige „Ich-Botschaft“ an das „Idol KHG“, aufscheint. Zweifelsfrei jedoch ist ersichtlich, dass die „Dame“ keine „Psychose“ ist und rational die aktuelle Interessenslage von KHG zu erkennen und zu interpretieren in der Lage war.

 

 

 

„Die Dame“

KHG spricht von einer „Dame“ als Briefschreiberin. Dass diese „Dame“ KHG als „schönen Menschen“ beschreibt, kommt aus der Sicht seiner „bewundernden Dame“ keineswegs unerwartet. Dass die „Dame“ aber dessen Ehefrau gleichfalls als „schön“ darstellt, ist konsternierend und  extrem ungewöhnlich, was zum Schluss führt, dass der Brief, zumindest an dieser Stelle von einem Mann „mitverfasst“ worden sein könnte. Subtil und „typisch“ für Politiker gibt KHG damit gekonnt aber vor, die „Dame“ zwar nicht persönlich zu kennen, aber über sie, einmal mehr die „Stimme des Volkes“ eingefangen zu haben. Links oben im Brief ist jedenfalls, unscharf aber doch, ein 3-zeiliges Adressat einer „Dame“ zu erkennen; oder vielleicht doch nur eine erfundene „Dutzendadresse“, wie z.B.: Susanne MÜLLER - kaufmännische Angestellte - Linz.

 

Karl

Heinz

GRASSER

KHG

Aus kriminalistischer Sicht stellt KHG höchste Ansprüche an jeden Vernehmungsbeamten oder Moderator. Er manipuliert gekonnt und setzt sich so gut wie immer durch, ist „Empathie unfähig“ und zumindest genauso redegewandt wie intelligent; er glaubt nahezu „pathologisch“ an das, was er sagt. Nonverbal lässt KHG bei seinem Auftritt, abgesehen von seinem linken Auge, welches in bestimmten Situationen immer wieder in Richtung Nasenwurzel schielt, kaum einen Kontrollverlust erkennen.

 

 

 

 

Die KHG -

Zustelladresse(n)

 

Gültige Wohn- oder Internetadresse(n) von KHG sind auf einfachem Wege nicht zu eruieren. Andernfalls wären sämtliche KHG-Postfächer wohl mit Negativpost aus der Bevölkerung extrem überflutet. Es wäre sehr interessant zu wissen, welche konkrete KHG-Adresse die Dame angeführt hat und wie sie darüber Kenntnis erlangt hatte. Interessant wäre auch, ob der Brief per Post, als Anhang per E-mail oder sonst wie, bei KHG eingelangt ist. Wie KHG es offensichtlich auch noch schafft, in seinen Postfächern nur „Zuspruchspost“ einströmen zu lassen, ist zusätzlich „extrem“ interessant oder vielleicht doch gar nicht wahr.

P.S.: Ohne den Vergleich mit KHG über zu strapazieren, aber selbst der noch „gottnähere“ Heilige Vater bekommt immer wieder „Negativpost“!

 

 

Spekulationen über die

„Dame“

 

Evolutionstheorien

 

 

 

Alter und Geschlecht

 

Personenprofil

 

Analyse

 

Schlüssigkeit

 

 

 

1) Eine „Dame“ bis 30 Jahre alt (fortpflanzungsbereit):

in dieser Altersgruppe fahren „Damen“ wohl eher gegen einen Baum, als dass sie in einem Brief(!) die viel ältere Ehefrau von KHG ihrem Aussehen nach als „schön“ titulieren würden. Scheidet also aus!

2) Eine „Dame“ 30 – 50 Jahre alt (fortpflanzungseingeschränkt):

schon eher! Etwa eine „glühende KHG-Verehrerin“, die in jahrelanger „Lauerstellung“ zugewartet und nunmehr die „Gunst der Stunde“ nutzt, um mehr, als nur seine Aufmerksamkeit „erregen“ zu können. Ähnliches Konkurrenzverhalten von paarungsbereiten weiblichen Wirbeltieren findet sich beispielhaft auch immer wieder in diversen „Universum Sendungen“ des ORF. Es ist jedenfalls davon auszugehen, dass die „Dame“ sehr selbstbewusst, modern, aufgeschlossen und zumindest „edv- bzw. www-fähig“ ist. Die „Hereinnahme“ der als schön und reich beschriebenen Ehefrau von KHG in den Brieftext, lässt jedoch auch diese Variante in sich zusammenbrechen. Scheidet also auch aus!  

3) Eine „Dame“ 50 – 90 Jahre (fortpflanzungserhaben):  

könnte noch am ehesten zutreffen! Eine z.B. bereits etwas betagte und vielleicht auch noch sozial vereinsamte „Dame“, projiziert ihre (groß-) mütterlichen und konkurrenzfreien Gefühle in die medial omnipresente und charismatische „Opferfigur KHG“, baut sich daran auf und spendet KHG letztendlich postalischen Halt und Zuspruch. Idealtypisch hätte sie das aber mit viel mehr „ödipalen Überschwang“ tun müssen, mehrseitig handgeschrieben, vielleicht sogar noch in Kurrentschrift verfasst; und nicht wie im diesem Brief, perfekt „edv-formatiert“ und präzise „auf den Punkt“ hin formuliert. Auch die Zustelladresse hätte durch die „Dame“ erst herausgefunden werden müssen. Scheidet also auch eher aus!

 

 

Der Zeitpunkt

Sendetermin von „Im Zentrum“ ist der 30.1.2011, Datum des Briefes wird von KHG mit 26.1.2011 vorgelesen. Obwohl die „Dame“ zu keinem Zeitpunkt wissen konnte, dass KHG „ihren“ Brief, einige Tage später in einer Live-Sendung des ORF vorlesen würde, hat sie dennoch einen wahren Volltreffer in den schwarzen Teil ihrer Zielscheibe gelandet.

 

Das Corpus Delicti

 

 

Der Brief ist eine Seite lang, in Druckschrift geschrieben, „Geschäftsbrief ähnlich“ formatiert, ungelocht und 2 mal im rechten Winkel zueinander mittig gefaltet. Als Ort ist „Linz“ angeführt. Linz ist „zufälliger Weise“ eine große Stadt und in etwa gleich weit entfernt von Kitzbühel, Wien und Kärnten. Politiker präsentieren immer wieder etwas „Ausgedrucktes“ in Fernsehdiskussionen. Üblicher Weise werden solche „Ausdrucke“ jedoch von ihren Sekretariatsmitarbeitern vorher selektiert, aufbereitet und gelocht in Ordnern oder Klarsichtfolien bereit gehalten. Bei KHG ist das nicht so. Bei ihm erweckt es den Anschein, als wäre ihm dieser Brief überhaupt erst in seinem privaten Bereich „zu- oder eingesteckt“ worden; vielleicht von einem ihm nahestehenden Steuer- oder Rechtsberater, Coach oder vielleicht auch sogar von einer „Dame“.

Originaltext KHG

Kriminalistisch-ironische Analyse - Norbert Janitsch

Ich krieg zur Zeit extrem viel Post.

Dass KHG „zur Zeit“ – und nicht auch schon früher – extrem viel Post erhält, ist durchaus glaubhaft.     

Ich krieg zur Zeit extrem viel Zuspruch.

Dass KHG „zur Zeit“ – und nicht auch schon früher – extrem viel Zuspruch erhält, ist zwar weniger glaubhaft, führt aber durch die Wortwiederholung zu einem bestimmten „Spannungsaufbau“.

Ich möchte einen Brief vorlesen, einen den ich mitgebracht habe

Die Tatsache, dass KHG nur „einen“ von den extrem vielen Briefen in Studio „mitgebracht“ hatte beweist, dass ein bestimmtes „Konstrukt“ oder „Auswahlverfahren“ vorangehend vollzogen werden musste.  

vielleicht nur einen Absatz Frau Thurnher

KHG hat treffsicher antizipiert, dass ihm zum Vorlesen nicht viel Raum gegeben werden würde und begnügt sich Folge dessen auch mit „nur“ einem Absatz, was zu noch höherer Aufmerksamkeit führt, nachdem er sich gegen die hilflos lächelnde Moderatorin „brutal“ durchsetzt.

Sehr geehrter Herr Minister,

„Sehr geehrter Herr Minister“, lässt KHG zwar der „Dame“ sagen, zelebriert diese Passage aber egozentrisch, genussvoll und stolz.

schreibt die Dame noch

Bei, „schreibt die Dame noch“, schwingt unüberseh- und unüberhörbar ein bestimmtes Maß an „diffuser Wehmut und Sehnsucht“ mit.

Sie sind für diese abscheuliche Neidgesellschaft zu jung als Finanzminister gewesen

An dieser „semantisch sehr auffälligen“ Textstelle, findet sich ein bemerkenswerter grammatikalischer Zeitwechsel von der Gegenwarts- in die Vergangenheitsform. Es ist nicht ganz auszuschließen, dass die „Dame“ mehrsprachig ist und sich unterbewusst und ungewollt, bei ihr die Grammatik einer Fremdsprache in den Text „geschlichen“ hat. Mit dem paranoiden Element, „Verfolgung durch eine abscheuliche Neidgesellschaft“ und dem Begriff „zu jung“, versucht die „Dame“ die zurückliegenden Ursachen des politischen Scheiterns von KHG nicht nur recht zu fertigen sondern auch zu pauschalieren.

zu intelligent zu gut ausgebildet, aus zu gutem wohlhabenden Haus, zu schön

Die „Dame“ stellt ein (Selbst)Bild von KHG her. Das ist unlogisch! Für wen und warum sollte sie das tun? Das Auflachen des Publikums, „realisiert“ KHG in seiner Bedeutung nicht. Er lächelt die Reaktion des Publikums weg und liest weiter, als wäre nichts. Damit gewährt KHG einen tiefen Blick in die Diskrepanz seines „Selbst- und Fremdbildes“.

und was für alles der Punkt auf dem „i“ ist, auch noch mit einer schönen und reichen Frau verheiratet

Auch diese Textstelle ist „semantisch auffällig“, weil auch hier ein fremdsprachlicher Einfluss, z.B. aus dem „i“talienischen, nicht ganz ausgeschlossen werden kann. Spätestens jetzt steht außerdem fest, dass die „Dame“ mit der Ehefrau von KHG in einer „bestimmten Verbindung“ stehen muss. Auch wenn KHG seine Frau glaubhaft und aufrichtig liebt und sie als extrem schön und reich sieht und erlebt, reagiert KHG beim abermaligen hellen Auflachen des Publikums wie schon zuvor mit „Realitätsverweigerung“ und setzt sich damit, für ihn unbemerkt und ungewollt, öffentlich der Lächerlichkeit aus.

so viel Glück darf ein einzelner Mensch einfach nicht haben

Die „Dame“ sieht einen Lebenstraum als „geplatzt“ und lässt eine emotionale Anteilnahme am Schicksal von KHG wie Ärger, Resignation, Verbitterung oder Kränkung durchsickern. Der wirkliche Lebenstraum von KHG ist zwar nicht angeführt, könnte aber in (psycho)logischer Fortsetzung wie folgt lauten: Finanzminister, Vizekanzler, Bundeskanzler und internationaler Staatsmann mit höchstem Ansehen. Und all das an der Seite einer schönen und reichen Frau oder „Dame“.

da muss man etwas dagegen tun,

Die „Dame“ stößt einen „Hilfe schreienden Appell“ zugunsten KHG aus und fordert „Gegenmaßnahmen“. An wen sollte diese Botschaft denn gerichtet sein? Alleine an KHG? Das ergibt keinen Sinn! An das  Österreichische Volk? Wie denn? An die Zuseher der Sendung „Im Zentrum“? Aha!! So muss es dann wohl auch gewesen sein, denn andernfalls hätte der Brief der „Dame“ maximal zu einer handfesten Eifersuchtsszene mit KHG führen können, wenn dessen Ehefrau den „Brief der Dame“ zufällig in seiner Sakkoinnentasche gefunden hätte.

es ist wirklich traurig,

Ja! Diese Aussage der „Dame“ gibt nicht nur ein allgemeines Stimmungsbild zu KHG richtig wieder, sondern ist ausnahmsweise auch einmal über jeden kriminalistischen Zweifel erhaben.

sagt diese „Dame“….

…ganz schön „dämlich“!! Oder ??

….meint „herrlich“ amüsiert von all dem, Norbert Janitsch


 

Hier klicken um mehr über den Autor Norbert Janitsch zu erfahren!

 
Template wurde mit www.template-builder.com erstellt - Copyright by Thomas Angerer