Der Blinde
Montag, den 31. Januar 2011 um 09:47 Uhr |
Richard Lux-Rubenser | Geschichten & Gedichte - Geschichten
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Also das  gibt’s aber jetzt nicht wirklich! Steht da ein Blinder auf der Kreuzung und regelt Verkehr. Und das bei einsetzender Dämmerung. Auf eine Riesenkreuzung. Mitten im abendlichen Stoßverkehr. Unter einer eingeschalteten Ampel.
Ein Blinder. In echt. Mit weißem Stock und gelber Armbinde. Und mit dunkler Brille.
Ich kenn ihn ja schon lange. Zwar nur vom Sehen, aber immerhin. Ich weiß auch wo er wohnt. Im Blindenheim drüben im 14. Bezirk, Nur ein paar hundert Meter Luftlinie von hier. Vom Gutraterplatz nämlich.  

Ach ja, dass ich’s nicht vergesse. Wir sitzen im Streifenwagen. Mein Kollege, der Reini, und ich. Hinten haben wir noch einen Polizeischüler mit. Weiß nicht, ob der schon trocken ist hinter den Ohren. Ausschauen tut er nicht so. Muss auf jeden Fall noch hinten sitzen. In ein paar Wochen darf er dann schon nach vorne. Da darf er dann funken und muss die Einsätze alleine mitschreiben. Learning by doing oder wie das heißt. Weil wir sind nämlich ein Schulwachzimmer. Also eines, wo die Jungpolizisten das echte Dienstmachen lernen. Wo sie dann ausprobieren können wie das so ist mit den Gesetzen und den Dienstvorschriften und der Richtlinienverordnung in der Praxis.

Jedenfalls stehen wir da auf der Spetterbrücke in Ottakring und vor uns steht ein Blinder auf der Kreuzung und regelt den Verkehr. Über ihm die Ampel ist eingeschaltet und regelt auch den Verkehr. Natürlich sind sich die Zwei nicht einig. Es kommt zu lustigen Situationen. Manche Autofahrer schauen natürlich auf den Blinden, andere auf die Ampel. Und immer wenn dem Blinden ein Auto zu nahe kommt  - irgendwie spürt oder hört er das – haut er mit seinem weißen Blindenstock fest auf das Auto hin. Die Autos fahren dann immer ganz erschrocken weiter. Da haut er dann noch fester hin.

Also ich nehm jetzt mal das Funkgerät und sag dem Kollegen in der Funkstelle was da jetzt wieder los ist. Und dass wir schon da sind. Falls da nämlich jetzt noch jemand anruft. Nicht, dass er noch jemanden -  vielleicht uns – über Funk da herschickt. Der Reini hat inzwischen das Blaulicht eingeschaltet. Dann steigen wir aus. Der Reini, ich und der Schüler. 
Ich erklär dem Blinden, dass er  das da jetzt nicht darf. Und dass er jetzt heimgehen muss in sein Blindenheim. Wir bringen ihn auf den Gehsteig. Schon Richtung Heimat quasi. Aber der Blinde redet nicht mit uns. Wie wir so auf dem Gehsteig stehen, geht er plötzlich wieder bei uns vorbei und stellt sich wieder mitten auf die Kreuzung.
Also jetzt aber wirklich!



 
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