Die Überwachung
Freitag, den 11. Februar 2011 um 09:27 Uhr |
Markus Schiffer | Geschichten & Gedichte - Geschichten
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Die Überwachung
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Seine Hände zittern vor Kälte als er die Zigarette an den Mund führt. Mittlerweile schon die fünfte in dieser Stunde. Der  Rauch in seinen Lungen  vertreibt die Kälte auch nicht wirklich.  „Verdammt“, fluchte er. Ausgerechnet ihn muss es erwischen. Aber das kommt von seiner großen Klappe. Als der Chef mit dem Überwachungsauftrag von 22.00 Uhr  bis 01.00 Uhr  in den Aufenthaltsraum kam, konnte er einfach seinen Mund nicht halten. Alle anderen haben sich intensiv mit dem Inhalt ihrer Kaffeetassen beschäftigt oder aus dem Fenster gesehen. Aber er musste ja den starken Mann markieren.

Ankündigungen auf mögliche Anschläge auf jüdische Einrichtungen im Zuge des Jahrestages der Reichskristallnacht machten eine verstärkte Überwachung der jüdischen Einrichtungen notwendig. In Rayon seiner Dienststelle liegt der jüdische Friedhof. Nur ein kleiner Abschnitt im größten Friedhof der Stadt.

Seine Witze über Geister und allerlei Untote haben den Chef dazu bewogen ihm den Auftrag zu geben, da er sich ja nicht vor Angst in die Hosen machen würde. Um 22.00 Uhr war Dienstantritt direkt beim Friedhof. Sein Vorgänger konnte gar nicht schnell genug flüchten. Ihm war nicht ganz klar ob dieser vor der Kälte flüchtete oder aus anderen Gründen. Es war eiskalt. Außerdem schneite  es seit Jahren wieder zum ersten Mal zu dieser Jahreszeit.
Er dreht seine ersten Runden. Im Schnee konnte er die Fußspuren und damit auch den Weg des Polizisten, der vor ihm hier war,  sehen. Dieses „Weichei“ hat sich vorwiegend im hellen Bereich des Friedhofes aufgehalten.

Also warten! Noch zwei Stunden bis zur erneuten Ablöse. Um die Kälte zu vertreiben beginnt er erneut seinen Rundgang. Er geht in den Fußspuren seines Vorgängers.  Der Friedhof ist groß und unübersichtlich.
Wieder zündet er sich eine Zigarette an. Er bläst den Rauch einem Engel, der auf einem Grabstein thront, ins Gesicht. Von draußen hört man den Straßenlärm durch den Schnee gedämpft. Alles ist still  - eigenartig still. Es scheint die Schneedecke verschluckt alle Geräusche die an ein Leben erinnern.
Unsicher geht er weiter. Eine Runde um den jüdischen Friedhof  braucht ca. 20 Minuten. Also sollte er den Friedhof  noch sechs Mal  umrunden. Aber die Kälte die langsam in seine Glieder dringt und der Schneefall  fordern ihren Tribut. „Scheiß auf die Runden!“ Er sucht Schutz unter den Arkaden.  Der Wind wird etwas abgehalten und dort zieht es nicht so. Außerdem kann er hier den Friedhof überblicken – zumindest den Teil den er zu überwachen hat.



 
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