Von Wien nach Warschau
Mittwoch, den 26. Januar 2011 um 14:32 Uhr |
Thomas Angerer | Geschichten & Gedichte - Geschichten
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Kapitel 2 des Buches
"Baltische Passion - Eine leidenschaftliche Reise"

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Das Restaurant „Rosenkavalier“ am Wiener Südbahnhof war spärlich besucht, als Thorn sich mit seinem Tramperrucksack durch die Eingangstüre zwängte.
Er ließ seinen Blick durch das Lokal schweifen und erwartete fast, dass Gnesig noch gar nicht da wäre. Zu Thorns Überraschung saß sein Begleiter aber bereits an einem Tisch in der hintersten Ecke des Lokals. Vor ihm stand eine Tasse Kaffee und ein weich gekochtes Ei. Außerdem hatte auch er einen großen Tramperrucksack als einziges Gepäckstück neben seinem Tisch stehen.
Thorn war fast ein wenig enttäuscht. Es hätte wohl eher in das Bild, das er sich von Gnesig gemacht hatte, gepasst, wäre dieser mit einem Hartschalenkoffer auf Rädern oder vielleicht sogar mit einem altersschwachen, abgewetzten Lederkoffer gereist. Einen dieser Koffer besaß sogar Thorn. Er war ein Erbstück seines Großvaters und diente als Aufbewahrungsbehälter für Christbaumschmuck.
Nach einer wortkargen Begrüßung winkte Thorn den Kellner zu sich, blickte auf die Uhr und befand, dass die Zeit für das erste Bier noch nicht gekommen war. So bestellte er einen großen Braunen. Gegessen hatte er bereits zu Hause.
„Finden Sie, wir sollten vor der Abreise noch beten?“, Thorn meinte es ernst.
„Ich muss Sie enttäuschen, mein Lieber. Ich bete nicht. Ich bin Agnostiker.“
In trotzigem Ton sprach Thorn ein Gebet, in dem er Gottes Schutz für die Reise erbat. Gnesig störte ihn dabei nicht, sondern machte sogar so etwas ähnliches wie ein andächtiges Gesicht.
„So, so. Agnostiker, also.“
Der Spott in Thorns Stimme war unüberhörbar. In Erwartung einer Antwort widmete er sich erst einmal seinem Kaffee.
„Wovor fürchten Sie sich?“, fragte Gnesig stattdessen.

 „Das kommt drauf an.“
Thorn schleckte den Milchschaum von seinem Löffel und legte ihn auf das vor ihm stehende Silbertablett.
„Wenn Sie das Große, das Globale meinen, dann wohl am ehesten vor einem nuklearen Super-GAU oder dass einer von den Mächtigen in einem Anflug von Wahnsinn auf den „Roten Knopf“ drückt. Wenn Sie mein Leben meinen, dann tu ich mir schon ein bisschen schwerer. Früher hatte ich Angst zu sterben, ehe ich einmal eine Rothaarige gepudert hab. Das hab ich mittlerweile gemacht. Sterben möchte ich trotzdem nicht.“
„Der Tod also.“
Thorn nickte.
„Ich meinte aber mehr, ob sie sich vor irgendetwas auf dieser Reise fürchten. Oder beten Sie öfter? Vielleicht einfach nur so?“
Wieder nickte Thorn bedächtig.
„Manchmal einfach nur so. Keine Ahnung, ob’s hilft. Vor der Reise fürcht’ ich mich aber nicht. Obwohl mir ein paar Kollegen prophezeit haben, dass wir nicht weiter kämen als bis Warschau. Dort werden wir ausgeraubt und wenn wir Glück haben, bleibt gerade einmal genug über, dass wir uns die Rückfahrt leisten können.“
„Ausgeraubt. Papperlapapp.“



 
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