Die Kantner
Sonntag, den 05. Dezember 2010 um 13:28 Uhr |
Markus Schiffer | Geschichten & Gedichte - Geschichten
Beitragsseiten
Die Kantner
Seite 2
Alle Seiten

Das kann doch nicht wahr sein! Ausgerechnet heute und genau jetzt sitzt er hier bei der Kantner. Den ganzen Tag nichts los auf der Dienststelle und eine Stunde vor Schluss muss die depperte Kantner anrufen. Mindestens einmal im Monat braucht diese alte Schachtel die Polizei, weil sie in ihrer Wohnung irgendetwas verlegt hat, oder ihre Waschmaschine nicht in Gang bringt.
Natürlich musste es ihn treffen. Der Chef  kam mit einem Grinsen in den Aufenthaltsraum. „Die Kantner hat angerufen. Sie vermisst wieder einmal ihre Geldbörse!“ Er schaute ihn an und sein Grinsen wurde breiter. „Der richtige Einsatz für unseren Jüngsten hier. Viel Spaß!“

Das Wachzimmer hat heute Weihnachtsfeier. Alle wollen geschlossen zum Christkindlmarkt gehen und dort einmal ein paar Glühweine trinken und anschließend beim Huber-Wirt so richtig einen draufmachen. Richtig gutes Essen, Riesenportionen und erst das Bier aus der hauseigenen Brauerei. Ein toller Abend sollte es werden. Schon lange freuen sich alle Kollegen auf den Abend. Der ganze Stress der letzten Tage sollte einfach vergessen werden.

Aber er muss hier sitzen und schaut schon zum fünften Mal auf die Uhr. Die Kantner findet ihre Geldtasche nicht. Vermutlich hat sie diese schon wieder unter das Bett gelegt. Also gibt er ihr ziemlich mürrisch  Hinweise wo sie suchen soll, oder wo die Geldtasche sein könnte. Was ist bloß los heute? Sonst findet sie die Geldtasche im Handumdrehen. Aber heute lässt sie sich absichtlich Zeit, oder was!

Alle bisher bekannte Verstecke wurden schon durchsucht – kein Erfolg. Er steht jetzt selbst auf und beginnt zu suchen. Noch eine Viertelstunde und die Kollegen sind am Weihnachtsmarkt. Kein Erfolg. Die Geldtasche wird nicht gefunden. Ziemlich ungehalten poltert er los: „Ich muss jetzt weg. Ich habe noch einen anderen Einsatz. Tut mir leid, aber sich müssen schon selber suchen!“

Die Kantner blickt in aus traurigen Augen an. „Bitte helfen sie mir doch. Ich brauche mein Portmonee! Die Nachbarskinder kommen und singen Weihnachtslieder. Ich  muss ihnen doch etwas geben.“
 
Die Kollegen funken ihn an wo er bleibt. „Keine Angst! Ich komme nach. Muss nur noch schnell der Kantner helfen“

 Etwas weniger schroff sagt er zu ihr: „Einverstanden, ich helfe ihnen noch ein paar Minuten. Aber dann muss ich gehen!“
(Ich  kann die Kollegen noch beim Huber-Wirt treffen. Die paar Glühweine habe ich sicherlich mit zwei, drei Bier bald nachgeholt.)



 
Template wurde mit www.template-builder.com erstellt - Copyright by Thomas Angerer