Die Technik? Dein Freund?
Sonntag, den 10. Mai 2009 um 14:54 Uhr |
Manfred Klein | Geschichten & Gedichte - Geschichten
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Die Technik? Dein Freund?
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Schon länger frage ich mich, nutzt uns die Technik oder trägt sie dazu bei, dass unsere Spezies sich rückentwickelt.
Nehmen wir mal das Handy:
Früher gab es das Festnetz.
Ein unpraktisches Ding. Man war an dem Platz, wo man telefonieren wollte angekettet.
Ein Seufzer der Erleichterung ging durch das Land, als endlich die sogenannten Schnurlostelefone ihren Einzug hielten.
War man außer Haus, nicht im Büro ergo unterwegs, war man für die Mitmenschen nicht erreichbar.
Trotzdem konnte man überleben.

Für ganz dringende Fälle gab es früher Telefonzellen mit Wählscheibe. Man musste sich die Nummer merken, oder lernen wie man mit einem Telefonbuch umgeht.
Ganz besonders vergessliche Menschen hatten ein „schwarzes Büchlein“ in dem alle lebenswichtigen Nummern notiert waren.
Heute nimmt man das Handy gibt per Sprachbefehl den Teilnehmer an und das Wunderding verbindet automatisch mit dem besten Freund.
Problem: Verliert man das Handy, verliert man auch den Kontakt zum besten Freund. Weil man seine Nummer nicht weiß.
Woher auch. War ja gespeichert. Zwar nicht in den grauen Zellen, dafür aber auf einem Chip, hergestellt vermutlich in Silikon Valley.
Angeblich ist so mancher sozialer Abstieg mit dem Verlust eines Handys verbunden.
Was tut ein Geschäftsmann, der keine Telefonnummern mehr hat.
Wenn sie jetzt zum Handy greifen und panisch die Kontaktliste durchackern um sie auf ein anderes Speichermedium zu transferieren, sollten sie sich fragen:
„ Und was, wenn auch dieses Medium seinen Geist aufgibt?“
Beeindruckend ist auch der Gesichtsausdruck eines Mitmenschen, wenn er telefonieren will und feststellt, es gibt gerade kein Netz.
Diese Trauer in den Augen ließe vermuten, dass gerade ein naher Angehöriger verstorben ist.
Unmittelbar auf diesen traurigen Blick folgt das panische Laufen in unregelmäßigen Mustern um eine Stelle zu finden, wo das Handy funktioniert.
Man muss nämlich schon immer und überall erreichbar sein.
Es könnte ja sein, das jemand anruft.
Vorzugsweise eine Firma die Beteiligungen an Gewinnspielen verschachert und die Handynummer als potentielle Einnahmequelle entdeckt hat.
Neulich lautete übrigens eine Schlagzeile, dass dem amerikanischen Schauspieler Brad Pitt sein Blackberry in die Toilette gefallen ist.
Schade. Er war ein guter Schauspieler. Man wird nun leider nie wieder was von ihm hören.

Nehmen wir mal das Navigationsgerät:
Früher plante man mit Karten. Einem ausgetüftelten Plan, der niemals wieder so zusammengelegt werden konnte, wie er ab Hersteller geliefert wurde.
Eine Reise in ein ferneres Land ging ob über mehrere Seiten im Atlas.
Heute tippt man das Ziel ein und fährt los. Man wird vermutlich auch zum Ziel hingeführt.
Wobei man allerdings immer wieder liest, dass Menschen nach England wollten und in Alaska gelandet sind.
Weil dort dummerweise ein Ort mit ähnlichem Namen existiert und man die Postleitzahl nicht wusste.
Blindes Vertrauen in das Navigationsgerät ist beim Baustellenwahnsinn auch nicht unbedingt angebracht.
Es stellt sich die Frage, ob man wirklich „sofort umkehren“ sollte, wenn man gerade auf der Autobahn ist und das Navi gerade mal nicht erkennt, wo man sich wirklich befindet.
Weil rund herum die Autobahn ausgebaut wird.



 
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