Harte Tage
Samstag, den 02. Januar 2010 um 14:12 Uhr |
Johann Bednar | Geschichten & Gedichte - Geschichten
Beitragsseiten
Harte Tage
Seite 2
Seite 3
Alle Seiten

Verdammt noch mal, was war denn los? In der letzten Zeit schliefen wir schon in unseren Klamotten, denn die Suchtgiftschmuggler hatten anscheinend Hochsaison. Schlag auf Schlag purzelten die Transporteure aus den Maschinen am Flughafen.
30. April 1989, unsere Truppe nahm wieder mal die ankommenden Passagiere in Augenschein, als uns ein junger, nervöser Typ ins Auge stach. Er hetzte bei den Transport-Bändern unruhig umher, und uns war klar, den kaufen wir uns doch mal. Endlich kamen die Koffer zum Vorschein, es war ein Flug von Tunesien nach Wien.

Der Typ holte einen schäbigen, leicht zerfledderten Koffer vom Band und begab sich Richtung Ausgang. Nichts da, Stopp, wir sind die Guten. Wir baten ihn sehr höfflich den Koffer zu öffnen. Der Kerl schepperte wie ein paar alte Ventile eines Oldtimers, irgendetwas war faul mit ihm.
Die Durchsuchung des Koffers war ein Schlag ins Wasser. Ein paar alte Klamotten, ausgelatschte Schuhe und einige undefinierbare Speisereste. Das war’s. Gibt’s doch nicht, das kann nicht sein. Warum flippt denn der Kerl so herum. Hüpft von einem Fuß auf den anderen, war doch echt ansteckend.
Unser nächster Verdacht war nahe liegend. Der Kerl hat sicher was geschluckt! Klar das war es doch! Röntgen war angesagt.
Wir hatten damals eine Vereinbahrung mit einem Röntgenarzt in Schwechat, dort konnten wir praktisch jederzeit Röntgen durchführen lassen. Sogar auch am Wochenende, das war echt super für uns und wir brauchten nicht in ganz Wien herumfahren und ausgebuchte Spitäler quälen. Auf zum Herrn Doktor M. mit dem Kerl.
Die Ordination war zum Brechen voll, als wir dort eintrudelten, die Augen der Assistentinnen wurden gleich um einiges größer, als sie uns erblickten. Ich bitte die damaligen Patienten noch heute um Verständnis, denn wir drängten uns unverschämt vor. Das leichte Murren in der Ordination überhörten wir doch locker.
Runter mit den Kleidern des Tunesiers, das war er nämlich, er kam aus Tunesien und war 24 Jahre alt.
Gespannt lauerten wir gemeinsam mit Dr. M. hinter der dicken Bleischeibe und starrten auf den Röntgenapparat. Siehe da, in seinem Bauch waren zwei dicke Kugeln sichtbar. Volltreffer!
Herzlichen Dank, Herr Doktor, und wir zischten ab ins Büro.
Nun war „kacken“ angesagt. Wir setzten den Burschen auf die Toilette, es war eine Spezialanfertigung mit einem Gitter in der Innenseite damit ja nichts verloren gehen konnte.
Eine langwierige Sache, sie werden ja verstehen, so auf Befehl seinen Stuhl loszuwerden ist ja nicht so einfach. Aber irgendwann kamen die unverdauten Produkte zum Vorschein.
Zwei ca. Hühnereigroße Kugeln, mit Heroin gefüllt, welches mehrfach in Präservative gewickelt war, musste er natürlich selbst reinigen. Das wird doch jeder verstehen, nehme ich mal an! 50 Gramm fast reines Heroin befand sich in jeder Kugel.



 
Template wurde mit www.template-builder.com erstellt - Copyright by Thomas Angerer