Hans und Lotti
Samstag, den 07. August 2010 um 10:22 Uhr |
Markus Schiffer | Geschichten & Gedichte - Geschichten
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Hans und Lotti
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Ich saß jetzt schon seit einer Stunde in der Klinik und wartete auf meine abschließenden Untersuchungen. Ich hatte genügend Lesestoff eingepackt, da ich erfahrungsgemäß mit drei Stunden rechnete. Der Warteraum war wie immer überfüllt und es war drückend heiß.
Patienten gingen immer wieder zur Aufnahme und wollten einfach drankommen. Dort hieß es: „ Sie müssen einfach warten bis sie aufgerufen werden. Heute ist sehr viel los. Es tut uns leid!“
Mit der Wartezeit hatte ich gerechnet und begann mit meinem Buch. Ein Krimi ohne wirklichen Inhalt, gerade recht um die Wartezeit zu verkürzen.
Ich blickte auf, als ein älteres Ehepaar den Warteraum betrat und zur Anmeldung ging. Er war so um die 70 Jahre alt und seine Frau dürfte Mitte 60 gewesen sein.

Auffallend war bei den beiden nur die Gegensätzlichkeit. Sie trug ein auffallendes Kleid, viel Schmuck. Er dagegen wirkte in den kurzen Hosen, Polo-Shirt und Schildkappe fast ein wenig ärmlich. Aber sie hielten sich im Arm und die Frau führte ihren Mann zur Aufnahme. Sie erledigte für ihn die ganzen Formalitäten.
Sie blickten sich um, aber fast alle Stühle waren besetzt. Nachdem neben mir ein Sitz frei war, stand ich auf und bot beiden die Sitzplätze an. Dankbar und erleichtert nahmen beide Platz. Er bedankte sich mit leiser Stimme.
Er erzählte, dass sie beide in der letzten Woche eine halbe Stunde lang stehen mussten, da alle Sitze besetzt waren.
Kurz darauf wurde ein Sessel neben den beiden frei, da einer der Wartenden zum Röntgen aufgerufen wurde. Ich setzte mich und begann wieder in meinem Krimi zu lesen, als mich der Mann ansprach. Er wollte nicht unhöflich sein, aber er hätte dieses Buch auch gelesen und es wäre einfach mies. Ich sollte meine Zeit mit etwas Sinnvolleren verbringen, und er machte mir einige Vorschläge über Literatur, die ich unbedingt lesen sollte. Wir begannen eine anregende Unterhaltung über alle möglichen Romane, Bücher und Geschichten. Seine Frau mischte sich immer wieder in die Unterhaltung ein, wenn er den Faden verlor oder wenn er sich offensichtlich irrte.
Sie wirkte bei den Einmischungen weder belehrend noch vorwurfsvoll. Sie lächelte, wenn sie ihren Mann fast liebevoll berichtigte. Während der ganzen Zeit hielten sie Händchen, mal lag ihr Arm um seine Schulter oder er legte seine Hand auf ihre Oberschenkel. Die beiden mochten sich, das konnte man einfach sehen und spüren.

Der Mann schweifte ab, und er begann von früher zu erzählen. Er hieß Hans und seine Frau nannte er nur Lotti. Sie waren schon lange verheiratet - über 50 Jahre.

Er hatte seine Lotti noch während der Kriegswirren kennen und lieben gelernt. Hans kam aus ärmlichen Verhältnissen, sie war jedoch mit reichen Eltern gesegnet.
Sie verbrachten nur wenige Wochen - während seines Fronturlaubes – zusammen, aber das war die Liebe ihres Lebens. Als der Frieden wieder einzog und Hans zurückkehren konnte, hielt er um ihre Hand an. Lotti´s Eltern waren nicht damit einverstanden und enterbten die Tochter, da es keine standesgemäße Heirat war.
Lotti und Hans ließen sich dadurch nicht beirren und heirateten. Durch viel Liebe und Fleiß konnten sie sich ein gemeinsames Leben aufbauen. Er war als Architekt sehr erfolgreich und verdiente nicht schlecht um sich ein wenig Luxus leisten zu können. Er tat alles damit Lotti nicht auf ihren gewohnten Lebensstil verzichten musste.
Sie hingegen hielt alle Probleme von ihm fern, damit er in Ruhe seiner Arbeit nachgehen konnte.



 
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