Das Lächeln der Tochter
Mittwoch, den 16. Dezember 2009 um 10:17 Uhr |
Markus Schiffer | Geschichten & Gedichte - Geschichten
Beitragsseiten
Das Lächeln der Tochter
Seite 2
Alle Seiten

Gerhard freut sich auf den Abend. Es ist Weihnachten! Noch eine Stunde Dienst im Streifenwagen. Endlich! Heuer kann er zum ersten Mal mit seiner Frau und seiner kleinen Tochter - die im Juli geboren wurde - Weihnachten feiern. „Weihnachten zu dritt! Wie sehr haben er und seine Frau das herbeigesehnt. Als seine Tochter geboren wurde war Gerhard der glücklichste Mann auf Gottes Erdboden. Das schönste Weihnachtsgeschenk heuer werden die strahlenden Augen seiner Tochter und seiner Frau sein.

 

Er wollte seinen Überstundendienst am 24. abgeben, aber da eine Kollegin krank wurde, musste er noch kurz für den Tagdienst einspringen. Überstundengeld kann man ja als junger Familienvater immer brauchen.

Martin sein älterer Kollege – er geht nächstes Jahr in Pension – kann das unruhige Getue im Streifenwagen nicht mehr ertragen. Ständig fragt ihn Gerhard: „Wie spät?“ oder „Wie lange noch?“
„Gerhard! Weißt´ was! Ich fahr jetzt ins Wachzimmer! Mit Dir ist es nicht mehr auszuhalten. Ich lege ein gutes Wort beim Chef für dich ein, dann kannst Du vielleicht früher nach Hause!
Es ist schon seit zwei Stunden nichts mehr los. Die eine Stunde werden wir auch noch um die Runde bringen.“

Gesagt, getan! Auf ins Wachzimmer! Der Chef – eine miesepetrige Figur – der seit seiner Scheidung vor zwei Jahren, den ganzen Frust seines Daseins seine „untergebenen“ Kollegen spüren lässt, ist erstaunlich gut aufgelegt. „Mein Sohn hat angerufen, ich soll morgen zu seiner Familie kommen und mit ihnen gemeinsam Weihnachten nachfeiern!“ posaunte er durch die ganze Dienststelle. Martin nützte den Augenblick und fragte den glücklichen Chef ob Gerhard früher abtreten dürfte. Schließlich wäre es doch ein besonderes Fest für ihn und seine Familie. Der Chef ließ sich überreden.

„OK! Gerhard! Du darfst früher gehen. Aber warte noch auf Emil, damit er den Funkwagen für dich besetzen kann, falls etwas sein sollte.

Überglücklich lief Gerhard in die Garderobe. Er war bereits umgezogen, als Emil die Inspektion betrat. „Der Chef lässt mich früher gehen! Ich feiere heute zum ersten Mal zu dritt mit meiner kleinen Tochter Weihnachten. Du sollst für mich den Streifendienst mit Martin übernehmen. Es ist eh´ nichts los. Danke Dir – und schöne Grüße an deine Frau und vor allem schöne Weihnachten.



 
Template wurde mit www.template-builder.com erstellt - Copyright by Thomas Angerer