Ein besonderer Tag
Mittwoch, den 16. September 2009 um 14:07 Uhr |
Markus Schiffer | Geschichten & Gedichte - Geschichten

Er stand zeitig in der Früh auf, da er mit seinem Hund noch spazieren gehen wollte. Er war in Hochstimmung und in freudiger Erwartung was der Tag ihm noch bringen sollte. Er verbrachte eine schöne Stunde mit seinem vierbeinigen Freund am Flussufer. Der ersten Sonnenstrahlen und die angenehmen Temperaturen erhöhten seine schon positive Stimmung.

Nach dem Spaziergang brachte er den Hund zu einem Bekannten - der sich bereit erklärt hatte sich um diesen zu kümmern - und er freute sich auf den heutigen Tag, noch dazu weil es einfach ein einmaliger Tag in seinem Leben werden sollte. Er nahm seine Reisetasche mit dem guten Anzug darin und startete seinen alten, schon etwas ramponierten Geländewagen.

Als er bei seinen Eltern – die ihn schon erwarteten – vorfuhr, kannte das Hallo und Schulterklopfen kein Ende. Seine Eltern wollten ihm eine Freude machen und hatten seine Freunde und Geschwister zum gemeinsamen Frühstück eingeladen. Seine Mutter war in ihrem Element. Sie hatte ein Frühstücksbuffet gezaubert, dass alle aus dem Staunen nicht mehr herauskamen. Fast wie in einem Luxushotel - war der einhellige Tenor.
Es wurde viel gelacht und einige lustige Begebenheiten aus der Kinderzeit erzählt. Vor lauter Aufregung konnte er nicht viel frühstücken, aber seine Geschwister und Freunde langten alle kräftig zu.

Über den bevorstehenden Tag und das Ereignis wurden Witze gemacht und er war das Opfer zahlreicher Weisheiten und Ratschläge für die Zukunft.

Nachdem seine Freunde nach Hause fuhren, packte ihn ein wenig die Schwermut. Er hätte gerne noch länger mit ihnen gelacht. Aber der heutige Tag war einfach zu wichtig um ihn mit seinen Freunden zu verbringen. Also nahm er seine Reisetasche und begab sich in das Badezimmer um sich frisch zu machen und sich umzuziehen. Er kam sich vor wie damals – als er als junger Mann noch bei seinen Eltern gewohnt hatte. Seine Mutter hatte frische Handtücher und eine neue Zahnbürste bereitgelegt.

Er begann sich zu rasieren und blickte in den Spiegel. Sollte der heutige Tag wirklich alles verändern. Er war einfach glücklich so wie sein Leben verlief. Warum musste er heute noch alles ändern. Aber waren Zweifel an einem solchen Tag nicht ganz normal? Warum nicht weglaufen? Jetzt würde keiner aufpassen, alle wären mit sich selbst beschäftigt und außerdem war die Badezimmertüre gleich neben dem Wohnungseingang. Aber er hatte schon schwierigere Sachen durchgestanden, und er freute sich auch sehr auf das bevorstehende Ereignis. Die Zweifel wurden weggewischt, genauso der kurze Fluchtgedanke.
Also machte er sich zurecht, die widerspenstigen Haare wurden mit Gel in Form gebracht, und die Zähne auf Hochglanz poliert. Vaters Rasierwasser – das teure, nicht das billige für jeden Tag - trug er auch noch reichlich auf.

Der gute Anzug wurde angezogen und auch die Krawatte durfte nicht fehlen. Ein letzter Blick in den Spiegel. Er war zufrieden. Eigentlich komisch – irgendwie fremd - aber ein sehr gut aussehender, junger Mann blickte ihm aus dem Spiegel entgegen.

Auch die Familie war begeistert. Alle ins Auto seines Vaters – der ramponierte Geländewagen blieb zu Hause - und ab zum vereinbarten Treffpunkt. Viel zu früh traf man ein und man wartete also.

Da sah er sie. Eine junge Frau spazierte die Straße herunter. Er war wie vom Blitz getroffen. Sie war wunderschön und sie lächelte nur ihn an. Er hatte keine Augen mehr für seine Verwandtschaft und für seine Freunde. Sie flüsterte ein kaum hörbares „Hallo“. Er war hin und weg. Gedanken kamen ihm in den Kopf. Er wollte mit dieser wunderschönen Frau weglaufen und mit ihr den Rest seines Lebens verbringen. Ganz einfach weg von der Stadt und dem ganzen Drumherum. Sollte die Familie diesen Tag doch alleine feiern. Nur mit ihr wollte er allein sein.

Da unterbrach sein Bruder die Tagträumereien und sagte: „Los ihr zwei – der Pfarrer wartet schon! Auf in die Kirche die Hochzeitsgäste sind schon alle da!“

Es wurde ein wunderschöner Tag – bis heute!

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