Die Sekretärin
Donnerstag, den 15. Oktober 2009 um 14:01 Uhr |
Johann Bednar | Geschichten & Gedichte - Geschichten

Im Zuge einer Suchtgiftamtshandlung, wir hatten einen Kleindealer eingefangen, der ab und zu einige Joints verkaufte, kamen dann auch natürlich die Abnehmer an die Reihe, na ja, an diesen und jenen hatte er einige Gramm Haschisch verkauft und nannte uns, da wir ihm ja gut zugeredet hatten auch einige Namen.
Es war eine kleinere Sache, kein großer Fisch sondern mehr so eine Heringsart.
Wir hatten nun einige Namen von Konsumenten und schrieben dann fleißig Vorladungen und ersuchten die Damen und Herren um einen Kurzbesuch bei uns im Büro.
Es kam auch eine junge Frau und ich begann mit meiner Befragung und hielt ihre Angaben gleich in einer Niederschrift fest. Ich schrieb ihr Nationale, Name, Adresse und das übliche blah blah als die Frau zu mir sagte: „Na ja, der Schnellste sind sie nicht gerade beim schreiben“.

Ich machte ein leicht beleidigtes Gesicht, denn im Schreiben war ich nicht einmal so schlecht, klopfte ich doch immer so mit acht bis 10 Fingern in die Tasten. Auf meine Frage ob sie es besser könnte, meinte sie nur trocken: „ Na sicherlich, ich bin ja Sekretärin“.
Meine Kollegen und ich hätten sich dies immer gewünscht, eine Sekretärin die den ganzen Schreibkram erledigt, aber da waren wir wohl in der falschen Gehaltsstufe.
Ich stand von meinem Sessel auf und meinte zu ihr, na dann schreiben sie doch mal. Sie klotzte mich kurz an, stand auf und setzte sich auf meinem Sessel.
Ich begann zu diktieren. Nachdem sie ihr Nationale geschrieben hatte, ich muss sagen sie schrieb echt flott und verdammt schnell, kamen wir zu dem Satz „Zur Person“. Sie schaute mich an und fragte was, sie jetzt schreiben soll. Na zur ihrer Person: Schulausbildungen, Lehrzeit und so weiter halt, aber das müsste sie ja eh am Besten wissen. Sie gab Gas und schrieb. Super, ich stand daneben wie der Generaldirektor einer großen Firma und diktierte. Meine „Sekretärin“ schrieb brav.
Ein Kollege kam ins Büro, schaute mal kurz ganz blöd: „ Was macht die denn da?“, fragte er mich. Sie schreibt ihre eigene Niederschrift, meinte ich ganz trocken. Wenn sie fertig ist, sagte mein Kollege, kann sie an meinen Akten gleich weitermachen, er grinste und haute ab.
Ich diktierte weiter, so das Frage – Antwort Spiel. Ich stellte die Frage, sie schrieb sie und schrieb dann ihre Antwort.
Es war eine ganz neue Art der Vernehmung, sollte ich doch öfters machen, dachte ich mir, ist doch echt bequem.
Nun gut, die Vernehmung war äußerst erfolgreich, sie schrieb, wie oft sie ab und zu Haschisch gekauft hat, was sie bezahlte und wie lange sie schon raucht.
Es war ein Geständnis erster Klasse. Als das Ende der Vernehmung nahte, diktierte ich: „Schreiben sie jetzt links unten v.g und rechts v.g.g.“ Ein fragender Blick der Dame und ich klärte sie auf. V.g.- vor dem gefertigten, V.g.g - von mir gelesen und gefertigt.
Das war es dann. Ich begleitete die Frau noch in das Erkennungsamt, es wurden nette Fotos von ihr gemacht und schaute noch bei der Abnahme der Fingerabdrücke zu.
Es war eine echt nette Amtshandlung und eine Überlegung wert, ob dies nicht Generell eingeführt werden könnte.

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