War was?
Freitag, den 24. Juli 2009 um 13:21 Uhr |
Hermann Szodl | Geschichten & Gedichte - Geschichten
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Nachtdienst. Das heißt von 19:00 Uhr bis 07:00 Uhr im Wachzimmer Kaiser Ebersdorfer Straße Dienst versehen. Der Wachkommandant hatte sich um 24:00 Uhr ins Bett gelegt. Zuvor teilte er uns mit, dass er heute auf keinen Fall gestört zu werden wünscht. Da heute sowieso nichts los war und er furchtbar müde war, gebe es bei Nichtbeachten Repressalien zu fürchten. Es stimmt, die Nacht ist lau und auffallend ruhig. Ich fuhr mit meinem Kollegen Franz M. das „erste Nummer“. Jetzt konnte ich beruhigt warten bis um 06:00 Uhr die Ablöse kommt. Ich habe bis dahin Journaldienst.
Es ist gegen 03:30 Uhr als plötzlich das Telefon läutet. Da ich Wachhabender bin nehme ich auch den Anruf entgegen. Eine weibliche Stimme zirpt in den Apparat.

„Bin ich da Richtig bei der Polizei? Ich hätte da ein heikles Problem“.
Nur mäßig interessiert erkundige ich mich nach der Art des Problems.
„Das kann ich am Telefon nicht sagen, aber kann ich vorbeikommen? Mit meinem Freund? Es wäre dringend!“
„Nun ja wenn es so dringend ist, kommen sie eben vorbei. Mal sehen was ich für sie tun kann“ und legte den Hörer auf.

Mein Name ist Hermann SZODL. Mein Dienstgrad ist Revierinspektor. Ich mache in Wien – Simmering Dienst.

Eine halbe Stunde später läutete es an der Wachzimmertüre. Nachdem ich geöffnet hatte, stand da ein junges Pärchen vor mir. Verlegen grinsend eröffnete das Mädchen mir, dass es vor kurzem angerufen habe.
„Ja und? Wie kann ich ihnen helfen?“
„Tja das ist ein bisschen kompliziert. Dürfen wir eintreten?“
Die Geschichte begann spannend zu werden. Mir fiel beim Eintreten des Mädchens auf dass sie ihre Jacke über der rechten Hand trug, gerade so dass man die hand nicht sehen konnte. Sie nahm am Schreibtisch mir gegenüber Platz und ihr Freund postierte sich hinter ihr. Dann legte sie die Hand mit der Jacke auf den Tisch und zog die Jacke mit einem Ruck zurück.
Erstaunt registrierte ich dass das rechte Handgelenk eine in rosa Plüsch gekleidete Handfessel zierte. “Das ist unser Problem!“ eröffnete der mitgekommene Freund. Wir haben ein wenig gespielt. Beim Herumalbern brach dann der Schlüssel ab und blieb im Schloss stecken. Wir hoffen jetzt dass ihr Schlüssel passt und sie die Handschelle aufsperren können.“
Das Mädchen lachte kurz hysterisch auf und ihr Lachen ging übergangslos in Weinen über.
Leicht erheitert holte ich meinen Handschellenschlüssel und versuchte das Schloss zu öffnen.
Zu meinem Bedauern musste ich feststellen dass der abgebrochene Teil den Mechanismus blockierte und das Schloss so nicht zu öffnen war.
„Vielleicht passt der Schlüssel von einem Kollegen?“ hoffte das Mädchen.
„Nein, da muss ich sie enttäuschen, wir haben alle den gleichen Schlüssel.“



 
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