Die Kräutermafia
Samstag, den 06. Juni 2009 um 12:53 Uhr |
Richard Lux-Rubenser | Geschichten & Gedichte - Geschichten

Baldrian Koriander stand vor dem bekannten Restaurant „Liebstöckl“ und wartete auf seinen Freund Peter Silie. Zwei alte Dille-Tanten humpelten an ihm vorbei. Obwohl jede von ihnen in einen Frauenmantel gehüllt war schlotterten sie vor Kälte. Baldrian starrte ihnen nach. Da wandte sich eine der Beiden um und giftete ihn an: „Was ist, warum gaffst du mich wie ein Major an? Lass das, sonst gibt’s was aufs Froschgoscherl!“. Baldrian schaute indigniert in die Gegenrichtung. Jetzt fröstelte es auch ihn.

Wenn Peter nicht bald auftauchte würde Mario sicher verärgert sein. Mario Oregano war der Capo der hiesigen Kräutermafia und kümmelte sich um jede Kleinigkeit. Er hasste Verspätungen und er hatte schon Leuten wegen kleineren Vergehen die Kresse poliert. Da musste man froh sein, wenn man mit ein paar Grasnarben davonkam. Aber da bog Peter schon lässig wie immer um die Ecke und schnittlauch eine freundliche Grimasse.

Gemeinsam stiegen sie die enge Lavendeltreppe zu Marios Büro hoch. Mario sprang erfreut auf und umarmte Peter herzlich. „Komm setzt dich. Lass uns etwas Käse pappeln und Kräuterbier trinken. Und jetzt erzähl, wie ist es gelaufen?“
„Gelaufen? Der Überfall aufs Kompostamt? Wie geschmiert:“, grinste Peter. „Dost und ich sind wie vereinbart rein. Mein Hund Ysop wie immer bei Fuss. Die Objektive der Überwachungskameras haben wir mit Portulak unschädlich gemacht. Einer der Wächter wollte sich wichtig machen. Da hats ein paar aufs Löwenmaul gegeben, dass er einen Löwenzahn ausgespuckt und die Königskerze gemacht hat. Dost ist kurz nervös geworden und hat eine Malve aus seiner MP in die Decke gejagt. Die Kassierin – auf ihrem Namensschildchen stand „Melisse“ – schaute wie’s Palmkätzchen wenn’s blitzt. Da sagte ich: ‚Schau nicht wie die Zitronen, Melisse, sondern her mit dem Gold, Melisse. Sonst muss ich Ysop auf dich hetzen und der macht dann Borretsch aus dir!’ Und dann waren wir auch schon wieder weg.“
„Und wie viel habt ihr ergattert?“ wollte Mario ungeduldig wissen.
Ka Mille, aber vielleicht eine halbe“, sagte Peter Silie cool, während draußen die Polizeiautos mit Sirenengeheul in Richtung Kompostamt vorbeibrausten…

Hier klicken um mehr über den Autor Richard Lux-Rubenser zu erfahren!

 
Template wurde mit www.template-builder.com erstellt - Copyright by Thomas Angerer