Shakespeare, Nestroy & Co.
Montag, den 01. Juni 2009 um 12:51 Uhr |
Richard Lux-Rubenser | Geschichten & Gedichte - Geschichten

Der Besuch der alten Dame bei Antigone auf Naxos schien unabwendbar. Gott sei Dank schickte König Lear die Einladung zu Figaros Hochzeit mit der kratzbürstigen Salome gerade rechtzeitig. Jakubowsky und der Oberst machten sich also auf den beschwerlichen Weg über das weite Land. Sie begleiteten Minna von Barnhelm und Mutter Courage und ihre Kinder, denn diese hatten tatsächlich Angst vor Virginia Woolf.
Der Widerspenstigen Zähmung beizuwohnen käme einem Sommernachtstraum gleich.

Eigentlich hätte der Hauptmann von Köpenick auch mitkommen wollen, aber er hatte einen dringenden Termin mit des Teufels General. Zurzeit machten Liliom und das liederliche Kleeblatt oder Lumpazivagabundus die Wälder unsicher.

Auch Macbeth, der eingebildete Kranke begleitete die kleine Reisegesellschaft, denn er wollte sich beim Kaufmann von Venedig Medikamente abholen.
Bei ihrer Ankunft in Andorra erwarteten sie bereits der Verschwender und seine beiden Chefs, der Alpenkönig und der Menschenfeind. Denn der Verschwender war ein Diener zweier Herren.
„Wo findet der Reigen denn statt“, wollte der Oberst wissen. „Zu ebener Erde und im ersten Stock!“ lautete die Antwort. „Und was gibt es zu essen?“ „Was ihr wollt, aber ich empfehle gegrillten Hamlet. Biedermann und die Brandstifter haben ein herrliches Grillfeuerchen entfacht. Die lustigen Weiber von Windsor und die Physiker waren auch ganz begeistert. Mittlerweile ist sogar die Katze auf dem heißen Blechdach geflüchtet. Getränke sind leider aus. Wir warten auf Godot, unseren Getränkelieferanten.“

Bezahlt wird nicht, wenn das so ist!“, entgegnete der Oberst bestimmt.

Wie es euch gefällt“, erwiderte der Verschwender, „aber damit sie werden sie einen Bruderzwist im Hause Habsburg anzetteln. Denn der Bauer als Millionär ist ziemlich knausrig, der verrechnet jeden zerbrochenen Krug, da wird ihnen auch der Talisman nichts nutzen.“

„Das stört mich nicht im Geringsten. Ich fordere Freiheit in Krähwinkel!“, rief der Oberst, denn er war schon immer ein heimlicher Revoluzzer. „Mein Ziel ist die Endstation Sehnsucht! “

„Da sollten sie sich aber in Acht nehmen. Man hört sowieso so wilde Geschichten aus dem Wiener Wald. Die Räuber gehen um“

„Ach was, ich weiß schon was sie meinen. Der Tod des Handlungsreisenden war ein Einzelfall. Der Zerrissene war ja quasi selber schuld!“

Aber wie meist machte man wieder einmal viel Lärm um Nichts. Schließlich sagte der Oberst versöhnlich zum Verschwender: „Ich schenk dir drei Groschen, Opa!“ Und so wurde es für alle Beteiligten ein Weekend im Paradies. Ende gut, alles gut.

Hier klicken um mehr über den Autor Richard Lux-Rubenser zu erfahren!

 
Template wurde mit www.template-builder.com erstellt - Copyright by Thomas Angerer