Der Blunz'n-Pepi
Dienstag, den 28. April 2009 um 10:41 Uhr |
Thomas Angerer | Geschichten & Gedichte - Geschichten
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Ein abgeschlossener Kurz-Krimi

Wieder einmal war das Los auf Benny Leitner gefallen.
Das jüngste Mitglied im Ermittler-Team von Chefinspektor Stock war also ausgeschickt worden, um das Mittagessen für die Kollegen zu holen.
Immer wieder Mittwochs begab man sich dazu zum „Blunzn-Pepi“, einer Fleischhauerei mit angeschlossener Imbissstube, wo jeden Mittwoch Blutwurst mit Sauerkraut und Semmelknödel für die Polizei zum Spezialpreis als Tagesteller gereicht wurde.
Auf dem Weg zum „Blunzn-Pepi“ formte sich vor Bennys innerem Auge schon das Bild der dampfenden Köstlichkeiten. Dabei hätte er aber beinahe das Ziel seiner Träume gar nicht erreicht. Er war derart in Gedanken versunken, dass er fast von einem Auto überfahren worden wäre. Der Schreck und die Empörung über den Lenker, der wegen Bennys Unaufmerksamkeit auch noch schimpfte wie ein Rohrspatz, wichen aber sehr schnell der Erheiterung. Und zwar über das Kennzeichen des dicken Mercedes: „WU-RST1“

Die Autonarren und ihre Wunschkennzeichen, dachte er schmunzelnd.
Als Benny schließlich das kleine Geschäft betrat, lächelte ihm bereits das stets freundliche Gesicht des Fräulein Charlotte entgegen und errötete wie immer ein wenig, als Benny sie mit einem fröhlichen „Küss die Hand!“ begrüßte.
Nachdem er drei Mal den Tagesteller und für die vegetarisch veranlagte Kollegin einen großen, gemischten Salat geordert hatte, wollte Benny noch eine Vorbestellung für seine noch immer ausständige Einstandsfeier im Büro tätigen.
„Geh, Herr Benny, da hol’ ich aber lieber den Chef.“, flötete das Fräulein Charlotte mit ihrer zuckersüßen Stimme. „Der arbeitet grad hinten im Kühlhaus. Sie passen mir eh so lange auf’s Geschäft auf, gell?“
Wer könnte diesem Augenaufschlag widerstehen?
Benny studierte gerade den Menüplan für die kommende Woche, als ihn ein markerschütternder Schrei des Fräulein Charlotte aufschreckte.
In Wildwest-Manier hechtete Benny über das Kassenpult und lief nach hinten, wo ihm bereits kreidebleich die zierliche Verkäuferin entgegenkam. Mit weit aufgerissenen Augen deutete sie nach hinten in den Kühlraum der Fleischhauerei.
Benny, der nicht so recht wusste, was er mit ihr anstellen sollte, schob die Verkäuferin einfach zur Seite und ging schnurstracks in den Kühlraum.
Und da hing er, der Blunzn-Pepi. Im Kühlraum. An einem Haken, wo normalerweise nur Schweinelenden abgehängt werden. Die Hände mit Klebeband am Rücken gefesselt, eine klaffende Wunde am Hinterkopf. Eine riesige Blutwurst, die ihm der Mörder offensichtlich als Wegzehrung in das Reich der Toten mitgeben wollte, ragte aus seinem Mund.
Der Hunger wurde auf Mittagspause geschickt. Der Kriminalbeamte erwachte. Bennys Sinne waren geschärft. Irgendetwas störte ihn.
Der Geruch. Klar, es roch nach Tod. Es roch auch nach Fleisch, aber verdammt, da war noch etwas. Es erinnerte ihn an irgendetwas.
Ein Bild flackerte kurz vor seinem inneren Auge auf, doch es verschwand, noch ehe er es wirklich fassen konnte.



 
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