Das Gespräch
Mittwoch, den 06. Mai 2009 um 10:30 Uhr |
Steve Soon | Gedichte
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Vater:
Fürwahr mein Sohn, es war nicht leicht,
was ich im Leben hab' ereicht,
und unter mancherlei Entbehrung
hab' ich gesorgt für die Ernährung.
Ich hab' geschuftet wie ein Pferd,
war voll geschlaucht, lag auch zu Erd'
und hab mit meiner beiden Hände
geschaffen all die schönen Wände.
Und nun mein Sohn, kommst du mir noch
mit all dem dümmlichen Maloch.
Glaubst du im Ernst, ich weiß es nicht,
worauf die Jugend heut' erpicht!

Sohn:
Nein, Vater, nein, so glaube mir,
denn wenn du irrst, so irrst du hier!
 
Vater:
Mein Sohn, gib Ruh', ich bitte dich,
die Worte schmerzen wie ein Stich!
Nicht irren ist des Vaters Tat -
vielmehr geb` ich den guten Rat
und dass du bleibst am rechten Pfad,
seh` ich als Pflicht in diesem Staat.
 
Sohn:
Ich weiß, dass du aus reiner Pflicht
nur in den Job legst dein Gewicht.
Doch glaube mir, bei meiner Ehr,
auch Mutter bräuchte dich oft sehr...
und ich - beileibe - ich vermisse dich,
nur du hast keine Zeit für mich.
 
Vater:
Zeit! Zeit! Ich kann nicht hören dieses Wort,
mal bin ich hier, mal bin ich fort.
So ist nun mal mein schweres Los -
was hab' ich für `nen Bankert bloß?
Undankbar und rotzig frech,
weiß von nichts und redet Blech!
 
Sohn:
Das ist nicht wahr! Das ist nicht wahr!
 
Mutter:
Du hast ja Recht, mein Gott, fürwahr!
So weine nicht, du bist mein Sohn
und Liebe, die bekommst du schon.
 
Vater:
Nun sieh dir mal dein Zimmer an,
das Spielzeug kaum noch tragen kann...
 
Sohn:
...aber Spielzeug will ich nicht!
 
 
Mutter:
Ruhig mein Sohn, der Vater spricht.
 
Vater:
Genau - und jetzt sperr auf die Ohren,
damit dir geht kein Wort verloren:
Es war der Wunsch von mir und Mutter,
dass du bekommst zum Brot die Butter.
Dir sollt' es einmal besser geh' n,
dafür musst du auch uns versteh' n.
Von nix kommt nix, das ist dir klar,
so kommt es leider, dass ich spar'
bei jener Zeit, die dir gewidmet;
und weil es auch mein Stolz verbietet,
wenn man zeigt auf dich mit Fingern...
 
Mutter:
...es soll auch nicht dein ICH verringern,
falls du nicht hast, was and're haben –
d'rum schenken wir dir all die Gaben.
Und diese Gaben kosten Geld,
das niemand schenkt dir auf der Welt!
 



 
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