Der 150-Kilo-Schmuggler
Freitag, den 01. Mai 2009 um 10:26 Uhr |
Johann Bednar | Geschichten & Gedichte - Geschichten
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Der 150-Kilo-Schmuggler
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Ein gefälschter Sichtvermerk wurde dem Mann aus Nigerien zum Verhängnis und zwar bei der Passkontrolle.
Wie ein Bär tapste der 150 kg Riese, er war beinahe 2 Meter groß zum Schalter und zückte seinen Reisepass. Seine Reiseroute war Nigeria - Bulgarien - Sofia - Wien und der Kollege von der Grenzkontrollstelle bemerkte sofort den gefälschten Sichtvermerk. Wir befanden uns auch bei den Einreisekojen und waren auf der Lauer ob vielleicht ein wenig „Gift für uns abfallen würde“. Nun, Passagiere aus Nigeria waren ja immer interessant, denn der Suchtgiftschmuggel von dort blühte gerade auf.

Aber sein Gepäck war sauber, nichts zu finden und trotzdem wurden wir das Gefühl nicht los, dass etwas nicht stimmt. Er wollte einen Landsmann in Wien besuchen und nur einige Tage bleiben, so erzählte er uns. Aber er stotterte umher rollte verlegen mit den Augen und wir hatten den Verdacht auf Körperschmuggel, der groß in Mode war. Ab in das Allgemeine Krankenhaus, das war damals unsere Anlaufstelle für Körperschmuggel, die Röntgenabteilung.
Aber nicht mehr lange!
Mit dem Röntgen war das ja so eine Sache, wir schwebten da etwas im luftleeren Raum, denn Röntgenuntersuchungen sind nach der geltenden Rechtsgrundlage in Österreich ausschließlich für medizinische Zwecke vorgesehen. Sicherheitsuntersuchungen, so der Standpunkt des Bundesministeriums für Gesundheit, Sport und Konsumentenschutz, dienen keinem medizinischen Zweck. Damals wurde uns mitgeteilt, dass Untersuchungen von Personen welche verdächtig sind Suchtgift zu schmuggeln nicht mehr in den öffentlichen Spitälern durchgeführt werden, dies könne aus dem § 1 des Wiener Anstaltengesetzes nicht abgeleitet werden. Weiß der Teufel was dies alles heißt. Auf anderen europäischen Flughäfen Wie Frankfurt, Madrid usw. waren Röntgengeräte für Suchtgiftschmuggler in Betrieb, bei uns natürlich nicht. Aber was soll es!
Wir fuhren halt in eine Privatordination, natürlich mit dem Einverständnis des Betroffenen und kamen so auch zum Ziel. Es war so nach dem Motto „ihr macht das schon, Gesetz dafür gibt es keines“. Nun waren wir halt im AKH.
Babatune, so hieß der Mann, verschwand hinter dem Röntgenschirm und der Arzt begann mit der Untersuchung und nicht nur wir, sondern auch der Herr Doktor bekamen Stielaugen.
Im Bauch von Babatune spielte es sich teuflisch ab, vor lauter ovalen Kugeln war sonst nichts zu sehen wie auf einer Perlenkette aufgefädelt war der komplette Darm voll. Wir hatten schon einige Körperschmuggler in den Fängen gehabt, aber eine solche Menge hatten wir noch nie gesehen. Das fertige Röntgenbild sah aus wie ein modernes Kunstwerk.
Babatune wusste was es geschlagen hat, grinste und klopfte sich auf den Bauch. Wieder in Schwechat auf der Dienstelle machten wir uns auf einen langen Stuhlgang des Babatune gefasst.
So wie wir es uns gedacht haben so war es auch. Babatune schiss in aller Ruhe vor sich hin und in den „Stuhlpausen“ eilten wir zu der Vernehmung. Einige Fragen und dann wieder ab auf die Toilette um einige Kugeln abzufangen, so ging es halt dahin.
Er war in Nigeria Geschäftsmann, aber die Geschäfte liefen nicht so richtig an, erzählter er uns. Er lernte dann einen Landsmann kennen, welcher jedoch schon seit längerer Zeit in Österreich, in Wien, lebte. Dieser Mann machte auch den Vorschlag Heroin günstig einzukaufen um es dann nach Wien zu schmuggeln und so könne er seinen Schuldenberg ein wenig abbauen. Babatune gefiel der Vorschlag und man einigte sich auf den Körperschmuggel, denn hier bestand das geringste Risiko. Gesagt, getan! Babatune kaufte günstiges Heroin, verpackte dieses in Präservative und begann eifrig zu schlucken, was gar nicht so einfach war.



 
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