Die Kollegin mit der feuchten Schnauze
Freitag, den 17. April 2009 um 10:25 Uhr |
Johann Bednar | Geschichten & Gedichte - Geschichten

Zurzeit „geistert“ Kommissar Rex durch die Wohnzimmer und löst die größten Fälle mit einem „Klacks“, hätte Inspektor „Moser“ nicht seinen Hund, würde er ja blass aussehen. Diesen Hit, der sich im Fernsehen abspielt, hatten wir schon Jahre vorher, genau gesagt seit dem 10.Juni 1987.
Wir waren, was Diensthunde anbelangt, immer auf die Kollegen der Sicherheitswache, den Hundeführern oder den Kollegen vom Zoll angewiesen. Benötigten wir einen Hund, so mussten wir einen Hundeführer anfordern, was oft nicht so einfach war, denn meistens wenn wir einen brauchten, war keiner da. Es gab damals, glaub ich, 4 Diensthunde in Schwechat bei der Polizei, welche auf Suchtgift abgerichtet waren, natürlich waren die oft samt „Herrl“ dienstfrei, krank oder waren mit anderen Aufgaben beschäftigt und wir benötigten sie oft sehr rasch.
Kollege K. Joschi hatte dann eine glorreiche Idee.

Er beschloss, sich einen Diensthund für die Suchtgifttätigkeit am Flughafen zu besorgen. Dies war natürlich vorerst nicht einfach, da für den Kriminaldienst kein Diensthund vorgesehen ist und wir wussten, dass Joschi als „Zivilist“ die Domäne der uniformierten Kollegen durchbrach.
Er führte damals stundenlange Gespräche mit der Diensthundeabteilung in Wien und dem Ministerium und am Anfang glaubten einige Leute, er wäre besoffen, ein „Kiebera“ will einen Diensthund, na so was!
Der damalige Chef der Bundespolizei im Ministerium, Ministerialrat Dr. Z. hatte Verständnis für dieses Problem und erstmalig in Österreich wurde ein Diensthund für Kriminalbeamte genehmigt.
Wie gesagt, einzigartig und natürlich hatte Kachelmeier mit diversen Scherzen von Kollegen zu kämpfen und er wurde ernsthaft gefragt, wie lange es dauert, bis der Hund auf der Schreibmaschine perfekt war und als Schriftführerin eingesetzt werden kann. Es gab halt allerhand Sprüche dieser Art.
Der erste Hund den sich Joschi aussuchte, war ein engl. „Beagle“, der hatte jedoch bei uns keine Überlebenschance.
Er war stur wie ein Bock, hatte keinerlei Spieltrieb und wurde nur munter, wenn es ums Fressen ging. Es erging uns ähnlich wie bei „Rex“, das mitgebrachte Jausenpaket befand sich immer in Gefahr und wenn wir essen wollten, so mussten wir den Kopf in die Schreibtischlade stecken oder auf die Toilette gehen, die Hundeaugen und auch sein Magen waren überall.
Wollten wir vom „Menü“ nichts abgeben so zeigte er uns sein frisch geputztes Gebiss. Auf alle Fälle er hatte keine Chance bei uns und wurde als Diensthund für untauglich erklärt und musterte ab.
Dann kam Joschi mit ihr, eineinhalb Jahre jung, Schnauzbart und Stummelschwänzchen und die Dame hieß „Lady“.
Eine deutsche Rauhaarvorstehhündin aus einem Tierschutzhaus in Bruck an der Leitha und sie mochte uns von Anfang an. Sie beschnüffelte uns ausgiebig, schleckte uns ab und war richtig verspielt, eine gute Voraussetzung für einen Drogenhund.
Es stand ihr natürlich noch die Ausbildung bevor und K. war sechs Monate mit Lady in Strebersdorf auf Kurs. Nachdem sie die Prüfung geschafft hatte, bekam sie einen Platz im Büro, aber sie war lieber dort, wo etwas los war und hatte ihre Nase überall. P. Martin war ihr Liebling, denn er fütterte sie, wo er nur konnte, am liebsten mit Schnitten und so einem Zeug.
Außerdem wurde sie sofort von uns befördert zum „Bezirksinspektor“.
Wir zogen ab nun mit dem Hund am Flughafen umher, Herrchen Joschi, versteckte bei jeder Gelegenheit ihr „Spielzeug“ welches mit Heroin oder Kokain gefüllt war, natürlich so dass sie nicht zu dem Gift kam und es zeigte sich, dass sie ein guter „Gifthund“ war, denn ihr Spieltrieb war ausgezeichnet, denn das Suchen von Gegenständen oder Gift ist ja auf den Spieltrieb aufgebaut.
Manche Laien meinten, die Hunde müssten süchtig gemacht werden um Rauschgift zu finden, dass ist natürlich der größte Blödsinn, denn das Tier wäre in kürzester Zeit tot.
Ich bin kein Experte in der Hundeabrichtung, aber ich bekam einiges mit. Der Hund weiß ja nicht was er sucht? Er sucht nur sein Spielzeug, das einen besonderen Geruch hat und das er finden möchte. Ob es Gift ist, Sprengstoff oder Leichen, ist ihm eigentlich egal, er sucht nur sein Spielzeug. Beim Suchtgift merkt er sich halt den Geruch der Drogen und diese sucht er.
„Lady“ konnte im Laufe der Jahre schöne Erfolge vorweisen und brachte manchen Suchtgiftschmuggler arg zum Schwitzen und wir hatten oft richtigen Spaß mit ihr.
Bei Herrchen K. ging es ihr auch sehr gut, er hatte immer schon Hunde und außerdem einen schönen Garten zum Tollen. Vor ca. 3 Jahren wurde sie leider von einem Auto angefahren und verletzt und musste dadurch den Dienst „quittieren“ und ist bei K. „Joschi“ in Pension.

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