Die Marihuana-Ernte
Sonntag, den 15. Februar 2009 um 14:01 Uhr |
Johann Bednar | Geschichten & Gedichte - Geschichten
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Die Marihuana-Ernte
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Dienstfrei, ein Familientag mit Gattin war angesagt:
Die Bootsfahrt in Laxenburg brachte ein wenig Abwechslung in den „Gift-Alltag“ und dann noch ein kühles Bier an dem heißen Sommertag. Aber man kann machen was man will, man trifft eben immer Leute, die einen kennen.
So war es auch damals! „Grüß Gott, Herr Inspektor“ und schon saß ein Mann samt Familie bei uns am Tisch. Ich kannte den Mann flüchtig und der plauderte munter drauflos. Eine Frage Herr Inspektor? Was ist das?

Er holte aus seiner Rocktasche irgendein Grünzeug heraus und reichte es mir. Einige vertrocknete Blätter auf einem „Stengel“ hielt ich in der Hand. Bei näherer Begutachtung sagte ich ihm, dass dies Hanfblätter waren. Wusste ich doch, sagte er, er freute sich richtig das Gemüse qualifiziert zu haben. Hanf, oder Marihuana, das, was die „Giftler“ rauchen.
Er wurde richtig stolz über seine Weisheit. Ich klärte ihn auf, dass dieses Zeug überall wild wachse und meistens die Inhaltstoffe für den Suchtgiftkonsum ganz minimal waren. Ich hatte eigentlich angenommen, er hat das Zeug irgendwo gefunden oder ausgezupft und macht sich jetzt wichtig! Nein, meint er, er kenne ein ganzes Feld in Wienerherberg bei Schwechat, dort wachse das Gras schon Meterhoch.
Nun war ich an der Reihe und bekam spitze Ohren wie Meister Spock. Der Anbau sowie der Besitz der Pflanze waren verboten. Es gab immer irgendwelche Leute, kleine Schlafzimmer - Botaniker, die für den Hausgebrauch Hanf anbauten und dann in aller Ruhe verqualmten, aber die fielen eigentlich nicht ins Gewicht.
Er beschrieb mir den Ort wo die Stauden stehen sollten und ich versprach ihm, dass ich mich darum kümmern werde.
Am nächsten Tag machten Kurt und ich eine kleine Spazierfahrt nach Wienerherberg, es sind nur einige Kilometer von Schwechat. Die Sonne schien, ein herrlicher Tag.
Rupf hatten wir mitgeteilt, was wir vorhaben und seinem Grinsen entnahmen wir, dass er nicht viel Hoffnung hatte uns heute noch zu sehen, da in dieser Gegend einige Heurige angesiedelt waren.
Wir fuhren dort in der Gegend herum und suchten das „bitterböse Haschischfeld“ und wir fanden es auch! Na, mit der Landwirtschaft hatten wir beide nicht viel am Hut aber nach unserer Schätzung nach stand da ein Feld ca. 2000 Quadratmeter groß und der Hanf stand in voller Größe vor uns, Mannshohe Stauden und nur Hanf.
Ab und zu sah man eine mickrige allein stehende Sonnenblume aber sonst nichts, außer Hanf! Wir stapften in dem Feld herum und begutachteten die Pflanzen und siehe da, bei einem Großteil der Pflanzen waren die Blattspitzen abgeschnitten.
Da waren schon Besucher am Werk und hatten sich fest bedient. Ich gebe zu, wir waren leicht überfordert aber dann begannen wir den Besitzer des Ackers ausfindig zu machen.
Unser erster Weg war der Gendarmerieposten Ebergassing. Die Kollegen kannten wir schon von früher und die staunten auch nicht schlecht über unsere Mitteilung. Sie waren zwar örtlich zuständig, aber heilfroh dass „Gift - Kiebera“ da waren.
Wir erfuhren, dass der Acker einem Bauern von Ebergassing gehöre und den besuchten wir. Den Acker, den habe er verpachtet und zwar an eine Jagdgesellschaft. Ein Ingenieur war der Jagdaufseher und die Gesellschaft bestand aus mehreren Leuten. Einem Arzt, einem bekannten Wiener Rechtsanwalt und sonst noch einigen Leuten.
Der Jagdaufseher beteuerte und schwor hoch und heilig, er habe nicht gewusst, dass dies ein Hanffeld war, er habe das Saatgut gekauft und angebaut, das Feld sollte als Deckung für das Wild dienen.



 
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