Die obersten Kerzen brennen nicht
Dienstag, den 16. Dezember 2008 um 13:51 Uhr |
Markus Schiffer | Geschichten & Gedichte - Geschichten
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Die obersten Kerzen brennen nicht
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Peter und seine Geschwister Karin und Christian freuten sich schon lange auf die Adventszeit. Endlich konnten sie mit ihrer Mutter wieder Kekse backen, und der Vater war auch öfter zu Hause bei seiner Familie.
Die Adventszeit war voller Aufregungen. Christkindlmarkt, Märchentheater, Zuckerwatte und Geschenkkataloge waren an der Tagesordnung. Die Wohnung war weihnachtlich dekoriert und an allen Ecken und Enden blinkten bunte Lichter.

Eigentlich sollte es die schönste Zeit im Jahr sein, wurde zumindest immer im Fernsehen und im Radio verlautbart. Auch die Eltern sagten immer wieder, dass der Advent doch am Schönsten sei.
Doch heuer war es irgendwie anders. Die Eltern waren in der schönsten Zeit doch etwas gereizt. Peter und seine Geschwister bemerkten dies immer öfter, vor allem wenn sie Fragen nach dem Heiligen Abend stellten. Der Vater wurde grimmig uns sprach kein Wort und auch die Mutter wurde einsilbig und manchmal bemerkte Peter Tränen in ihren Augen.

Oma, die eigentlich in der Adventszeit die Woche ein- bis zweimal vorbeischaute, war nicht zu sehen. Auch wurde verboten zu Oma zu gehen. „Oma geht es nicht so gut!“ hieß es dann immer, oder „Oma ist weggefahren!“

Nun damit konnten Peter und seine Geschwister leben, die Hauptsache Oma würde am Heiligen Abend bei ihnen sein. Aber Peter machte sich so seine Gedanken und begann die Familie aufmerksam zu beobachten. Er schlich sich in die Nähe des Telefons wenn es läutete um die Gespräche zu belauschen. Auch horchte er an der Küchentüre wenn sich die Eltern unterhielten. Er bemerkte dass sich die Telefon- und Küchengespräche meistens um Oma drehten. Auch war da die Rede von einem Cousin. Den kannten allerdings Peter und seine Geschwister nicht. Zumindest nicht persönlich. Gehört hatten sie schon davon. Er war ca. 15 Jahre älter als Peter. So mindestens 25 Jahre. Ein Tunichtgut sollte er sein. Die Lehre habe er abgebrochen, sei dem Alkohol verfallen und in „Sandlerkreisen“ verkehren. So ging es fast die ganze Adventszeit. Schließlich fassten sich die Geschwister ein Herz und verlangten Antworten von den Eltern. Warum sie so gereizt seien und was überhaupt mit Oma sei.
Peters Vater – ein Polizist – schmetterte alle Fragen von Peter und seinen Geschwistern ab. „Das geht euch nichts an! Dazu seit ihr viel zu jung!“ „Mama und ich, wir werden das schon richten!“

Der Heilige Abend kam. Peter, Karin und Christian wurden den ganzen Tag bei einer Tante untergebracht. Sehr unüblich, denn sonst waren sie immer bei Oma. Bei Oma war es lustig. Es wurde gesungen, Kekse gebacken und im Schnee gespielt. Die Tante hatte keine Zeit - der Weihnachtsstress – sie musste ständig Leute anrufen um ihnen „Schöne Weihnachten und ein Gutes Neues Jahr“ zu wünschen. So verbrachten die Geschwister den Tag mehr vor dem Fernseher alleine.
Sie fragten sich was los ist. Keiner gab ihnen eine Antwort. Auch die Tante nicht – die wusste ja gar nichts.



 
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