Trauma und Sterne
Donnerstag, den 17. Januar 2008 um 13:11 Uhr |
Peter L. Niegel | Gedichte

Diagnose Krebs.
Angst? Nein - wohl aber Gedanken. Erst noch wenige.
Trauma. Operation. Erwachen.
Erwachen aus einem Akt der notwendigen ärztlichen Körperverletzung.

Ein Gefühl wie in einem unterirdischen Fluss.
Treiben lassen. Ruhiges Wasser?
Aufgewühlt? Schmerzen?
In sich hineinhören. Angenehme Ruhe!

Heiss hier im Raum.
Wie die Temperatur im OP war?
Tunnelblick. War er das? Ist er das?

Keine Vorboten des Jenseits?
Habe keine Eichhörnchen oder Rehe über meine Bettdecke oder durchs Zimmer huschen sehen!
Also kein Hinüberdämmern? Kein über die Brücke gehen?

Sehnsüchtiges Warten auf milde Temperaturen und blauen Himmel. Draussen.
Offenes Fenster. Vogelgezwitscher. Straßenlärm. Blauer Himmel. Draussen.
Weil die äußere Stimmung dann auch schnell auf das innere Gemüt einwirkt.

Engelsgleiche Klänge in den Ohren.
Rauschzustand? Medikamentencocktail? Dämmerzustand?

Innerlich habe ich frohlockt. Einmal wird es vorbei sein.
Wenn uns alle der Tod aus diesem manchmal irrigen Kreislauf nimmt.
Andere Ärzte in anderen weißen Kitteln müssen andere Kranke behandeln, - mich nicht mehr.

Ich sage es jetzt halt gerade wie mir ist.
Ich tobe mich richtig aus.
Ich liebe dieses innere Lebendigsein. Nein, ich habe es geliebt. Vorbei!

Was tue ich hier? Ich möchte wieder zu mir kommen. Zu mir. Will ich?
Ich möchte wieder schreiben. Ich möchte!
Möchte ich? Was? Warum? Für wen?

Jetzt ist es wohl gelaufen, mein Leben?
Deswegen melancholisch, traurig sein?
Bei den vielen Tiefen, die ich durchlebt habe? Nein. Leben!

Schreiben ist für mich das, was für den legendären Frosch die flüssige Sahne ist:
Er strampelt so lange, bis sich ein Butterberg bildet - andernfalls würde er jämmerlich ertrinken.

Ich möchte, dass meine geschriebenen Gedanken eben so hingenommen werden,
wie sie gedacht sind - aus mir heraus, so spontan - danach ist mir wieder besser.

Belastet Euch nicht damit. Es sind meine Gefühle, Gedanken..
Kranksein ist diktierte Nichtbeschäftigung mit der Kunst - für mich.
Schreiben ist Kunst - für mich.

Meine Ideen, viele innere Bilder, die ich gedanklich malen möchte, bleiben ungemalt!
Texte bleiben ungeschrieben.

Schon wieder krank. Warum eigentlich?

Verbrennen soll man diesen malträtierten Körper!
Ich brauche ihn nicht mehr. Wer denn? Für was?

Die Asche in den Wind…frei sein, frei sein…! Nicht möglich.
Die Asche muss in eine Urne, Silberurne, Goldurne, egal.
Urnen, Särge, Bestattungsunternehmer, Gärtnereien, Geschäftemacherei.

Ich wäre mit einer Blechdose zufrieden! Wenn ich schon irgendwo rein muss!
Asche in den Wind oder Konservenbüchse…
Wir sind alle vergänglich, endlich, mit und ohne Sarg oder Konservenbüchse.

Der Sarg senkt sich, der Trompetenchor beginnt.
Die Frauen weinen, die Männer schnäuzen sich
und der angeblich Tote ist längs woanders!

Oh, ich glaube, ich werde mich einmal großartig amüsieren, wenn ich tot bin,
wenn ich dieses falsche Spiel hier auf Erden nochmals von ‚höherer Warte’ betrachte!

So wie wir, die Lebenden, am Meeresufer die Ebbe sehen,
so gewiss gibt es auf der anderen Seite die Flut, das heißt unsichtbar hoch ins Licht…
Kapiert das denn keiner?

Wer ist eigentlich die Frau an meinem Bett in der Nacht, die mich fragt:
„Weißt Du, warum es Sterne gibt? Die Sonne hat den Mond geliebt!
Sie hatten sich so gerne. Und seither gibt es Sterne."

Ich will endlich raus aus diesem kaputten Körper.
Unnütz mein Heulen und Toben.

Die Nachtschwester hat meine Dämonen vertrieben
mit chemischen Hämmern, Placebo-Medikamenten und kindlichen Texten.
Ihren Namen habe ich vergessen Leider.

Sie wird nie ein Verdienstkreuz bekommen. Warum auch?
Sie hat nur selbstlose Nächstenliebe praktiziert. Wohl nicht nur bei mir.
Dafür wurde noch niemand belohnt.

Sie hat mir gut getan! Danke.
Ich bin geheilt! Hoffe ich!

Peter L. Niegel (12/2003 und 10/2007)
 

"Stille" ist ein Werk aus dem Gedichtband
"Tierkreiszeichen Krebs - Diagnose Krebs"
Aufarbeitung einer Krebserkrankung
mit Hilfe der Lyrik

Erschienen als limitierte Auflage von 200 Stück
im Eigenverlag

Erhältlich um € 9,50 zzgl. Versandkosten
direkt beim Verfasser unter
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