Frau Stefanie
Mittwoch, den 19. Dezember 2007 um 13:46 Uhr |
Markus Schiffer | Geschichten & Gedichte - Geschichten
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Frau Stefanie
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Frau Stefanie ist in der Küche und bereitet das Abendessen für sich und ihren Lebensgefährten Peter zu.
Sie lebt seit Jahren mit Peter zusammen. Ihr Mann ist im 2. Weltkrieg gefallen. Zumindest vermutet sie es, da ihr Mann seit Kriegsende in Russland als verschollen galt.

Die Lebensgemeinschaft mit Peter war ursprünglich eine Zweckgemeinschaft. Beide waren alleine und auf der Suche. Peter hatte eine kleine Wohnung in Innsbruck, im Stadtteil Pradl, und suchte eine Aufräumerin. Frau Stefanie suchte eine Unterkunft, da sie alleine die große Wohnung nicht mehr erhalten konnte. Peter vermietete ihr ein Zimmer und mit der Zeit wurde aus dem Mietverhältnis ein eheähnliches.

 

Sie können sich beide nicht mehr genau daran erinnern, wann die Grenze zwischen Mieter und Vermieter verschwamm. Aber eines Tages gingen sie zusammen essen und anschließend tanzen, und...
Heiraten wollten sie beide nicht. Sie wollten sich einfach das Geld sparen und damit vielleicht einmal einen kurzen Urlaub machen. Nächstes Jahr vielleicht.
Kinder waren nie ein Thema. Als sie jung war wollte Frau Stefanie drei bis vier Kinder. Vielleicht lag es ja an ihr, dass es einfach nicht sein sollte.

Als das Essen fertig ist ruft Frau Stefanie ihren Lebensgefährten. Nachdem dieser nicht kommt, geht sie nachsehen und findet Peter vor der Badezimmertüre. Er sitzt am Boden. Auf eine Ansprache reagiert er nicht. Sie traut sich nicht ihn zu schütteln um ihn aufzuwecken. Die Haltung von Peter ist eigenartig aufrecht. Es muss Hilfe her.

Frau Stefanie zieht ihre Schuhe und den Wintermantel, den ihr Peter vor einigen Jahren geschenkt hatte, an. Sie macht sich auf den Weg zur Polizeiinspektion die nur fünf Minuten von ihrer Wohnung entfernt ist. Telefon haben Peter und Stefanie nicht, denn das wäre einfach zu teuer gewesen, und Peter hat ein solches Gerät immer als Luxus bezeichnet. Die Nachbarin hat zwar eines, aber man will ja niemanden belästigen.

Als sie bei der Polizeistation ankommt ist gerade ein Riesenwirbel. Zwei Parteien haben eine lautstarke Auseinandersetzung und der diensthabende Beamte hat alle Hände voll zu tun die Situation zu beruhigen.



 
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