Es war einmal...
Samstag, den 15. Dezember 2007 um 13:42 Uhr |
Markus Schiffer | Geschichten & Gedichte - Geschichten

Vor langer, langer, okay,… sehr langer Zeit lebten ein paar Musiker auf dem schönen Land Tirol. Sie trugen graue Röcke und hatten einen wunderbaren, französischen Namen. Schindmähre, wenn ich mich recht erinnere.
Eines Tages kam ein böser Mann aus dem Osten und verdonnerte diese Musikanten ihr Gewand und den schönen, französischen Namen abzulegen. Sie mussten sich zu allem Übel auch noch mit dem faulen Bruder aus der Stadt verbünden.

Der böse Mann zwang sie, sich sündteure, blaue Uniformen aus dem Internet zu bestellen, die sie nach mehrmaligem Zurückschicken endlich in der passenden Größe erhielten. Der Kragen war hochgeschlossen, wie ein Sklavenhalsband, und von bequem konnte keine Rede mehr sein.
Unbarmherzig trieb der böse Mann aus dem Osten - mit seinen Helfern vor Ort, denen er wohlklingende Namen wie Generalmajor oder Musikoffizier und Kapellmeister gab – die Musiker zu Höchstleistungen. Tagelang mussten sie in muffigen Probelokalen üben und vor halbvollen Sälen ihr Können zum Besten geben.
Sie mussten schwierige und leichte Opern spielen. Schwierige Opern sind das wo jemand drei Stunden lang „ Ich sterbe, Ich sterbe“ singt, und in der leichten Oper singt derselbe „Ich sterbe, gebt mir ein Bier, Ich sterbe“.
Am Weihnachtsabend waren diese Musiker in der größten, westlichen Stadt neben dem Inn unterwegs. Sie froren erbärmlich in ihrer neuen, blauen Uniform mit dem beengenden Stehkragen. Sie durften auch keine Wollmützen tragen, denn das wäre dem optischen Erscheinungsbild abträglich gewesen. So hatten sie teilweise schon blaue Ohren und der Atem gefror ihnen im Mund.
So streiften die Musiker durch die große, widerliche Stadt. Sie waren es nicht gewohnt sich dort aufzuhalten und sie sehnten sich nach ihrem zuhause auf dem Land.
In einer dunklen Gasse drang Licht aus einem Gasthaus. Die Musiker hörten den Lärm der Gäste und die Musik aus dem Wurlitzer. Sie drängten sich um das Fenster und konnten sehen, wie sich Bäuerinnen auf der Tanzfläche lasziv bewegten. Im gesamten Lokal herrschte eine Riesenstimmung und man konnte auch den Duft von Schnitzel mit Pommes und Schweinsbraten bis auf die Straße wahrnehmen.
Und so kam es wie es kommen musste,
die Musikanten gingen einfach beim Gasthaus vorbei.

Schöne Grüße

an die Helfer vom bösen Mann aus dem Osten
und an die Armen Musikanten

Hier klicken um mehr über den Autor Markus Schiffer zu erfahren!

 
Template wurde mit www.template-builder.com erstellt - Copyright by Thomas Angerer