Das 'S' der Sehnsucht
Samstag, den 01. Dezember 2007 um 13:57 Uhr |
Ulrich Hefner | Geschichten & Gedichte - Geschichten
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Das 'S' der Sehnsucht
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Der Morgen begann genauso chaotisch, wie der Abend geendet hatte. Zuerst verteilte Sophia den Kakao über dem Frühstückstisch, dann waren die wichtigen Papiere für die Dienstbesprechung verschollen und am Ende musste Peter auch noch den Wagen überbrücken. Völlig abgehetzt und außer Atem stieß er die Tür zu seinem Arbeitszimmer auf. Das Telefon klingelte ungeduldig.
"Hallo, hier bei Loose!" meldete er sich entnervt.
"Mensch Peter, wo steckst du denn die ganze Zeit. Wir warten schon seit einer halben Stunde auf dich. Sundermann ist ganz schön sauer", drang die vorwurfsvolle Stimme von Hänschen Weber aus dem Lautsprecher.
Peter zerbiss einen Fluch auf den Lippen.
"Ich hatte Probleme mit dem Wagen und musste auf Britta warten. Ich komme sofort".
Ohne auf eine Reaktion zu warten beendete er das Gespräch. Hektisch ergriff er seine Aktentasche und sauste zur Tür.

"Hallo Herr Loose, schön sie endlich zu sehen", begrüßte ihn Sundermann mit zynischem Unterton. "Nehmen Sie doch Platz. Wir sind gerade bei den Umsatzzahlen."
Peter Loose setzte sich auf den einzigen noch freien Stuhl.
"Der November lief genauso schlecht wie die Vormonate", verkündete Sundermann betreten. "Sie sehen meine Herren, unser finanzieller Spielraum ist erschöpft. Der Absatz ist rückläufig, die Rohstoffpreise haben angezogen und unser Mutterkonzern trägt sich mit dem Gedanken, die unrentablen Abteilungen abzustoßen. Wir dürfen uns keine Fehler mehr erlauben, sonst können wir uns alle nach einem neuen Job umsehen."
Sundermann blickte forschend in die Runde.
"Aber Herr Sundermann“, meldete sich Peter Loose verlegen zu Wort. „Ich habe einen Wartungsplan für die Maschinen ausgearbeitet. Seit vier Monaten sind die notwendigen Reparaturen überfällig. Ich kann sonst als Produktionsleiter keine Verantwortung mehr für einen reibungslosen Ablauf übernehmen."
"Papperlapapp! Es ist kein Geld da, Herr Loose. Die Maschinen laufen doch. Wollen Sie etwa, dass wir unsere Mitarbeiter entlassen, nur weil Sie eine Inspektion der Anlagen einfordern. Wir müssen Prioritäten setzen", antwortete Sundermann mit ernster Miene.
Betretenes Schweigen herrschte im Sitzungsraum. Peter dachte an das neue Fahrrad für Sophia. Gerade erst zu bescheidenen Wohlstand gekommen, zehrten nun die Tilgungsraten für das Reihenhaus stark an seinem Gehaltskonto. Er wich Sundermanns fragenden Blick aus und starrte auf den Wartungsplan, der ihn die letzten Tage beschäftigt hatte.
"Also, sie kennen jetzt die Situation. Wir sind fertig. Sie können nun wieder in ihre Abteilungen", schloss Sundermann die Unterredung.



 
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