Das Feuerzeug
Donnerstag, den 06. September 2007 um 18:44 Uhr |
Franz Engel | Geschichten & Gedichte - Geschichten
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Es war nach einer harten Ausbildungswoche. Freitag, irgendwann im Mai 1972. Ich hatte die ganze Nacht Dienst in der 3.Hundertschaft beim Bundesgrenzschutz in Lüneburg. Mein Dienst in dieser Woche, bis zu diesem Freitag, war W.v.D., das ist der Wachhabende vom Dienst. Er begann gestern um 16:00 Uhr. Da, wo die Hundertschaft in den Feierabend geht.
In der Hundertschaft gab es rechtsseitig vom Eingang ein kleines Wachhabendenzimmer. Sehr spartanisch eingerichtet mit Tisch, Stuhl, Bett und einem Schrank. Ach ja, ein Telefon war natürlich auch vorhanden. Auf dem Tisch lag das Wachhabendenbuch neben vielen anderen Zeitungen und Zeitschriften. In diesem Buch wurden die stündlichen Eintragungen von Außen- und Innenstreifen um die Hundertschaft eingetragen. Außerdem besondere Vorkommnisse, die es in dieser Nacht nicht gab.
Ich rückte meine Uniform zurecht. Der Leibriemen mit der Schnalle gerade vor dem Bauch. Krawatte neu gebunden. Stiefel kurz mit einer Bürste aus dem Schrank geputzt. Die Signalpfeife oben rechts in der Tasche der Uniformjacke, mit dem kleinen Lederstreifen am Knopf befestigt. Ein Blick noch in den Spiegel im Eingangsbereich gegenüber dem Wachfenster.
Rauf in die erste von zwei Etagen. Hinter der großen zweigeteilten Glastür befanden sich rechts und links die Zimmer der Auszubildenden Grenzjäger. Es ist 06:30 Uhr. Ich nehme die Signalpfeife mit der Spitze in den Mund und pfeife einmal für ca. 3 Sekunden. Anschließend das Kommando „HUNDERTSCHAFT …..AUFSTEHEN“. Dieses wiederholte ich dann nochmals im Erdgeschoss. Die zweite Etage wird stets vernachlässigt, weil sich hier die Unterführer, Zugführer und die älteren Kraftfahrer befinden, die nicht in der Stadt wohnen.
Nach ca. 15 Minuten wurden dann immer sporadische Stubenkontrollen durchgeführt. Wer dann noch im Bett lag, hatte nicht die besten Karten. Es kam dann schon mal vor, dass die gesamte Gruppe … meistens zwei Zimmer… am Abend nochmals eine kleine Auffrischung bekam. In der Regel war es eine Formalausbildung von ca. 30 Minuten.
In der Anfangsphase der Ausbildung kam das öfters vor. Das legte sich jedoch gewissermaßen.
Die Hundertschaft hatte nun 1 Stunde Zeit zum Frühstück, bis der morgendliche Appell vor der Hundertschaft stattfand.
Das Prozedere war jeden morgen gleich. Ich musste an diesem Morgen als W.v.D. dem Innendienstmeister melden, dass die Hundertschaft angetreten ist. Der so genannte „Spieß“ las dann aus der „Rolle“ die abwesenden Beamten (Urlaub, Grenzstreifen, Kranke etc.) vor.
Die Unterführer jeder Gruppe der 3 Züge begannen dann, die Auszubildenden in ihrem äußeren Erscheinungsbild zu kontrollieren. Jede schlecht sitzende Uniform wurde beanstandet. Eine sofortige Korrektur wurde verlangt. Nach diesem Ritual konnte ich die Hundertschaft wegtreten lassen.
Damit war mein Dienst beendet. Da das Schlafen eines W.v.D. in seiner Dienstzeit nicht gestattet war, konnte ich jetzt meinen Schlaf nachholen. Als ich aufwachte waren die meisten Beamten in das wohlverdiente Wochenende gefahren.
An diesem Wochenende im Mai 1972 hatte ich Dienst. Samstag und Sonntag waren Grenzstreifen angesagt. Ich war Unterführer und zugleich Ausbilder im 3. Zug der 3. Gruppe. Die Hälfte meiner Gruppe hatte mit mir an diesem Samstag und Sonntag die Grenzstreife von 05:00 -13:00 Uhr.
Grenzjäger Neumann, Winter, Berger und Bollmann standen am Samstag um 04:30 Uhr vor der Hundertschaft. Ich ging die Eingangstreppe herunter; hatte meine grauen Handschuhe aus weichem Wildleder gerade über die Hände gezogen, da trat Neumann aus der Linie von vier Beamten hervor und meldete mir „Grenzstreife mit einem Kraftfahrer fertig zum Abmarsch“.
Ich kontrollierte die Ausrüstung, insbesondere die G1 (das Gewehr) und befahl aufsitzen. Die Grenzjäger Neumann, Winter, Berger und Bollmann machten kehrt und sprangen auf die Ladefläche unseres Magirus Deutz mit dem Kennzeichen „BG- 1401“.
Unser Kraftfahrer an diesem Tag war der Grenzhauptjäger Werner Knoblich. Werner war schon 7 Jahre beim Bundesgrenzschutz und hatte sich dem Kraftfahrtwesen verschrieben. Er liebte alles, was vier Räder und einen Motor hatte.
Ich begab mich zum Fahrzeug, schaute auf die Ladefläche und rief hinauf „Na Männer, alles dabei für`s leibliche Wohl“. Nach kurzer Stille kam dann Berger zur Ladeklappe und antwortete „Jawohl Gruppenführer“.


 
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