Das Feuerzeug - Seite 2
Donnerstag, den 06. September 2007 um 18:44 Uhr |
Franz Engel | Geschichten & Gedichte - Geschichten
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Das Feuerzeug
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Ich stieg in`s Führerhaus, wo der Werner schon wartete. Auch ihn fragte ich „ na’ Werner , die Karre ok., Funk überprüft?“ Werner gab das ok mit einem kurzen Tippen der rechten Hand an die rechte Stirn, und sagte „klar Franz.“ Ich verstaute meine MP 5 (Maschinenpistole) zwischen Werner und dem 4m-Funkgerät.
Na, dann mal los zum Stab …
Bevor wir fahren konnten, musste das Stabsgebäude aufgesucht werden. Erst hier bekam der Gruppenführer immer den Streifenweg, den Funkkanal sowie besondere Aufträge in einem versiegelten Umschlag. Keiner wusste vorher, wohin es im Grenzraum ging. Die geheimen Unterlagen wurden einen Tag vorher vom Stab zusammengestellt, die dann wiederum das Grenzschutzkommando Hannover in Kenntnis setzten.
„Guten Morgen,… Grenzstreife…. 3. Gruppe… 3. Zug… 3. Hundertschaft fertig zum Abmarsch“ … „Bitte die Streifenunterlagen“, sagte ich zu dem etwas verschlafenden Stabsmitarbeiter. Der Beamte mit dem Dienstgrad Meister übergab mir die Unterlagen. Ich quittierte und ging wieder zum Fahrzeug. Hier öffnete ich den versiegelten Umschlag und wusste nun die Grenzstrecke mit den Überwachungspunkten. Zunächst zur Elbe über Hitzacker, danach weiter nach Schnackenburg, da wo die Elbgrenze in die Landgrenze überging, nach Gartow in Richtung „Wirler-Spitze“, einen Abstecher zum „Wildschweineck“ und anschließend zur „Königsbrücke“.
Die Überwachungspunkte hatten alle einen so genannten Code-Namen. Jeder von uns wusste, wo die Punkte sich auf der Karte und im Gelände befanden.
Werner holte seine Packung Zigaretten aus der linken Brusttasche seiner Uniformjacke hervor, öffnete sie geschickt mit einer Hand und hielt sie mir hin. Ich sagte zu Werner „gleich, lass uns erst die Unterkunft verlassen“. Über den 4m Funkkanal meldete ich unsere Streife an, und wir fuhren zum Ein- und Ausgangstor der Unterkunftswache. Hier wurde das Ausgangstor von einem Grenzjäger der Nachtwache geöffnet. Er grüßte, indem er die Hacken zusammenschlug und die rechte Hand ausgestreckt an die rechte Seite der Bergmütze führte, wobei der Zeigefinger den Mützenschirm berührte. Aus dem Augenwinkel sah ich noch, wie froh er war, dass er gleich Feierabend hatte.
„Jau Franz, so nimm dir eine“ sagte Werner, als wir aus Sichtweite der Unterkunft waren. Ich nahm mir eine heraus. „Ist zwar nicht meine Marke, aber einen geschenkten Gaul schaut man ja nicht in`s Maul“. Werner lächelte.
In der Zwischenzeit hatte Werner schon eine zwischen den Lippen. Ich kramte etwas ungeschickt in den Taschen nach meinem Feuerzeug. „Na’ lass mal“ sagte Werner. „Hier haste Feuer“. „Danke Werner“ kam verlegen von mir. Nur, wo ist denn meins nur …? Mensch, ich brauche es doch noch heute öfters. Na, wenn wir in Hitzacker sind, wird ja wohl schon ein Kiosk offen haben ...
Wir fuhren auf der Landstraße in Richtung Elbe. Es war ein schöner Maimorgen. Die Temperaturen lagen so bei 8 Grad, und es war trocken. Werner stellte die Heizung auf volle Pulle. Die Grenzjäger auf der Ladefläche hatten schon die Plane hinten heruntergelassen und geschlossen. Aus meiner eigenen Grenzjägerzeit wusste ich genau, was jetzt dort hinten abgeht: Nickerchen und zusammen gerückt, damit es nicht so kalt war.
Ich hatte Verständnis dafür. Ist das Wochenende schon mit Dienst belegt, dann sollten sie es wenigstens etwas gemütlich haben.
Die Fahrt war, wie jede andere Fahrt an Wochenenden - langweilig. Nur ab und zu kam uns ein Fahrzeug entgegen. Leute, die in Lüneburg auch an diesem Wochenende arbeiten mussten.
Wir erreichten Hitzacker so gegen 06:30 Uhr. Das Städtchen lag noch im Schlaf. Die Geschäfte natürlich noch geschlossen. Der einzige Kiosk in der Nähe der Elbe ebenfalls. Die Touristen waren ja noch nicht da. Tschüss, Feuerzeug….!
Die Grenzjäger öffneten die Plane und sprangen vom LKW. Ich erteilte den Auftrag und wies Werner an, mit dem LKW an einem vorher ausgemachten Punkt, ca. 5 km vom jetzigen Standort, auf uns zu warten.
So marschierten wir gegen 07:00 Uhr auf dem Deich bei morgendlicher Maisonne an der Elbe entlang. Nach ca. 2 km wurden wir von einem Boot der DDR entdeckt. Das Boot hielt mittig der Elbe an. Ich sah durch mein Fernglas, wie ein Besatzungsmitglied an der Backbordseite an der kleinen Reling stand und ebenfalls mit dem Fernglas uns beobachtete. Er rief dem Bootsführer irgendwas zu. Es wird wohl unsere Gruppenstärke, Bewaffnung etc. gewesen sein. Einige Zeit später sah ich, wie er mit einer Kamera und ordentlichen großen Aufsatz knipste. Ich wies meine Grenzjäger sofort an, in Richtung „Westen“ zu schauen. Man wollte sie etwas ärgern.
Das Boot wendete auf der Elbe und fuhr weiter aufwärts. Ich legte mit meinen Männern eine Pause ein. Aus der Jacke kramte ich meine Zigaretten heraus und suchte mein Feuerzeug. Ach Gott, ich hatte ja keins, der Kiosk, der wohl geöffnet hatte, lag ca. 3 km weg. Werner noch 2 km vor uns. Da kam Bollmann, der einzige Raucher der Grenzjäger, und bot mir Feuer an. Er knipste am Rädchen ein, zwei Mal …fast fünfzehn Mal, nichts tat sich. Bis er feststellte, dass kein Gas mehr drin war.
Na wunderbar. Ich hatte Lungenschmacht, hatte Zigaretten - und kein Feuer in Sicht. Sei’s drum: eingesteckt und langsam - unter Beachtung der Eigensicherung - in Richtung Werner.

 
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