Agwubiku
Mittwoch, den 08. August 2007 um 20:13 Uhr |
Martina | Geschichten & Gedichte - Geschichten
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Schwül legt sich die Sonne in das Fenster und scheint auf deinen, noch immer schlecht aufgestellten, PC. Tausend mal hat der Arbeitsmediziner dir schon gesagt, dass er so nicht richtig steht und dass so deine Augen schlecht werden und und und….. Aber was macht man als versklavter Beamter, wenn die Behörde die Tische nicht anders aufstellt und du auch selbst keine Lösung findest diese Undinger irgendwie anders anzuordnen. Irgendwann findest du dich damit ab und denkst an die tollen Brillenrahmen, die du bei der letzten  Shoppingtour gesehen hast.
Schon wieder ein Tag mit tausenden Akten. Es ist heiß und eigentlich freut dich heute gar nichts. Du siehst auf deinen Kalender und denkst „Nein, bitte nicht heute!“ Unzählig verewigte Namen leuchten gerade heute aus der Kalenderspalte hervor. Es ist Ladetag. Kaum den Morgenkaffee geschlürft, klopft auch schon der erste Delinquent an die Türe. Eine Einvernahme kurz und bündig, nur das Wichtigste hingekrikselt, es klopft schon wieder. So geht es dahin bis etwa zehn Uhr. Du hast schon mindestens fünf nette Besuche empfangen, in deinem Zimmer verbreitet sich der Gestank von Parfum vermischt mit Schweiß. Lüften. Nein unmöglich. Die Sonne scheint noch kräftiger und intensiver auf dein Arbeitsgerät und es bleibt dir nichts anderes übrig, als die Fenster fest verschlossen zu halten und die Jalousie herunterzuziehen. Also wer das erfunden hat, dass die Rollläden nur bei geschlossenem Fenster heruntergezogen werden können, hat wohl immer in einem nordseitig angelegten Büro gearbeitet oder den größten Teil seines Lebens im Winter im hohen Norden verbracht.
Egal. Sehnsüchtig wartest du auf den zarten Ton der dir von der Gangtüre aus entgegen klingen sollte. Ruhe. Kein zaghafter Versuch, kein lautes Pochen. Stille.
Du siehst auf deinen Kalender und findest den Eintrag 10:30 Uhr AGWUBIKU. Es wird später und später kein ausländischer Mitbürger. Na auch recht, Zeit für ein Gabelfrühstück.
Nach weiteren Gesprächen mit Unschuldigen und jenen, die die Unschuldsvermutung nicht gelten lassen, hast du dir die Mittagspause verdient. Gleich darauf schnappst du dir den nächsten Kollegen den du findest um nachzuforschen, warum ausgerechnet AGWUBIKU deiner Einladung nicht gefolgt ist. Sie war doch so schön auf weißem Papier geschrieben, mit freundlichen Grüßen unterzeichnet und mit der schönsten Handschrift die du je hervorgebracht hast unterfertig.
„Kollegen?“ Es ist nur einer da. Lois. Super, ausgerechnet er. Mit ihm kann man was erleben. Aber willst du das heute? Wo er hinkommt wächst kein Gras mehr, er kann seine Zunge nicht zügeln und versetzt nervenschwache Gegenüber durch seine Aussagen in einen Zustand der Hilflosigkeit und Verzweiflung. Na egal.
Er ist willig und hat auch seinen Ladetag über die Bühne gebracht und so ergreifst du die Initiative, schnappst dir den Fahrbefehl und den Schlüssel und auf geht’s. Schließlich möchtest du mit deinem kriminalistischen Spürsinn erfahren, warum AGWUBIKU nicht zu dir gekommen ist.
Nach einer endlosen Fahrt durch die Stadt erreichst du gemeinsam mit Lois eine Absteige im 20. Bezirk. Haus wäre wohl übertrieben. Der Verputz liegt teilweise auf dem Gehsteig vor der Straße, im Innenhof türmen sich die Müllsäcke und die Post kann augenscheinlich auch nicht mehr zugestellt werden, da sämtliche Briefkästen aufgebrochen wurden. Na egal irgendwo in diesem Gesteinshaufen befindet sich AGWUBIKU. Zuversichtlich schreitest du gemeinsam mit Lois das Stiegenhaus hinauf. Schließlich soll sich der Eingebürgerte auf Türnummer 43 einquartiert haben.


 
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