Die Bank
Samstag, den 04. August 2007 um 20:07 Uhr |
Franz Engel | Geschichten & Gedichte - Geschichten
Beitragsseiten
Die Bank
Seite 2
Seite 3
Alle Seiten

Erinnerungen an Kind-, Jugend- und Erwachsenen-Tage
Das Jahr 1957, ich war sechs Jahre alt. Meine Eltern hatten gerade ihren Traum vom eigenen Haus in die Wirklichkeit umgesetzt. Mein Vater, ein einfacher Mann, kam sehr spät aus der Kriegsgefangenschaft zurück. Er hatte das Lager in Russland überlebt. Als er heimkehrte musste meine Mutter ihn wieder aufpäppeln. Er war total ausgemergelt, so erzählte sie mir es mal.
Meine Mutter, eine sehr fleißige Frau, hatte erheblichen Anteil daran, dass ich eine behütete Kindheit hatte. Obwohl sie für die Familie mitgearbeitet hatte, war sie immer für uns da. Sie schuftete im Wechsel Früh- und Spätschicht in einer Holzfabrik. Sie hatte es nicht leicht, Beruf und Familie zu vereinbaren. Mein Bruder, er ist 9 Jahre älter, musste schon früh ran, wie man so erzählte. Schon beim Hausbau wurde seine Arbeitskraft gebraucht. Ich dagegen hatte es besser getroffen. Ich konnte meine Kindheitstage recht gut genießen.
Als wir dann in das neue Haus einzogen, musste ich auch die Schule wechseln. Das  war früher hier so. Zuerst, als wir noch im so genannten „Römerviertel“ wohnten, besuchte ich die Annaschule. Es war eine Volksschule. Damals kannte man ja keine Gesamtschule mit Haupt- und Realschule. Es war eben eine Volksschule. Die ging dann auch nur bis zur 8. Klasse.
Also, da wir umgezogen sind, musste ich in die Marienschule. Es hatte einige Vorteile, jedoch auch viele Nachteile. Meine früheren Kameraden aus der Annaschule hatte ich nicht mehr. Wenigstens nicht mehr in der Schule. Dafür hatte ich neue Schulfreunde bekommen, die ja in der neuen Wohngegend bei mir wohnten. Also war es schon ein Vorteil. Die hatte ich ja in der Schule und auch nachmittags zum Spielen in der Nachbarschaft.
Und da gab es noch meinen Cousin, der Heinz. Heinz war drei Jahre älter als ich. Er wohnte ungefähr 3 km von uns weg. Oft bin ich zu ihm gegangen. Er hatte auch Lust auf Fußballspielen. Und da war ja auch noch meine Oma, die ja dort beim Heinz im gleichen Haus wohnte.
Der Heinz hatte aber auch so eine Lust auf Stöbern im Wald. Oft sind wir beide über das Feld, gegenüber wo er wohnt, in den gegenüberliegenden Wald gegangen. Diesen Weg haben fast alle genommen, die dort wohnten. Der Bauer hatte nichts dagegen. Er war schon komisch, dieser Weg. Wenn der Mais mannshoch stand, konnte man den Weg nicht sehen. Die Menschen, die dadurch gingen auch nicht.
Ja dieser Weg. Ich werde ihn nie vergessen. Er führt zu einem Waldanfang. Links davon wieder ein großes Feld, wo sich jeden Abend die Sonne mit den Baumwipfeln eines weiteren Waldes ein Stelldichein gibt. Rechts davon liegt eine Wiese, leicht abfallend bis hin zur Sundernstraße. Da, wo ja der Heinz wohnt.
Dieser Feldweg zum Wald. Es ist ein schmaler fast gradliniger. Er führt auf einen anderen mit etwas Schotter gefüllten Weg. Beide zusammen führen zum Wald. Am Waldeingang steht eine stattliche Eiche. Und darunter ist sie. Sie, die so viele Kinder, Jugendliche und Erwachsene Platz bietet. Die Bank.
Die Bank ist nichts Besonderes. Wie so eben Bänke an und in Wäldern sind. Nicht so wie die heutigen. Ich meine die, wo grüne Farbe die Kunststoffplanken zieren, worunter zwei Betonklötzen stehen. Nee, nee, solch eine Bank ist es nicht. Es ist ein altes Sitzmöbel. Geschickte Hände haben aus einem geraden Baumstamm die Hälfte geschnitten. Grob geschliffen. Sonst nichts gemacht. Aus der anderen Hälfte wurde die Rückenlehne gefertigt. Und was sonst noch abfiel,  da wurden die zwei Holzklötze mit gefertigt. Darauf wurde die Sitzfläche aufgebracht. Ja und die Rückenlehne bekam dann auch noch zwei Stützen.


 
Template wurde mit www.template-builder.com erstellt - Copyright by Thomas Angerer