Sonntag, den 29. Juli 2007 um 19:53 Uhr |
Martin Schulte | Geschichten & Gedichte - Geschichten

Es war einer dieser trostlosen Sonntagnachmittage, der Bürger hatte sich zum Mittagsschläfchen zur Ruhe begeben, die Straßen schienen wie leergefegt, kurzum es gab nichts aber auch gar nichts zu tun für den Wachhabenden der idyllischen Kleinstadtpolizeiwache.
Wie das so ist mit diesen hochausgebildeten und gut trainierten Beamten, wenn er nichts zu tun hat, sucht er sich Arbeit.
Die Kaffeemaschine brodelte ihren Blues, der Papierkorb war leer, als diesem findigen Beamten, wie durch Zufall das Formular "Fundanzeige" in die manikürten Hände glitt.
Hier wurde die Idee geboren, den Amtsschimmel zu satteln. Flugs war der Bogen eingespannt. Die richtige Story fiel ihm auch alsbald ein.
"Ein Bürger betritt die Wache. In einem Jutesack hatte er das Pelztier gefangen, welches seit Tagen am örtlichen Dorfweiher den Enten und Schwänen nachgestellt hatte. Ein kurzer Blick in den Sack und dem Beamten war klar, dass es sich hier, um ein äußerst seltenes, eher in der italienischen Poebene angesiedeltes, rolliges Gnarzweibchen handelte."
Flott war die Fundanzeige entsprechend ausgefüllt (3 fach) mit dem Vermerk versehen, dass dieses seltene und wertvolle Tier bei der örtliche Feuerwache in einen Zwinger verbracht worden sei. Die Tasache, dass die Feuerwehr keinen solchen Zwinger hat, spielt hier keine große Rolle.
Schnell noch die Unterschrift und ab ins Eingangskörbchen.
In der darauffolgenden Wochen trat der Dienstellenleiter an den Beamten heran und bat ihn um ein Beschreibung der Art "Gnarz", da er diese in Brehms Tierleben nicht hatte finden können. Dreist schwindelte der Beamte ihm vor, dass er diese Erkenntnisse aus dem Internet habe, wohlwissend, dass der Chef eine Abneigung gegen Computer hatte und bestimmt nicht weiter nachforschen würde. So ging der Vorgang weiter an die Stadtverwaltung. Hier tat sich einige Tage garnichts.
Um den Vorgang wieder in Schwung zu bringen, rief unser findiger Beamter bei der Stadtvw. an und erkundigte sich nach dem Verbleib des Tieres, es wären z.Z. einige Wissenschaftler auf der Polizeiwache, die dieses Tier gerne genauer untersucht hätten.
Stille am Ende der Leitung. Nach einigen Sekunden die Worte: "Ich rufe wieder an."
Nach knapp einer Stunde meldete sich die Dame der Stadtverwaltung und teilte dem Beamten die Ergebnisse ihrer Ermittlungen mit. Die Feuerwehr wisse von nichts, man habe nachgesehen der Zwinger sei leer (man rätselt noch heute, wie man in einem Zwinger nachsehen kann, der nicht existiert.). Aber vielleicht habe die Dienstschicht vom Vortag das Tier bereits ins Tierheim des Nachbarortes gebracht. Die aufgeregte Dame berichtete nun von ihrem Telefonat mit dem Tierheim. Diese hätten zunächst in ihrem Einlieferungsbuch nachgesehen, dort sei aber kein Zugang vermerkt worden, dann habe man das Tierheim auf den Kopf gestellt und kein Gnarz gefunden.
Erstaunlicherweise kam dann hier erst die Frage:"Wie sieht das Tier denn überhaupt aus?"
Der Beamte sog merklich die Luft ein, darüber hatte er sich keine Gedanken gemacht aber die Dame der Stadtvw. rettete die Situation: " Ist ja auch egal, das Vieh ist ja sowieso weg !"
Sie sei aber schon beim Stadtdirektor gewesen und dieser habe ihr Hilfe zugesichert. Sie bat den Beamten, die Wissenschaftler doch ins Rathaus zu bitten, wo der Stadtdirektor den Wissenschaftler mit intellektuel anspruchsvollem Gespräch die Wartezeit verkürzen wollte.
Der Beamte "übermittelte diesen Wunsch", doch es wurde nie bekannt, warum die Wissenschaftler bis heute das Rathaus nicht gefunden haben.

Diese Geschichte basiert auf einer wahren Begebenheit, es wurden nur die Namen und Orte weggelassen.

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