Lebensmotto

Mittwoch, den 01. November 2006 um 00:00 Uhr |
Thomas Angerer | Geschichten & Gedichte - Geschichten

Früher war mein Lebensmotto „’Cause tramps like us, baby, we were born to run“ aus der Feder von Bruce Springsteen.

Ich war getrieben von Fernweh, Abenteuerlust, der Suche nach Freiheit und gleichzeitig von der Suche nach Zweisamkeit. Ein Lied, geschrieben für mich. Ich, der Rucksacktourist, der mit einem Piratenkopftuch und einem Fotoapparat, immer aus der gewohnten Umgebung ausbrechen musste.

Es war für keinen der mich kannte, mit Ausnahme meiner Großmutter, verwunderlich, dass ich mich für eine UN-Mission beworben habe. Ein Traum also – bestärkt noch durch meinen Onkel, der für das österreichische Militär mehrmals den blauen Helm der Vereinten Nationen aufsetzte.

Im Nachhinein könnte man meinen, dass mein Wunsch, ein Jahr lang in einer ganz anderen Umgebung Dienst zu machen, von Beginn an unter keinem guten Stern stand.

 

Demokratie

Mittwoch, den 01. November 2006 um 00:00 Uhr |
Thomas Angerer | Geschichten & Gedichte - Geschichten

Am 03. Oktober 1999 waren zwei Dinge zu Ende. Zum einen mein dreiwöchiger Griechenlandaufenthalt, alleine, ein Traum der bis heute in mir ist. Zum anderen die Ära der großen Koalition in Österreichs Innenpolitik. Es waren der Tag der Wahlen, an denen die international gescholtene Haider-Partei FPÖ vorübergehend zur zweitstärksten politischen Fraktion im Land wurde.
Ich blieb den Wahlen fern, sehr fern. Ich war auf Rhodos, dem Anfangs- und Endpunkt meiner Inselrundreise. Im Flugzeug gab der Kapitän das Ergebnis der ersten Hochrechnung durch. Raunen bei den Passagieren. Mir war es egal. Zu schön waren noch die Urlaubsgefühle.

Februar 2000. Griechenland existierte nur mehr in meinem Herzen, in meinem Gehirn, auf Fotos, Landkarten und meiner Homepage. Die Koaltionsverhandlungen der Politiker waren mir auch ziemlich egal. Schließlich lagen die Wahlen so weit zurück wie mein Urlaub und die Planung meiner nächsten Griechenlandreisen nahm mich mehr in Anspruch als das Thema, wer das Land regieren sollte.

Ich befand mich im Tagdienst und war auf dem Weg zu einer Gerichtsverhandlung, um genau zu sein zum Unabhängigen Verwaltungssenat. Ich kann nicht mehr sagen, worum es ging. Ich weiß aber noch, dass bereits auf dem Weg dorthin mein Handy läutete.

 

Bis dass der Tod uns scheidet... und nicht einmal dann!

Mittwoch, den 01. November 2006 um 00:00 Uhr |
Thomas Angerer | Geschichten & Gedichte - Geschichten

„Blinded By The Light“ kam aus dem Radio unseres Funkwagens. Es war ein ungewöhnlich ruhiger Freitag Nachmittag gewesen, sogar für den ohnehin recht ruhigen Bezirk, in dem ich seit 2 ½ Jahren Dienst machte. Es war der 19. Oktober 2000. Der Vorabend zur Hochzeit meines Bruders, die erste Diensttour nach einem zweiwöchigen Griechenland-Urlaub.

Ich hatte noch einiges vor an diesem Abend. Zuerst mit meinem Partner, der später auch mein Trauzeuge wurde, ein gemütliches Bier trinken und dann daheim noch das Geschenk für meinen Bruder vorbereiten. Die Glückwunschkarte wollte ich auch selbst machen… ist ja persönlicher!

„Richard 2“ wurde in eine der nobelsten Ecken unseres Bezirkes gerufen. Der Aufforderer war irritiert von einem komischen Geruch, den er von seinem Balkon aus bemerkte.
Schwach aber doch bemerkten wir diesen Geruch auch im Stiegenhaus. Aber, das kann doch keine Leiche sein. Ich hatte ja schon einige davon – einmal sogar ein paar in Serie, dass die Kollegen meinten, man kann mit mir nicht ausfahren, weil da ist immer eine Leiche im Spiel. Ich sei ein „Totenvogel“! Nun, als „alte Hasen“, die zusammen gerade einmal 8 Dienstjahre hatten, sagte ich zu mir: „Das ist bestimmt keine Leiche.“
Es kann ja nicht sein, was nicht sein darf. Ich hatte ja noch einiges vor an diesem Abend.

 

Fünf vor Weihnacht

Mittwoch, den 01. November 2006 um 00:00 Uhr |
Thomas Eppensteiner | Geschichten & Gedichte - Geschichten

Ich hatte noch nicht mal ein Jahr im Außendienst am Buckel, als ich zum ersten Mal mit dem Umstand der Hilflosigkeit und Ohnmacht konfrontiert wurde, der wir alle irgendwann mal in unserem Beruf ausgesetzt und die uns zeigt, dass wir nur beschränkt all das umsetzen und verwirklichen können, was wir uns mal vorgenommen haben. Nicht helfen können, obwohl man möchte... Er hatte schon von Anfang an dieses ungute und flaue Gefühl, das ab und an mal Besitz von uns ergreift, wenn man zum Einsatz fährt. Man weiß zwar nicht warum, aber irgendwas ist dann da, tief unten im Magen. Es sagt: "Freund, dieses Ding wird nicht so laufen, wie du dir das vorstellst." Routine. Einfach fragen, wer denn den an dieser Adresse zugelassenen Wagen derzeit lenkt. Lenken war gut, der Kollege am Telefon erklärte ihm, dass der Wagen mitten in einem Feld gefunden worden war, ohne Lenker.

 

Vorstadtsacher

Mittwoch, den 01. November 2006 um 00:00 Uhr |
Thomas Eppensteiner | Geschichten & Gedichte - Geschichten

03.20 Uhr. In den Nachtdiensten, die ich im Streifendienst verbrachte, sah ich so alle fünf Minuten auf die Uhr. Nach Mitternacht kam es mir immer vor, als würden mächtige Kräfte versuchen die Zeit anzuhalten, am Zeiger sitzend, im Uhrwerk ihren Versuch unerbittlich vorantreibend.
03.20 Uhr, am Rand eines Randbezirkes, in einer schwülen Nacht. Zwischen Plattenbauten, die wie schlafende, graubraune Raupen in der Peripherie liegen und brach liegenden Feldern, auf denen schon längst nichts mehr angebaut wird. Neuer Platz für neue Kriechtiere. Trostloses Umfeld, Nährboden für viele neue unserer Kunden. Die beste, weil einzige Adresse am Ort hat jetzt endlich zu. Ein Cafe, in dem ein Fremder bloß nicht versuchen soll, Streit mit irgendjemandem zu beginnen. Selbst die Wirtin hat mehr Jahre drinnen als draußen verbracht.

 
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